Vietnam Wirtschaft

Die Wirtschaft Vietnams hat sich in den letzten drei Jahrzehnten von einer zentral geplanten Wirtschaft zu einer Marktwirtschaft mit schnellem Wachstum entwickelt. Im Jahr 2018 wuchs die vietnamesische Wirtschaft mit einer Rate von 6,5%. Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes erreichte über 241 Mrd. USD und verdreifachte sich damit im Vergleich zu zehn Jahren zuvor. Der IWF prognostiziert, dass das vietnamesische BIP in den nächsten fünf Jahren kontinuierlich um 6,5% jährlich wachsen wird.

Vietnam Wirtschaft: BIP Wachstum Vietnam Wirtschaft: BIP laufende Preise

Vietnam: geringes mittleres Einkommen und junge Bevölkerung

Nach den wirtschaftlichen und politischen Reformen im Jahr 1986 unter der Losung Đổi Mới hat sich Vietnam von einem der ärmsten Länder der Welt zu einem Land mit niedrigem mittleren Einkommen entwickelt. Im vergangenen Jahr lag das Pro-Kopf-BIP Vietnams (KKP) bei 7.482 USD. Die Mittelschicht in Vietnam macht 13% der Bevölkerung aus.

Vietnam Wirtschaft: Bevölkerung

Vietnam hatte 2018 eine Gesamtbevölkerung von über 94 Millionen Menschen und wuchs seit 2009 mit einer Rate von rund 1% pro Jahr. Es wird erwartet, dass die Bevölkerung Vietnams bis 2050 auf 120 Millionen Menschen anwachsen wird. Fast 70% der Bevölkerung sind im erwerbsfähigen Alter, wobei Kinder unter 15 Jahren etwa ein Viertel der vietnamesischen Bevölkerung ausmachen.

Vietnam Wirtschaft: BIP pro Kopf

Die Arbeitslosenquote Vietnams ist seit dem letzten Jahr stabil bei 2,2%. Der Trend soll sich in den nächsten fünf Jahren fortsetzen.

Währung und Zentralbank

Der vietnamesische Dong ist die offizielle Währung der Sozialistischen Republik Vietnam. Sie ist eine der am höchsten denominierten Währungen. Derzeit entspricht ein US-Dollar rund 23.000 vietnamesischen Dong. Die Währung ist weitestgehend an den US-Dollar gekoppelt, so dass sich der Wechselkurs entsprechend der Marktveränderungen schrittweise anpassen kann.

Der Dong wird von der vietnamesischen Zentralbank, der State Bank of Vietnam (SBV), ausgegeben. Zu den Hauptzielen der vietnamesischen Zentralbank gehören neben der Währungsauflage die Wahrung der Währungsstabilität durch die Geldpolitik, die Aufsicht über die Finanzinstitute, die Verwaltung der internationalen Reserven des Landes und die Ausgabe von Staatsanleihen. Der SBV hält 65% Aktien der VietinBank, der nach Marktkapitalisierung grössten börsennotierten Bank.

Vietnam Wirtschaft: Hyperinflation von 1987 bis 1992

Während der frühen Jahre der Reformation Vietnams erlebte das Land von 1987 bis 1992 eine Hyperinflation. Allerdings hat sich die Wirtschaft Vietnams inzwischen erholt und die Inflationsrate lag 2018 bei 4%. Die vietnamesische Regierung hat sich für dieses Jahr das gleiche Inflationsziel von 4% gesetzt.

Vietnam Wirtschaft: Inflation

Industrie und Handel

Die vietnamesische Wirtschaft wird in hohem Maße vom Dienstleistungssektor bestimmt, der etwa 44% des BIP des Landes ausmacht. Industrie und Landwirtschaft tragen 39% bzw. 15% zum vietnamesischen BIP bei. 

Die Hauptindustrien in Vietnam sind Elektronik, Lebensmittelverarbeitung, Holz, Textilien, Schuhe und Tourismus. Das Land ist auch der größte Produzent von Robusta-Bohnen und der zweitgrößte Kaffee-Exporteur der Welt. Zu den größten Unternehmen Vietnams gehören die VietinBank, das Öl- und Gasunternehmen Petrolimex und die Molkerei Vinamilk.

Viele ausländische Unternehmen, insbesondere aus Japan und Südkorea, haben ihre Produktionsstätten in Vietnam aufgrund der niedrigen Lohnkosten gegründet. So produziert Samsung beispielsweise 40% seiner Telefone in Vietnam.

Handel und Wettbewerbsfähigkeit

Die Handelsbilanz Vietnams war in den letzten drei Jahren positiv. Im Jahr 2018 verzeichnete Vietnam einen Handelsüberschuss von 6,8 Mrd. USD. Die Gesamtexporte stiegen gegenüber dem Vorjahr um 13,2% auf 243,5 Mrd. USD, während die Importe 236,7 Mrd. USD erreichten.

Etwa ein Fünftel der Gesamtexporte Vietnams geht in die USA. Inzwischen machen die Importe aus ostasiatischen Ländern wie China, Japan und Südkorea mehr als die Hälfte der gesamten Vietnam-Importe aus.

Vietnam Wirtschaft: Leistungsbilanz

Die ausgezahlten FDI in Vietnam stiegen 2018 um 9,1% auf 19,1 Mrd. USD. Etwa 47% der ausländischen Investitionen entfielen auf das verarbeitende Gewerbe und die verarbeitende Industrie. An zweiter Stelle lag der Immobiliensektor, gefolgt vom Einzelhandel. Die größten Investitionen kamen aus Japan, Südkorea und Singapur.

Im von der Weltbank veröffentlichten Index “The Ease of Doing Business” belegte Vietnam den 69. Platz. Im aktuellen Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums belegte das Land den 67. Platz – eine Verbesserung um 10 Plätze im Vergleich zu 2018.

Börsen und Kapitalmärkte

Vietnam hat zwei Börsen: die Ho Chi Minh Stock Exchange (HOSE) und die Hanoi Stock Exchange (HNX). Der HOSE wurde 1998 gegründet und HNX 2009.

Insgesamt gibt es 377 Unternehmen an der HOSE und 376 börsennotierte Unternehmen an der HNX. Die HOSE ist der Hauptmarkt für staatliche Unternehmen und machte 93% der gesamten Marktkapitalisierung an beiden Börsen aus, die Ende 2018 131 Mrd. USD erreichte. HNX hingegen konzentriert sich auf kleine und mittlere Unternehmen.

Die wichtigsten Indizes der vietnamesischen Börsen sind der VN30 und der VN-Index. Zu diesen Indizes gehören Blue Chips wie Vietcombank, Vinamik, Vingroup, Vietjet und Masan. Weitere Indizes sind VNMID-Index, VNSML-Index, VN100 und VNALL-Index.

Investitionsregulierung

Der Anteil ausländischer Investoren an vietnamesischen Unternehmen ist zurzeit auf 49% begrenzt. In einigen Sektoren, wie beispielsweise im Bankwesen und in der Luftfahrt, ist die Grenze niedriger. Die Schwelle für Telekommunikationsdienste liegt zwischen 30% und 51%.

Ausländische Investitionen in bestimmte Projekte können Anreize erhalten, wie z.B. niedrigere Steuersätze, Befreiung von Einfuhrzöllen für Anlagegüter und Reduzierung oder Befreiung von der Pacht von Grundstücken. Zu den förderfähigen Geschäftsbereichen gehören Technologie, Energie, Textil, Landwirtschaft und Gesundheitswesen.