Home Fondsmanager Ausfälle bei China Anleihen: Was kommt nach dem starken Anstieg?

Ausfälle bei China Anleihen: Was kommt nach dem starken Anstieg?

Ausfälle bei China Anleihen: Was kommt nach dem starken Anstieg?

Die Ausfälle von China Anleihen haben sich 2018 verdreifacht. Mit der Erwartung, dass sich die Wirtschaft weiter abschwächen wird und die fortgesetzten Bemühungen der Regierung, die Verschuldung zu reduzieren und risikoreiche Kredite zu vergeben – wird die Zahl der Ausfälle in diesem Jahr weiter steigen? AsiaFundManagers.com sprach mit Joep Huntjens, Head of Asian Debt bei NN Investment Partners.

AsiaFundManagers.com: Nachdem die Ausfälle von China Anleihen im Jahr 2018 dramatisch gestiegen sind, was kommt als nächstes für China?

Joep Huntjens: Erst 2014 erlebte der Onshore-Bond-Markt seinen ersten Ausfall. Seitdem sind die Onshore-Ausfallraten in den letzten Jahren gestiegen. 2018 sind 143 Anleihen ausgefallen, was vor allem auf die knappen Liquiditätsbedingungen zurückzuführen ist. Dennoch machen die ausgefallenen Anleihen nur weniger als 1 Prozent der gesamten im Jahr 2018 ausstehenden Anleihen aus. Kurzfristig gehen wir davon aus, dass sich die on-shore Ausfallraten aufgrund der sich lockernden Liquiditätsbedingungen verringern werden. Langfristig sind, wenn auch schmerzhaft, Onshore-Defaults notwendig, damit der Markt reifen und eine stärkere Kreditdifferenzierung vornehmen kann.

Beeinflussen China verlangsamte Wachstumsraten die Ausfälle von Anleihen?

AsiaFundManagers.com: Auch die Wachstumsraten in China sind gesunken. Welche Handlungsspielräume hat die Regierung, um neue Wachstumsimpulse zu setzen?

Joep Huntjens: Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum Chinas im Jahr 2019 auf 6,2% verlangsamen wird, da das Land weiterhin den Übergang zu einem nachhaltigeren Wachstumsmodell durch eine stärkere Abhängigkeit vom Inlandsverbrauch verfolgt. Die Konjunkturpolitik der Regierung wird durch das Ziel des Landes eingeschränkt, sich auf Konsum, Dienstleistungen und eine höhere Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe zu verlagern. Dadurch wird eine Wiederholung eines aggressiven investitionsgetriebenen Konjunkturprogramms von 2009 unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz fehlt es China nicht an politischen Instrumenten: Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben auf der Fiskalseite, mehr Kürzungen des Reservebedarfsquotienten (RRR) auf der geldpolitischen Seite und ein Abbau der Beschränkungen für den Immobiliensektor.

AsiaFundManagers.com: Die Staatsverschuldung hat ein Rekordniveau erreicht. Wie kann es gesenkt werden?

Joep Huntjens: Chinas Verschuldung ist in den letzten zehn Jahren seit der globalen Finanzkrise deutlich gestiegen, von rund 170% auf derzeit rund 300% des BIP. Wir sind der Meinung, dass eine Reduzierung des absoluten Schuldenstands nicht notwendig ist. Wichtiger ist es, die Schuldenquote zu stabilisieren oder zu senken. Dies kann erreicht werden, indem ein niedrigeres BIP-Wachstumsziel, angebotsorientierte Reformen und eine bessere Kapitalallokation festgelegt werden, so dass Privatunternehmen nicht die Finanzierung vorenthalten wird.

Handelskonflikt dürfte keine wesentlichen Auswirkungen auf das Wachstum Chinas haben

AsiaFundManagers.com: Zeigt der Handelskonflikt mit den USA die Verwundbarkeit des chinesischen Modells?

Joep Huntjens: Chinas Wachstumsmodell ist nicht vom Export abhängig. Der Außenhandelsüberschuss ist seit 2007 rückläufig, von 9,7% des BIP auf 0,4% Ende 2018. Da China nicht exportabhängig ist, dürfte der Handelskonflikt keine wesentlichen direkten Auswirkungen auf das Wachstum Chinas haben. Unserer Meinung nach geht es im Kernstreit zwischen den USA und China um den Zugang von US-Unternehmen zum chinesischen Markt, das Tempo des technologischen Fortschritts in China und die wachsende Besorgnis über Cyberangriffe. Diese Probleme werden einige Zeit in Anspruch nehmen, da China immer stärker in die globale Technologie-Lieferkette integriert wird.

Chinesische Regierung dürfte den informellen Finanzsektor im Zaum halten

AsiaFundManagers.com: Ist das chinesische Finanzsystem bereits überlastet?

Joep Huntjens: Auf der einen Seite haben die chinesischen Regulierungsbehörden bereits deutliche Fortschritte bei der Reduzierung des Schattenbankings gemacht. Andererseits expandieren Kredite in diesem Jahr aufgrund der Politik der Regierung, Bankkredite an Verbraucher und KMU anstelle der Staatsunternehmen zu erhöhen. Auch die Schattenfinanzierung und die Margenverschuldung haben in diesem Jahr zugenommen. Wir erwarten jedoch, dass die Regierung den informellen Finanzsektor zugunsten der formalen Finanzierung weiterhin unter Kontrolle hält.

AsiaFundManagers.com: Welche Rolle spielt die Beschneidung des Schattenbankensystems?

Joep Huntjens: Das hart umkämpfte Schattenbankensystem hat dazu geführt, dass sich das Wachstum der Schattenkredite in China verlangsamt hat. China wird diese Politik im Rahmen seines Konjunkturpakets wahrscheinlich nicht umkehren. Vielmehr muss die Regierung sich auf andere Methoden stützen, um das formelle Wachstum der Bankkredite zu erhöhen, wie z.B. die Verbesserung des Eigenkapitals der Banken, weitere RRR-Kürzungen und temporäre Liquiditätsfazilitäten.

AsiaFundManagers.com: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Huntjens.

 

Joep Huntjens, NN Investment Partners

Joep Huntjens
NN Investment Partners
Head of Asian Fixed Income

Joep Huntjens ist Leiter des asiatischen Fixed Income Teams innerhalb der Global Credit Boutique und der Emerging Markets Debt Boutique von NN Investment Partners. Er ist verantwortlich für Asian Credit Investments für die panasiatischen Portfolios sowie für die Global Corporate Credit Portfolios von NN Investment Partners. Er leitet ebenfalls das Credit Analyst Team und ist Lead Portfolio Manager für die Asian Debt Hard Currency Strategie und die EM Corporate Debt Strategie.