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Japan Coronavirus: Unternehmen senken Gewinnprognosen

Japan Coronavirus. Menschen, die Atemschutz tragen.
Tokio, Bezirk Ginza. Personen, die wegen des Ausbruchs des Coronavirus eine Atemschutzmaske tragen.

Japan spürt die Auswirkungen des Coronavirus in vollem Umfang. Laut einer am Freitag veröffentlichten neuen Studie des Research-Hauses Tokyo Shoko Research werden 56 japanische Unternehmen ihre Gewinnprognose nach unten korrigieren oder mit einer deutlichen Abschwächung der Verkäufe rechnen. Darüber hinaus wird erwartet, dass fast 200 Unternehmen folgen werden, so das Ergebnis der Untersuchung.

Der Ausbruch des Coronavirus hat vor allem den heimischen Tourismus hart getroffen. Über 9 Millionen Chinesen hatten Japan im vergangenen Jahr besucht. Und über 30% aller Ausgaben ausländischer Besucher kommen nach Angaben der japanischen Regierung von den Chinesen. Bis Ende März werden nach Schätzungen des japanischen Verbandes der Reisebüros etwa 400.000 chinesische Besucher ihre Reisen nach Japan stornieren.

Generell verzeichnet Japan rückläufige Touristenzahlen. Nach den jüngsten Daten der Japan National Tourism Organization (JNTO) besuchten im Januar 2,66 Millionen das Land. Dies ist ein Rückgang von 1,1% gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres und markiert einen Rückgang im vierten Monat in Folge.

Japan Coronavirus: Bedrohung der Lieferketten

China ist eine weltweit führende Handelsnation. Ausfälle in China bedrohen daher die globalen Lieferketten. Der japanische Autohersteller Nissan zum Beispiel musste wegen Lieferengpässen bei Teilen aus China eine seiner japanischen Fabriken vorübergehend schließen.

Der Autohersteller war schon vorher in einer schwierigen Verfassung: Der Betriebsgewinn fiel im letzten Quartal 2019 auf 495 Mio USD. Das ist ein Rückgang von 83% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Es wird erwartet, dass das Coronavirus das Geschäft von Nissan weiter beeinträchtigen wird, da die Autoindustrie im Allgemeinen dem Ausbruch besonders ausgesetzt ist. Die Autofabriken in der Region Hubei, dem Epizentrum des Ausbruchs, machten 2018 rund 10% der chinesischen Fahrzeugproduktion aus. In Wuhan selbst gibt es 500 Autoteilehersteller.

Honda Motor hat drei Fabriken in Wuhan mit einer Gesamtkapazität von 600.000 Einheiten. Alle sind auf Antrag der lokalen Behörden seit mehreren Wochen geschlossen. Auch Toyota und Mazda haben Werke in der Region schließen müssen.

Japan vor einer Rezession?

Viele Branchen sind besorgt über die wachsenden Auswirkungen des Coronavirus. Japans Wirtschaft schrumpfte im letzten Quartal 2019 bereits in ihrem schnellsten Tempo seit fast sechs Jahren. Diese Entwicklung war vor allem auf die Erhöhung der Umsatzsteuer zurückzuführen, die die Verbraucher- und Geschäftsausgaben beeinträchtigte.

Die Befürchtungen steigen, dass der Ausbruch des Coronavirus Japan in eine Rezession stürzen könnte. Eine Bloomberg-Umfrage ergab, dass neun von 14 Ökonomen erwarten, dass die Wirtschaft im ersten Quartal 2020 weiter schrumpfen wird. Dabei schätzen die Experten im Mittel, dass das Bruttoinlandsprodukt mit einer jährlichen Rate von 0,25% sinken wird.