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Chinesischer Automarkt: Erholung nach Abschwung?

China car market: Geely car plant in Linhai. Source: Jenson/ Shutterstock.com
China car market: Geely car plant in Linhai. Source: Jenson/ Shutterstock.com

Das chinesische Wirtschaftswachstum hat sich Ende 2018 verlangsamt. Einen großen Anteil daran hat vor allem der Einbruch im chinesischen Automarkt. Allerdings ist dieser Zusammenbruch nicht Ausdruck mangelnder Kaufkraft oder Stimmung der Verbraucher. Er war weitgehend die Folge einer vorübergehenden Steuersenkung von Ende 2015 bis Ende 2017, die die Nachfrage vorverlagerte. 2018 sank der Autoverkauf in China so zum ersten Mal seit 1990.

Trotzdem laufen Luxus-Automodelle gut in China. Vor allem deutsche Autobauer profitieren davon und konnten entgegen dem allgemein rückläufigen Trend ihren Absatz in China steigern: BMW (einschließlich Mini) um rund 8 Prozent, Audi und Mercedes Benz um je 11 Prozent und Porsche um 12 Prozent. Der Absatz von VW ging leicht zurück (rund 2 Prozent), allerdings ist der Autobauer immer noch Nummer 1 in China. Fast 50 Prozent der weltweiten VW-Verkäufe kommen aus dem Reich der Mitte.

VW Jetta wird eigene Marke in China

Durch den besonderen Erfolg in China macht VW seinen Stufenheck-Golf Jetta jetzt sogar zur eigenen Marke. Für das dritte Quartal 2019 ist der Verkaufsstart einer Limousine und zwei SUVs geplant. Offizielle Verkaufspreise hat der deutsche Autobauer noch nicht bekannt gegeben, es wird aber mit Preisen zwischen 10.000 und 15.000 Euro gerechnet. So soll die Zielgruppe junger Chinesen aus der wachsenden Mittelschicht erreicht werden. Und auch die wachsende Beliebtheit der SUVs berücksichtigt VW.

Von diesem Trend profitieren auch die heimischen Autobauer. Laut dem britischen Marktforschungs- und Prognosespezialist LMC Automotive machten 2018 SUVs fast 60 Prozent des Fahrzeugabsatzes der Zheijiang Geely Holding Group in China aus. Geely kletterte demnach von Rang sechs auf einen vierten Platz nach Marktanteil – nach GM (3), Shanghai Automotive Industry Corporation, inkl. SAIC-GM-Wuling Automobile (2) und VW (1).

Chinesischer Automarkt soll grüner werden

Auch wenn SUVs beliebter werden, Umsatzmotor der Branche sind die neuen Energiefahrzeuge (new-energy vehicles, NEV). Laut China Passenger Car Association (CPCA) wurden 2018 mehr als 1 Million NEVs verkauft, das sind 88,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

China setzt sich mit aller Kraft für eine grüne Mobilität ein, indem es die NEV-Entwicklung unterstützt. Im Jahr 2018 hob das Land die Beschränkungen für ausländische Investitionen in Chinas Automobilindustrie auf und hat die Obergrenzen für ausländische Aktien für Hersteller von neuen Energiefahrzeugen aufgehoben.

Der US-Technologiekonzern Tesla Inc. wird sein elektrisches Model 3 in China herstellen. Kürzlich begann der Bau der Fabrik in Shanghai. Die Fertigung in China soll dazu beitragen, die Transport- und Zollkosten zu senken.

China Automarkt: Erholung erwartet

Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit durch den anhaltenden Tarifkonflikt zwischen den USA und China, erwarten Experten eine Erholung des chinesischen Automarktes. LMC Automotive prognostiziert einen Anstieg des Absatzes von Fahrzeugen unter 6 Tonnen von rund 1 Prozent auf etwas mehr als 28 Millionen Einheiten. Erwartete Maßnahmen der Regierung wie vermehrte Investitionen sowie Steuersenkungen für Privatpersonen und Unternehmen, würden die Menschen wieder ermutigen, mehr auszugeben, hieß es von LMC Automotive.