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China macht ernst mit dem Verbot von Bitcoin-„Minern“

Die chinesische Regierung verschärft die Maßnahmen gegen Kryptowährungs-Mining. Nach Verboten wird Peking nun aktiv und ordnete die Schließung mehrerer Serverfarmen von Bitcoin-Minern in verschiedenen chinesischen Provinzen an, darunter Sichuan, Xinjiang und die Innere Mongolei. Berichten zufolge sind schätzungsweise mehr als 90% der China Bitcoin Miner betroffen und mehr als die Hälfte der globalen Miner. Sichuan war der zweitgrößte Bitcoin-Mining-Standort des Landes, bis er letzte Woche abgeschaltet wurde.

China hatte bereits im Jahr 2017 Zahlungen mit Kryptowährung im Land für illegal erklärt. Es begründete diesen Schritt mit Sorgen um das Finanzsystem und die soziale Stabilität. Im Mai dieses Jahres wurden die Bedenken erneut geäußert und neue Regelungen aufgestellt. Experten glauben, dass die aktiven Schritte, die China jetzt unternimmt, eher in Verbindung mit Umweltfragen zu tun haben.

Kurz gesagt ist das sogenannte Mining der Prozess der Aktualisierung der Bitcoin Blockchain, was bei jeder Transaktionen anfällt. Es erfordert daher enorme Rechenleistung und damit Energie. Laut einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, könnte der wachsende Energieverbrauch und der damit verbundene Kohlenstoffausstoß des Bitcoin-Minings die globalen Bemühungen um Nachhaltigkeit untergraben. „Ohne politische Eingriffe wird der jährliche Energieverbrauch der Bitcoin Blockchain in China im Jahr 2024 voraussichtlich einen Höchststand von 296,59 TWh erreichen und dementsprechend 130,50 Millionen Tonnen Kohlenstoffemissionen erzeugen“, heißt es in der Studie. Dies bedroht Pekings Klimaziele, die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren und bis 2060 Kohlenstoffneutralität zu erreichen.

Chinas Kampf gegen Kryptowährungen ließ den Wert von Bitcoin Anfang der Woche fallen. Er pendelte sich bei etwa zwischen 30.000 und 35.000 USD ein, was einen tiefen Fall im Vergleich zu seinem Allzeithoch von fast 65.000 USD Mitte April bedeutet.

Bitcoin-Miner verlassen China

Da China immer mehr Bitcoin-Minen schließt, sind die Miner gezwungen, neue Standorte zu finden. Branchenexperten erwarten, dass die USA, Kasachstan oder Russland neue Hubs werden – Länder, die eine vergleichsweise günstige lokale Kryptowährungspolitik und billigen Strom bieten.

Die US-Regierung hat eine klare Haltung und einen Rechtsrahmen für Kryptowährungen. Texas, mit vergleichsweise niedrigen Energiepreisen, gilt bereits als Mining-Hotspot. Kasachstans bietet eine reichliche und günstige Energieversorgung.

Und im Markt ist bereits Bewegung: Das chinesische Logistikunternehmen Fenghua International Transportation bestätigte, dass es 3 Tonnen Bitcoin-Mining-Ausrüstung im Auftrag eines Kunden in die USA verschifft hat.

Das in Shenzhen ansässige Unternehmen BIT Mining sagte am Montag, dass es 320 Mining-Maschinen nach Kasachstan geliefert habe. „Wir beschleunigen unsere Entwicklung im Ausland für alternative hochwertige Mining-Ressourcen,“ sagte Xianfeng Yang, CEO von BIT Mining, in einer Erklärung.

Schwierigere Zeiten für Krypto-Mining?

China ist jedoch nicht das einzige Land, das seine Krypto-Politik verschärft. „Weltweit sehen wir ein viel konsequenteres Durchgreifen der Regierungen gegen Kryptowährungen“, schrieben die Analytiker von QCP Capital, einem in Singapur ansässigen Krypto-Handelsunternehmen, in einer kürzlich erschienenen Mitteilung.

Die US-Finanzbehörden haben signalisiert, dass sie sich darauf vorbereiten, eine aktivere Rolle bei der Regulierung des Kryptowährungsmarktes zu übernehmen. In Großbritannien hat die Financial Conduct Authority wiederholt gewarnt, dass jeder, der in Kryptowährungen investiert, „darauf vorbereitet sein sollte, sein gesamtes Geld zu verlieren“. Indien hat bereits ein pauschales Verbot für private Kryptowährungen im Jahr 2019 empfohlen, hat aber noch keine Anti-Crypto-Vorschriften erlassen.

Der weltweit mächtigste Standardsetzer für Banken, der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, sagte Anfang dieses Monats, dass „das Wachstum von Krypto-Vermögenswerten und damit verbundenen Dienstleistungen das Potenzial hat, Bedenken hinsichtlich der Finanzstabilität zu wecken und die Risiken für die Banken zu erhöhen“.

Während Experten vermuten, dass es unwahrscheinlich ist, dass die globalen Regulierungsbehörden Kryptowährungen erlauben werden, ihren Platz im globalen Finanzsystem einzunehmen, könnten sich Regierungen der Entwicklung ihrer eigenen digitalen Währungen zuwenden. „Digitale Fiat-Währungen, die von der Zentralbank eines Landes autorisiert und ausgegeben werden, haben großes Potenzial, ein sicheres, interoperables Zahlungsinstrument zu bieten, das für unsere zunehmend digitale Welt geeignet ist“, sagt Bilel Jamoussi von der ITU Focus Group Digital Currencies.

In China kann man bereits mit einem digitalen Yuan bezahlen, andere Länder setzen sich zumindest schon gedanklich damit auseinander. In Europa soll im Sommer ein Pilotprojekt starten – die Einführung des „digitalen Euro“ ist für 2026 angedacht. Auch die amerikanische Federal Reserve prüft den Übergang zu einer digitalen Zentralbankwährung.