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Asiatische Aktien – positive oder negative Aussichten für 2022?

Asian Equities 2022 - positive or negative outlook?

Asiatische Aktien schnitten 2021 schlechter ab als globale Aktien. So sank der MSCI All Country Asia Index im vergangenen Jahr um 2,49%, während der MSCI All Country World Index um 18,54% zulegte. Und doch sind Analysten weiterhin optimistisch, was asiatische Aktien im Jahr 2022 betrifft.

Laut James Thom, Senior Investment Director beim Asset Manager abrdn, erlebte Asien im ersten Halbjahr 2021 eine Aktienmarktrallye. Doch ein regulatorischer Reset in China und die Aussicht auf ein Tapering in den USA haben zu einer Korrektur geführt. „Dennoch sind asiatische Unternehmen gut aufgestellt, um einem Zyklus mit einem insgesamt stärkeren Dollar standzuhalten“, schrieb Thom in einem kürzlich erschienenen Marktbericht.

Was die Bewertungen angeht, so hält er asiatische Aktien im Vergleich zu den entwickelten Märkten für angemessen. „Das 12-monatige Kurs-Gewinn-Verhältnis für den MSCI AC Asia Pacific ex Japan Index liegt bei 15,6x, verglichen mit 22,5x für den S&P500, 16,2x für MSCI Europe und 20,3x für MSCI World.* Für die Märkte im asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan wird für 2022 ein zweistelliges Gewinnwachstum prognostiziert“, so Thom.

Mit Blick auf einzelne Investmentthemen glaubt der Investmentexperte von abrdn, dass die wachsende Mittelschicht in Asien für eine erhöhte Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen und Vermögensverwaltung sorgen wird. „Gleichzeitig könnten sich die durch die Pandemie hervorgerufenen Veränderungen als dauerhaft erweisen und bestehende Trends verstärken – wie z.B. die zunehmende Nutzung von Cloud Computing und 5G-Netzen.“

Außerdem sieht Thom Asien an der Spitze des Wandels hin zu einer emissionsärmeren Zukunft. Seiner Meinung nach können Investoren mit Rückenwind für Unternehmen rechnen, die in den Bereichen erneuerbare Energien, Batterien, Elektrofahrzeuge, damit verbundene Infrastruktur und Umweltmanagement tätig sind. Vor allem in China scheinen die Aussichten für den Sektor erneuerbare Energien rosig zu sein, „wenn man die strukturellen Trends des steigenden Bedarfs an erneuerbaren Energien und des Ausbaus der Stromnetze bedenkt“, so Thom.

«Vielfarbiges Bild» für asiatischen Aktien

Das Asian-Equity-Team von Nikko Asset Management zeichnet ein vielfarbiges Bild für asiatische Aktien im Jahr 2022. Grundsätzlich führten die nachlassenden Sorgen über die Auswirkungen der Omikron-Variante des Coronavirus zu einer positiven Marktstimmung Ende letzten Jahres.

„Das einzige Land, in dem Omikron eine größere Auswirkung haben könnte als in den meisten anderen Ländern, ist China, da es eine Nulltoleranzstrategie verfolgt“, so das Team von Nikko AM. Doch der politische Kurswechsel in Richtung ‚Stabilität‘, die jüngsten Zinssenkungen für Kredite mit einjähriger Laufzeit sowie der Mindestreservesatz machen deutlich, dass die Behörden weiterhin Unterstützung bieten. Daher „birgt China weiterhin Chancen, insbesondere in den binnenorientierten Bereichen Gesundheitswesen, Software und Konsum.“

Auf Indien wird wahrscheinlich auch eine weitere Covid-19-Welle zukommen. Daher ist das Asian-Equity-Team von Nikko AM angesichts der „erhöhten Bewertungen und der Euphorie des Marktes, vor allem im Bereich der kleinen und mittelgroßen Unternehmen,» vorsichtig geworden. Sie fügen jedoch hinzu, dass Indien weiterhin einige „fantastische langfristige und nachhaltige Renditechancen bietet, zumal das Bewertungsniveau tragbarer werde.“

Für die ASEAN-Staaten hat die Pandemie die New Economy entscheidend vorangetrieben, so die Einschätzung des Nikko-Teams: „Manche Länder sind weiter als andere und haben die Voraussetzungen für ein qualitativ besseres Wirtschaftswachstum geschaffen – wie zum Beispiel Singapur, Indonesien und die Philippinen.“

Was Indonesien betrifft, setzen die Experten von Nikko auf „rohstoffbezogene Aktien, die sich auf die Entwicklung erneuerbarer Energien und Elektrofahrzeuge konzentrieren – zwei Bereiche mit nachhaltiger Nachfrage.“

Ungewissheiten für asiatische Aktien in 2022

Fullerton Fund Management wiederum ist asiatischen und chinesischen Aktien gegenüber negativ eingestellt, und zwar „aufgrund des schwächelnden chinesischen Immobiliensektors und der Ungewissheiten, die durch die Maßnahmen der chinesischen Regulierungsbehörden entstanden sind, wobei der geringere Wachstumsvorteil Asiens gegenüber den entwickelten Märkten die Lage noch zusätzlich erschwert“.

„Weitere politische Anreize von Seiten Chinas wären für uns ein wichtiges Signal, unsere negative Prognose zu überdenken. Investoren müssen jedoch weiterhin wählerisch sein, da die politischen Änderungen zu erheblichen Abweichungen in der Performance zwischen China A-Shares und China All-Shares geführt haben“, schrieb Robert St. Clair, Stratege bei Fullerton im letzten Quartalsbericht.

„China A-Shares, der Inlandsmarkt, verzeichnet Kurse, die über dem Trend liegen, und China All-Shares, der Inlands- und Offshore-Markt, verzeichnet Kurse, die unter dem Trend liegen, da er aufgrund der regulatorischen Maßnahmen stark unter der Herabstufung von IT-Firmen gelitten hat.“

Dennoch ist der Fullerton-Stratege der Ansicht, dass Investoren in Asien und China in Sektoren mit robuster struktureller Entwicklung immer noch wertvolle Alpha-Chancen finden können. „Diese sollten weniger von politischen Veränderungen und zyklischen Wachstumsschwächen betroffen sein, z.B. die Bereiche Konsumgüter, Kommunikation, Gesundheitswesen und erneuerbare Energien“, so St. Clair.

* Bloomberg, 18. November 2021.