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IPO-Boom in Indien

Die Dalal Street, Indiens Wall Street, erlebt derzeit eine wahre Flut neuer Börsengänge (IPOs, Initial Public Offerings). Um die reichlich vorhandene Liquidität zu nutzen, sind in diesem Jahr bereits rund 40 Unternehmen an die Börse gegangen, was 2021 zu einem der besten Jahre für Investitionen in IPO-Aktien macht.

Die durch Börsengänge aufgebrachten Mittel sind im Vergleich zum Vorjahr um fast das 2,2-fache gestiegen. Nach Angaben von Goldman Sachs haben indische Start-ups seit Anfang 2021 bereits 10 Mrd. USD durch Börsengänge aufgebracht und damit die Emission der IPOs der letzten drei Jahren übertroffen.

Robuste IPO-Pipeline

Und der Trend soll sich fortsetzen, da die Investorennachfrage nach Börsengängen vor allem im „New Economy“-Sektor hoch ist. Mehr als 40 weitere Unternehmen sollen laut Marktkennern bereits einen Börsengang planen.

Nach Einschätzung von Goldman Sachs (GS) könnten in den nächsten 36 Monaten bis zu 150 private Unternehmen auf dem indischen Markt an die Börse gehen, was die Marktkapitalisierung im gleichen Zeitraum um 400 Mrd. USD erhöhen würde. Darüber hinaus könnte Indien bis 2024 das Vereinigte Königreich als fünftgrößten Finanzmarkt der Welt bezüglich Kapitalisierung überholen (von derzeit Platz 7). Nach den Berechnungen von GS wird die gesamte indische Marktkapitalisierung, die derzeit bei 3,5 Mrd. USD liegt, bis 2024 voraussichtlich die 5-Mrd. USD-Marke überschreiten.

Darüber hinaus könnte die Aufnahme neuer Listings auch zu einer höheren globalen Marktkapitalisierung und Indexgewichtung für Indien führen und die Gesamteinnahmen des MSCI India Index um 20% erhöhen, basierend auf Annahmen von GS.

IPOs im Rausch der neuen Wirtschaft

Von der guten Stimmung unter den Anlegern angetrieben, rechnen Marktexperten damit, dass Indien in den nächsten Monaten vermehrt Börsengänge aus dem Technologiesektor sehen wird. Immer mehr New-Age-Tech-Unternehmen strömen an die Börse und „verjüngen“ damit den indischen IPO-Markt, der in der Vergangenheit eher auf „Old-Economy“-Sektoren wie Energie und Finanzen konzentriert war.

Die Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die Pipeline für Aktienverkäufe in den nächsten 12-24 Monaten angetrieben durch „New Economy“-Unternehmen robust bleiben dürfte. Bei den Sektoren der New Economy handelt es sich um wachstumsstarke Branchen, die sich auf die neuesten Technologien stützen. Nach Ansicht der GS-Experten könnte das Engagement des New-Economy-Sektors von 5% auf 12% (bei 50% Streubesitz) und 16% (bei vollständiger Einbeziehung) in den nächsten ein bis zwei Jahren steigen.

„Wir glauben, dass indische Aktienindizes in den nächsten zwei bis drei Jahren eine stärkere Repräsentation der New-Economy-Sektoren verdeutlichen könnten, wenn die großen digitalen Börsengänge in den Index aufgenommen werden“, so GS in einem aktuellen Bericht.

Nach dem Börsengang des Essenslieferanten Zomato haben weitere Technologie-Start-ups wie der Zahlungsriese Paytm, das Ride-Hailing-Start-up Ola und das E-Commerce-Unternehmen Flipkart angekündigt, an die Börse gehen zu wollen.

Goldman Sachs geht davon aus, dass diese „Einhörner“ (unicorns) der neuen Generation die indischen Kapitalmärkte und Aktienindizes in den nächsten Jahren verändern könnten. Nach Angaben von GS erfüllen mindestens 67 private Start-ups in Indien die Definition eines Einhorns.

„Die Zahl solcher ‚Einhörner‘, d. h. Unternehmen mit einer Bewertung von 1 Mrd. USD und mehr, ist in Indien in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen, was auf den Aufstieg des Internet-Ökosystems, die Verfügbarkeit von privatem Kapital und ein günstiges regulatorisches Umfeld zurückzuführen ist“, so die Investmentbank weiter.

Im Jahr 2021 haben 27 indische Start-ups den Sprung in die Liste der Einhörner geschafft.