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Wann wird sich Asien von den Coronavirus Auswirkungen erholen?

Coronavirus und die Auswirkungen auf die asiatische Wirtschaft

Der Ausbruch des Coronavirus hat die globalen Märkte in Aufruhr versetzt. Die Wall Street hat am Montag, dem 9. März, den schwärzesten Tag seit mehr als einem Jahrzehnt erlebt. Auch die chinesischen und asiatischen Aktienmärkte brachen im März ein. Wir sprachen mit Khiem Do, dem Leiter Asian Multi Asset bei Barings, darüber, wann sich die Auswirkungen des Coronavirus auf die Volkswirtschaften in Asien abschwächen könnten.

AsiaFundManagers.com: Wie bewerten Sie die jüngsten Einbrüche an den Finanzmärkten?

Khiem Do: Die asiatisch-pazifischen Märkte sind aufgrund von zwei Schlüsselfaktoren deutlich zurückgegangen: Trotz der Stabilisierung der Covid19-Epidemie in China und im übrigen Asien sind die Anleger besorgt über die ungünstigen Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne, die durch die Beschleunigung der Neuinfektionen und Todesfälle in Italien und möglicherweise in Deutschland, Frankreich, den USA usw. verursacht werden. Mit anderen Worten, die Entwicklungen könnten eine Reihe von Verwaltungen europäischer und / oder US-amerikanischer Städte dazu zwingen, ihre Städte für einen kurzen Zeitraum abzuriegeln. Wenn dies einträte, wäre aufgrund der komplexen Lieferketten für die Produktion ein Rückgang des BIP, der Umsätze und der Rentabilität von Unternehmen die Folge, sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene.

Die Angst und Panik an den europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkten hat die asiatischen Handelspartner erheblich beeinträchtigt. Dennoch sollten wir festhalten, dass die chinesischen und asiatischen Aktienmärkte im März bislang zwar gefallen sind, aber weniger stark als sowohl die europäischen als auch die US-amerikanischen Aktienmärkte. Dies wird zum Teil durch die viel niedrigeren Aktienbewertungen an den asiatischen Märkten unterstützt sowie durch das Erreichen des Höhepunkts und die anschließende Abschwächung der Covid19-Krise in China und Asien. Darüber hinaus wirken die konzertierten Bemühungen der Finanz- und Geldpolitik zur Ankurbelung der Binnenwirtschaften.

AsiaFundManagers.com: Welche Auswirkungen wird der Coronavirus Ausbruch auf die chinesische Wirtschaft 2020 haben?

Khiem Do: Eine Reihe von Ökonomen haben ihre BIP-Schätzungen für China drastisch gesenkt. So verzeichnete das chinesische BIP beispielsweise im Q1 2020 verglichen mit dem Q4 2019 noch ein jährliches Wachstum von 6%. Seit Anfang des Jahres bis heute ergab sich allerdings ein Rückgang von aktuell -3 bis -5% p.a.

Die Prognosen beruhen auf der Tatsache, dass die meisten Büros und Fabriken wegen des Neujahrsfestes fast den ganzen Januar über geschlossen waren. Dann, als sich die Covid19-Epidemie ankündigte, sind eine ziemlich große Zahl von Städten und Menschen im Februar in selbst verordnete oder erzwungene Quarantäne gegangen. Im März haben viele allmählich wieder die Arbeit aufgenommen (die Produktionskapazität ist jetzt wieder zu etwa 60-70% ausgelastet).

Jetzt, da sich die Covid19-Epidemie abgeschwächt hat, ist die chinesische Regierung bestrebt, die Arbeitnehmer zu ermutigen, ihre Arbeit so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Darüber hinaus unterstützt sie die lokale Wirtschaft unter anderem mit mehr Ausgaben für Infrastruktur- und Bauprojekte, finanzieller Unterstützung für notleidende Kleinunternehmen und der Senkung von Kreditkosten.

Auf das Gesamtjahr 2020 betrachtet wird China nach einer anfänglich erwarteten Wachstumsrate von 5,8-6% eher mit etwa 5,5% wachsen. Was immer noch ein starkes Ergebnis ist, wenn man die eher schwachen Erwartungen für die Weltwirtschaft berücksichtigt.

AsiaFundManagers.com: Wie lange wird es dauern, bis sich die asiatische und chinesische Wirtschaft von den Coronavirus-Auswirkungen erholt haben?

Khiem Do: Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, da wir keine medizinischen Spezialisten sind.

Wir rechnen ab Mai mit einer allmählichen Wiederaufnahme der chinesischen Exporte in die übrige Welt und ab etwa Juni mit einer starken Belebung der Wirtschaftstätigkeit in China und in der übrigen Welt. Dies alles unter der Voraussetzung, dass die Covid19-Epidemie in ein oder zwei Monaten in Europa und den USA abklingt und nicht ganz Europa (wie Italien) abgeschottet wird und dass die USA nicht zu stark betroffen sein werden.

AsiaFundManagers.com: Welche Anpassungen nehmen Sie aktuell in Ihren Asien-Aktienportfolios vor?

Khiem Do: Unsere Aktienanlagephilosophie basiert auf Investitionen in die besten verfügbaren Unternehmen mit nachhaltigem Wachstum in unserem Anlageuniversum. Unsere Analysten und Fondsmanager sind langfristige Investoren, und als solche basieren ihre fundamentalen Einschätzungen auf einer detaillierten 5-Jahres-Cashflow-Analyse ihrer Zieltitel, einschließlich eines detaillierten ESG-Scores für jeden Titel.

Daher neigen sie in Zeiten wie diesen nicht zu Panik. Wenn überhaupt, dann neigen sie aufgrund ihrer Aktienbewertung und des inneren Wertes dazu, zu kaufen, wenn es eine Phase des notbedingten Verkaufens gibt.

Um ein Beispiel zu nennen: Im Januar nahmen unsere Fondsmanager in Hongkong und China bei einigen Werten des Basiskonsums, die stark stiegen und ihre Verkaufsziele übertrafen, Gewinne mit. Im Februar bot ihnen der wahllose Ausverkauf auf den chinesischen Märkten die Chance, Wachstumstitel im Technologiesektor aufzustocken. Zum heutigen Zeitpunkt sind sie weiterhin voll investiert.

AsiaFundManagers.com: Vielen Dank für das Interview.

 

Khiem Do, Investment Director, BaringsKhiem Do
Investment Director
Barings

Khiem Do ist Leiter des Asian Multi Asset und verantwortlich für die Verwaltung einer Reihe von spezifischen asiatischen Portfolios und der Multi Asset-Portfolios für Kunden in Asien. Er wurde 2006 zum Mitglied der Strategic Policy Group (SPG), dem globalen Makro-Research- und Asset-Allocation-Team des Unternehmens, ernannt. Er ist Mitglied der Untergruppen SPG Economic Research, Equity Research und Asset Class Research.

Khiem Do kam 1996 von Citicorp Global Asset Management in Sydney zu Barings, wo er der australische Chief Investment Officer und der Vorsitzende des australischen Asset Allocation Committee war. Khiem Do erhielt seinen BA (Hons) in Wirtschaftswissenschaften von der Macquarie University (Australien).