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Alternde asiatische Bevölkerung treibt Nachfrage nach asiatischen Anleihen

Asiatische Bevölkerung wird immer älter.
Ältere Menschen vor Sozialwohnungen in Dali, China. Quelle: Hung Chung Chih/Shutterstock.com

Asien wird voraussichtlich die älteste Region der Welt werden. Laut einem Bericht der Unternehmensberatung Deloitte wird Asien bis zu den 2030er Jahren Heimat von rund 60% der älteren Weltbevölkerung sein.

Vor allem Japan, Südkorea und China sehen sich einer schrumpfenden Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und einer wachsenden Zahl älterer Menschen gegenüber. Bis 2060 wird erwartet, dass die Rentner (65 Jahre oder älter) mehr als 30 Prozent der Bevölkerung des jeweiligen Landes ausmachen.

Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Japan von 2020 bis 2060 um bis zu 30 Prozent sinken. Südkorea und China dürften mit einem Rückgang der Erwerbsbevölkerung um 26 Prozent bzw. 19 Prozent im gleichen Zeitraum einen ähnlichen Weg einschlagen.

Hongkong, Singapur und Thailand weisen eine ähnliche Altersverschiebung auf. Indien und Indonesien dürften zumindest bis 2060 eine wachsende Zahl von Arbeitskräften aufweisen.

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Quelle: Vereinte Nationen, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2017). Aussichten für die Weltbevölkerung: Die Revision 2017, benutzerdefinierte Daten laut Website.

Wer trägt die Last steigender Sozialversicherungsausgaben?

Da sich die Steuerlast auf weniger Arbeitnehmer verteilt, wird die Belastung der Sozialversicherung immer größer. In Japan begann das Schrumpfen der erwerbsfähigen Bevölkerung im Jahr 1995. Etwa zur gleichen Zeit begann die wirtschaftliche Stagnation und Deflation. Japan gelang es im Laufe der Jahre, die Ausgaben für die soziale Sicherheit durch Anhäufung von Schulden zu sichern. Laut S&P Global machten die Sozialversicherungsprogramme im Jahr 2015 18,7 Prozent des BIP aus. Bis 2050 sollen es 22,1 Prozent sein.

Südkorea sieht sich bereits mit einer hohen Armutsquote bei älteren Menschen konfrontiert (39 Prozent im Jahr 2015). Die Ausgaben für die soziale Sicherheit im Jahr 2015 machten 7,7 Prozent des BIP aus. Für 2050 wird ein Anstieg auf 17,8 Prozent erwartet. Die südkoreanische Regierung warnte bereits davor, dass der nationale Pensionsfonds 2057 pleite gehen könnte, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.

In China ist in etwa einer von zehn Menschen über 60 Jahre alt. Die alternde chinesische Bevölkerung ist vor allem auf die Ein-Kind-Politik zurückzuführen. Die Regierung beendete die Politik 2016 zwar und versuchte so, den Rückgang der Geburtenrate zu verlangsamen. Allerdings bisher ohne Erfolg: Die Geburtenrate in Asiens größter Volkswirtschaft ging in den letzten beiden Jahren weiter zurück.

Die Ausgaben für die soziale Sicherheit in China machen nicht so viel vom BIP aus wie in Japan – S&P Global schätzte sie 2016 auf 6,3 Prozent. Bis 2050 sollen jedoch 16,5% erreicht werden. Auch das chinesische Wirtschaftswachstum dürfte sich weiter verlangsamen. Experten sehen die Wachstumsraten im Zeitraum zwischen 2040 und 2050 auf 1,5 Prozent sinken.

Alternde Bevölkerung: Regierungen reagieren langsam auf die Herausforderungen

In Japan liegt das Rentenalter derzeit bei 65 Jahren. Die Regierung von Premierminister Shinzo Abe erwägt, es auf 70 oder 75 anzuheben. Experten sehen jedoch in der Lockerung der strengen Kontrollen ausländischer Arbeitnehmer eine bessere langfristige Lösung.

Die südkoreanische Regierung versucht das Problem mit Maßnahmen zur Steigerung der Geburtenraten anzugehen. Zwischen 2016 und 2018 gab die Regierung 102 Mrd. USD aus, um die Geburtenrate auf das Ziel von 1,5 anzuheben – und scheiterte nicht nur, sondern konnte auch den Rückgang nicht stoppen. Darüber hinaus drängt das Sozialministerium auf eine Reform des nationalen Rentensystems. Die vorgeschlagenen Maßnahmen liegen derzeit der Nationalversammlung vor.

Mit der Einführung eines sogenannten “reverse mortgage”-Systems bietet China seinen Älteren einen Weg, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, ohne die staatlichen Ressourcen zu belasten. Das System ermöglicht es älteren Bürgern, ihr Vermögen, also ihr Zuhause, als Sicherheit zu hinterlegen, um Geld für den Ruhestand zu leihen. Aber bisher haben nur sehr wenige diese Option gewählt.

Asien Anleihen: Nachfrage steigt auf Grund des demographischen Wandels

Allen drei Ländern ist gemeinsam, dass die Rentensysteme eher schwach sind. Im Jahr 2018 erhielten Japan, Südkorea und China im Melbourne Mercer Global Pension Index die Note D. Das bedeutet, dass die Rentensysteme nicht nur große Schwächen aufweisen, sondern auch Lücken aufweisen, die es zu beseitigen gilt.

Jamie Grant, Head of Emerging Markets Debt and Asian Fixed Income bei First State Investments, weist darauf hin, dass “viele der bestehenden Rentensysteme Asiens schlecht auf die schnelle Bevölkerungsalterung vorbereitet zu sein scheinen”. Im Vergleich zum OECD-Durchschnitt ist der Anteil der Asiaten, die zur Rente beitragen, derzeit gering.

Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) schätzt, dass bis 2030 rund 500 Millionen Sparer in Asien erstmals in einen Pensionsplan einzahlen werden. “Diese rasante Entwicklung der Rentensysteme in der gesamten Region wird voraussichtlich die Nachfrage nach verschiedenen Anlageformen in Asien, einschließlich festverzinslicher Anlagen, deutlich erhöhen”, sagt Grant.

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