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Wie wirken sich die US-Wahlen auf Emerging Asia aus?

Wie wirkt sich der Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten auf Emerging Asia aus? Wie wird sich das Verhältnis zu China verändern? Und wo ergeben sich in Asien in der gegenwärtigen Situation Investmentchancen? Wir sprachen mit Kunjal Gala, Lead Portfoliomanager, Emerging Markets, bei Federated Hermes.

AsiaFundManagers.com: Der Konflikt zwischen China und den USA schient verschoben. Wie wird es jetzt nach den US-Wahlen weitergehen?

Kunjal Gala: Politisch ist China für beide Parteien in den USA zu einem wichtigen Thema geworden. Die USA fürchten Chinas Aufstieg, die Ausbreitung globalen Einflusses und lehnen das autoritäre Modell und die Behandlung von Minderheiten wie den uigurischen Muslimen in Xinjiang ab. Die Durchführungsverordnung unterstreicht die anhaltend angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Im vergangenen Jahr hat die US-Regierung koordinierte Anstrengungen unternommen, um den Druck auf China an mehreren Fronten zu erhöhen, unter anderem durch neue Exportbeschränkungen und Wirtschaftssanktionen, die Veröffentlichung von Warnungen zur Lieferkette und die intensive Prüfung von Investitionen in US-Unternehmen durch in China und Hongkong ansässige Investoren. Es scheint unwahrscheinlich, dass dieses Vorgehen in naher Zukunft trotz des Ergebnisses der US-Präsidentschaftswahlen abschwächen wird.

Präsident Trump erließ am 12. November eine Durchführungsverordnung, die US-Investitionen in chinesische Unternehmen verbietet, die sich laut Washington im Besitz oder unter der Kontrolle des chinesischen Militärs befinden. Die Liste umfasst Unternehmen der Luft- und Raumfahrt, des Schiffbaus, des Baugewerbes, der Technologie und der Kommunikation sowie Tochtergesellschaften oder verbundene Unternehmen und umfasst mehr als 130 Unternehmen.

Die jüngsten Anweisungen Trumps werden wahrscheinlich negative Auswirkungen auf verschiedene Unternehmen in China haben und belasteten die Beziehung weiter. Mit der Übernahme durch Biden erwarten wir, dass sich die Beziehungen zwischen den beiden Supermächten weniger konfrontativ gestalten werden. Der Druck auf China wird jedoch wahrscheinlich anhalten, da Biden sich möglicherweise mit europäischen Verbündeten zusammenschließen könnte, um China entgegenzutreten. Die allgemeine Ausrichtung der US-Regierung in Fragen von höchster Priorität wie Handel, Technologie und Sicherheit wird sich unter Biden wahrscheinlich weniger stark verändern. Stattdessen gehen wir davon aus, dass er sich für eine strategische Überprüfung der Beziehungen entscheiden und sich stärker mit multilateralen Organisationen befassen wird. Dies dürfte jedoch dazu beitragen, die Volatilität der Schlagzeilen und die Furcht vor einer De-Globalisierung zu verringern.

AsiaFundManagers.com: Was bedeutet die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten für die asiatischen Aktienmärkte?

Kunjal Gala: Eine Biden-Präsidentschaft sollte sowohl zu einem geringeren Headline-Risiko als auch zu geringerer Volatilität führen. Wir gehen davon aus, dass Biden und sein Team berechenbarer als Trump sein werden und eher zu einem multilateralen, pragmatischen Ansatz mit Schwerpunkt auf die Globalisierung neigen –  was somit positiv für die Schwellenländer sein würde. Die Auswirkungen eines sich ausweitenden US-Defizits, einer möglicherweise berechenbareren US-Außenpolitik und niedrigerer Anleiherenditen führen zu einem schwächeren US-Dollar. All dies ist positiv für die aufstrebenden Märkte und insbesondere für asiatische Vermögenswerte.

AsiaFundManagers.com: Werden sich die ASEAN-Länder früher oder später für einen Partner entscheiden müssen – die USA oder China?

Kunjal Gala: Joe Biden im Weißen Haus könnte eine Erleichterung für die ASEAN-Länder sein, die Trumps erratische Politik gegenüber China erdulden mussten. Dies gilt insbesondere für diejenigen Länder, die er zuvor in die schwierige Lage brachte, sich tatsächlich zwischen China und den USA entscheiden zu müssen. Während seiner gesamten Amtszeit hat Trump versucht, Länder auf die Seite der USA zu bringen, exemplarisch durch seinen Appell an die Länder, Huawei aus ihren 5G-Netzen zu verbannen. Trump zog die US-Mitgliedschaft in der transpazifischen Partnerschaft zurück und an den wichtigsten Wirtschaftsgipfeln Asiens haben Regierungsbeamte nur selten teilgenommen. Die Taktik der Regierung betonte daraufhin die Isolierung Chinas von regionalen Wirtschaftsnetzwerken und räumte Sicherheitsvereinbarungen mit Schwerpunkt auf Australien, Indien, Japan und den Vereinigten Staaten Vorrang ein. Das Vorgehen der USA stellte sich gegen die ASEAN und andere ostasiatische Länder und zwang die Länder zu unnötigen und riskanten politischen Entscheidungen. Die Abwesenheit der USA in der Region ermöglichte es auch, dass der wirtschaftliche und politische Einfluss Chinas den der USA übertraf.

Es wird erwartet, dass Joe Biden das US-Engagement in der Region verstärken wird, auch wenn sich die grundsätzliche Haltung der USA zu den Problemen mit China nicht ändern wird, da er die parteiübergreifende Unterstützung für die Bewältigung von Chinas wirtschaftlicher Herausforderung und Bedrohung der nationalen Sicherheit erhalten hat.

Die USA und China werden in verschiedenen Bereichen wie Technologie, Sicherheit, Gesundheitspolitik, Finanzmärkte und Unternehmensführung zunehmend direkt miteinander konkurrieren. Europa, Japan, die ASEAN-Länder und der Rest der Welt – einschließlich Indien und Brasilien – werden einen Balanceakt versuchen und um Einfluss und wirtschaftliche Möglichkeiten wetteifern.

AsiaFundManagers.com: Welche Bedeutung hat das kürzlich abgeschlossene RCEP-Freihandelsabkommen für Emerging Asia?

Kunjal Gala: Die Regional Comprehensive Economic Partnership (kurz RCEP) sichert angeblich eines der größten Freihandelsabkommen der Geschichte, das 15 ASEAN-Länder und fünf regionale Partner repräsentiert. Das RECP hat viel Aufmerksamkeit in den Medien erregt und ist sicherlich ein guter Schritt. Einerseits handelt es sich um ein vergleichsweise niedriges Standardabkommen – Senkung von Zöllen und Ausweitung des Handels, nicht aber die Ausrichtung der Regierungen auf Arbeit und Dienstleistungen, Klimawandel, Daten und geistiges Eigentum, wie die transpazifische Partnerschaft. Andererseits dürfte es in den kommenden zehn Jahren zu einem Anstieg des Welthandels um Hunderte von Milliarden führen, wobei sich das allgemeine Wirtschaftswachstum und Einkommensniveau entsprechend beleben werden. Das RCEP muss ratifiziert und umgesetzt werden. Erst dann wird man sehen, wer die Gewinner und Verlierer sind. Es wird zweifellos zu Wachstumschancen für Exporteure innerhalb der Region führen und China dabei helfen, seine Beziehungen zu seinen Nachbarn zu stärken, womit acht Jahre geduldiger Verhandlungen belohnt werden. Es ist auch ein zeitgemäßes Signal für die neue Regierung von Joe Biden und ein starkes Gegenbeispiel für den weltweiten Rückgang des regelbasierten Handels.

AsiaFundManagers.com: Welche strukturellen Veränderungen beobachten Sie in Emerging Asia nach Covid-19?

Kunjal Gala: Wir glauben, dass die strukturellen Wachstumschancen der Schwellenländer intakt bleiben, angetrieben von einer aufstrebenden, wachsenden Mittelschicht, zunehmender Digitalisierung, Reformen und Infrastrukturentwicklung. In dem Maße, wie sich die Industrien nach dem wirtschaftlichen Schaden durch die Coronavirus-Pandemie konsolidieren, werden Unternehmen mit starken Bilanzen und Kapazitäten von diesen strukturellen Triebkräften profitieren. Dementsprechend konzentriert sich unser Fonds weiterhin auf langfristige strukturelle Themen wie 5G, Digitalisierung, IoT, steigende finanzielle Durchdringung, Gesundheitswesen, Premiumisierung und Infrastruktur. Das Team geht davon aus, dass Unternehmen, die von diesen Trends profitieren, unabhängig von der anhaltenden politischen/ökonomischen Unsicherheit, den schwachen Rohstoffmärkten und potenziellen Anleihequalitätsproblemen eine Outperformance erzielen werden.

AsiaFundManagers.com: Wo finden Sie in der aktuellen Situation Value für Ihre Investoren?

Kunjal Gala: Wir finden weiterhin Value in Finanztiteln, darunter Bankpositionen in Mexiko und Indonesien und in jüngster Zeit auch in einem führenden indischen Verbraucher- und kleinen bis mittelgroßen Finanzdienstleistungsunternehmen. Wir prüfen mehrere Möglichkeiten im Segment für Werkstoffe, die mit Kupfer, Nickel und Solarglas zusammenhängen. Wir haben die Zyklizität geringfügig erhöht, was zu einem Übergewicht in Industrieunternehmen geführt hat, von denen wir der Meinung sind, dass sie genügend Sicherheitsspielraum haben und das Unternehmen von mittel-/langfristigen Katalysatoren profitieren wird. Wir sind bestrebt, Titel mit attraktivem Value hinzuzufügen, bei denen wir Chancen sehen, und können weiterhin Sektoren ergänzen, die von einem zyklischen Aufschwung profitieren.

AsiaFundManagers.com: Vielen Dank für das Interview.

 

Kunjal Gala

Lead Portfoliomanager
Federated Hermes

Kunjal Gala kam im Februar 2012 zu Federated Hermes als leitender Analyst im Emerging-Markets-Team, mit dem Schwerpunkt Asien ex Japan. Im Januar 2020 wurde er Co-Portfoliomanager für alle vom Team Global Emerging Markets verwalteten Portfolios und im September 2020 zum Lead-Portfoliomanager ernannt.