Home Asia News Philippinen kommen aus der Rezession – trotzdem trübe Aussichten

Philippinen kommen aus der Rezession – trotzdem trübe Aussichten

Makati, financial center of the Philippines

Die philippinische Wirtschaft verzeichnet im zweiten Quartal dieses Jahres im Jahresvergleich das schnellste Wachstum seit 1988, angeführt von einer steigenden Inlandsnachfrage und einem Aufschwung in der Bauwirtschaft. Doch die anhaltenden Lockdowns zur Bekämpfung der Ausbreitung der Delta-Variante trüben nach Ansicht von Analysten die Zukunftsaussichten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal auf 11,8%, womit die Wirtschaft die Rezession nach fünf aufeinanderfolgenden Quartalen der Kontraktion hinter sich gelassen hat. Im gleichen Zeitraum des letzten Jahres schrumpfte die philippinische Wirtschaft um 17%.

Philippinen aus der Rezession?

Nicholas Mapa, leitender Wirtschaftswissenschaftler der ING Bank Manila, schreibt, dass die Wiederaufnahme der Lockdowns im April und im August die wirtschaftliche Erholung zum Entgleisen gebracht habe. „Wir können davon ausgehen, dass sich dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen wird.“

Sian Fenner, Lead Asia Economist von Oxford Economics, bezeichnete den Rückgang als „Basiseffekt“: die BIP-Steigung sei durch die niedrige Basis im zweiten Quartal des vergangenen Jahres begünstigt worden.

Gerechnet auf das erste Halbjahr 2021 war das BIP um 3,7% höher als im Vorjahreszeitraum. 2020 war die philippinische Wirtschaftsleistung auf einen Rekordwert von -9,6 % gesunken.

Nach Angaben des Leiters der philippinischen Statistikbehörde (PSA), Dennis Mapa, muss die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte um 8,2% wachsen, um das untere Ende des Wachstumsziels der Regierung für das gesamte Jahr von 6-7% zu erreichen.

Konjunkturaussichten weiterhin getrübt

Strengere Mobilitätsbeschränkungen, die die Behörden in Metro Manila vom 6. bis 20. August wieder eingeführt haben, könnten die Aussichten für die zweite Jahreshälfte erschweren und die wirtschaftliche Erholung wieder in eine Rezession abgleiten lassen, schätzen Wirtschaftsexperten. Das Land verzeichnete bis Dienstag 1,67 Millionen Coronavirus-Fälle, die zweithöchste Fallzahl in Südostasien.

„Wir sind vorsichtiger geworden, was die kurzfristigen Aussichten angeht, nachdem die Mobilitätsbeschränkungen verschärft wurden und die Exporte aufgrund von Covid-bedingten regionalen Lieferunterbrechungen und einer schwächeren Nachfrage bei einigen Handelspartnern nachgelassen haben. Wir werden unsere BIP-Prognose für 2021 von 4,8% überprüfen“, so Fenner.

Die Wachstumsprognose des IWF für die Philippinen für das Jahr 2021 lag im Juli mit 5,4% um 1,5 Prozentpunkte unter der Prognose vom April. Für 2022 korrigierte der IWF die Prognosen jedoch um 0,5 Prozentpunkte auf 7% nach oben.

Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Geldpolitik der Philippinen weiterhin akkommodierend bleibt. Der Gouverneur der Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP), Benjamin Diokno, deutete am Montag die Entschlossenheit der Zentralbank an, die akkommodierende Geldpolitik so lange wie nötig beizubehalten, um eine starke und nachhaltige wirtschaftliche Erholung von der pandemiebedingten Rezession sicherzustellen.

Er erwartet eine „starke Erholung“ mit einem Wachstum von etwa 7,7% im Jahr 2022 und 6,5% im Jahr 2023.