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Chinas BIP-Wachstum auf dem niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren

China BIP-Wachstum niedrig, Konsumenten aber positiv. (Quelle: BassKwong / Shutterstock.com)
Chinesen an der Waterfront, Shanghai. (Quelle: BassKwong / Shutterstock.com)

China hat im letzten Quartal 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,0% erzielt. Dies entspricht dem Ergebnis des dritten Quartals, ist allerdings geringer als die BIP-Wachstumsraten des ersten und zweiten Quartals. Auf das gesamte Jahr 2019 gesehen, ist Chinas BIP gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent gestiegen. Im Jahr 2018 wuchs Chinas Wirtschaft um 6,6% und im Jahr 2017 um 6,9%.

Zwischen 1979 und 2010 erreichte China ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 9,91%. Im Jahr 1994 erreichte es mit 36,41% ein Rekordhoch, aber auch einen Tiefststand von 6,25% im Jahr 1999. Das nominale BIP Chinas hat das von Frankreich, Italien, Großbritannien, Deutschland und Japan übertroffen. Damit hat China in den letzten zwei Jahrzehnten den Status der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt erreicht.

China BIP-Wachstum immer noch über dem anderer großer Volkswirtschaften

Obwohl die Überschrift des langsamsten Wirtschaftswachstums seit fast 30 Jahren frappierend klingt, muss dies doch relativiert werden. Die USA erwarten für das Jahr 2019 ein BIP-Wachstum von voraussichtlich 2,2%. Für Großbritannien wird das BIP-Wachstum 2019 weniger als 1% betragen, für Deutschland lag es bei 0,6%.

Chinas BIP-Wachstum sinkt zum Teil aufgrund der Handelsspannungen zwischen den USA und China, aber auch aufgrund der sich abschwächenden Inlandsnachfrage. Die chinesische Regierung hat Maßnahmen eingeleitet, um der rückläufigen Wachstumsrate entgegenzuwirken und wird voraussichtlich versuchen, die chinesische Wirtschaft weiter zu stimulieren. Peking hat Steuersenkungen eingeführt und den lokalen Regierungen erlaubt, Anleihen zu verkaufen, um den Ausbau der Infrastruktur zu finanzieren. Chinas Banken wurden ermutigt, die Kreditvergabe an kleinere Unternehmen zu erhöhen. Laut BBC erreichten die Kredite in Yuan im Jahr 2019 ein Rekordhoch von 2,44 Bio USD.

Mit der Aussicht auf eine Lösung des Handelskrieges zwischen den USA und China und der Unterzeichnung des “Phase-Eins”-Handelsabkommens deutet die Entwicklung auf ein wachsendes Vertrauen der Industrie und der Unternehmen in China hin. Das Investitionswachstum des Landes ist jedoch auf einem Rekordtief.

Sino-amerikanische Handelskrieg hat China möglicherweise Vorteile gebracht

Der China-Korrespondent der BBC, Stephen McDonell, sagt in einer aktuellen Analyse, dass “für viele Länder das langsamste BIP-Wachstum seit drei Jahrzehnten Panik auslösen könnte – aber nicht in China”. Er argumentiert, dass der Handelskrieg der chinesischen Wirtschaft “vielleicht geholfen hat”. Zudem würde China versuchen die Wachstumserwartungen “allmählich nach unten zu schrauben”. Er fügt hinzu, “China versucht sich von den Jahren des nicht-nachhaltigen, halsbrecherischen Wachstums zu lösen.” Es habe die natürliche Entwicklung zerstört und zu einer Explosion unnützer Schulden geführt.

Jüngste Handelszahlen für China zeigen, dass die Exporte des Landes Ende 2019 immerhin um 17% gestiegen sind. Der Analyst Christopher Balding argumentiert jedoch, dass der Dezember im Jahresvergleich “ein Ausreißer zu sein scheint”. China habe in Wirklichkeit ein rückläufiges Jahr mit keinem Wachstum des Handels und rückläufigen Importen erlebt. Allerdings fügt Balding hinzu, dass “wir möglicherweise einige Anzeichen nicht nur für einen Aufschwung sehen, sondern auch bestehende Probleme zu verdecken”.

Die Agrar-, Soja- und Eisenerzimporte sind im Dezember gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 38%, 53% bzw. 35% gestiegen und folgen damit dem Trend vom November 2019. Balding sagt, es könnte “handelsabkommensbezogen” oder etwas “banaler” sein. Er findet es interessant, dass die Eisenerzimporte zunehmen, was möglicherweise ein Zeichen für gesteigerte Produktionstätigkeit ist. Balding kommt zu dem Schluss, dass es “wenig Anzeichen” für rückläufigen chinesischen Handel und der wirtschaftlichen Aktivität gibt. Aber die Anzeichen im November und Dezember “geben ein wenig Anlass zur Hoffnung”.

Im Dezember hat China ebenfalls die Einzelhandelsumsätze um 8% und die Industrieproduktion um 6,9% gesteigert. Wobei letztere um 1% über den Schätzungen der Analysten lag.

2020 BIP-Prognosen für China

Die Wirtschaftsexperten von Oxford Economics hat seine BIP-Prognose für China für 2020 von 5,7% auf 6% nach oben revidiert, was auf das erste Handelsabkommen mit den USA zurückzuführen ist. Die Weltbank prognostiziert für 2020 ein Wachstum von 5,9% und der IWF 5,8%. Chinas größter Energiekonzern, der für seine “kühnen Wirtschaftsprognosen” bekannt ist, warnte, dass das BIP-Wachstum in China in der nächsten halben Dekade auf bis zu 4% fallen könnte, wie aus Quellen der Financial Times hervorgeht.

Der China-Chefökonom der Economist Intelligence Unit, Tom Rafferty, erwartet, dass Chinas BIP-Wachstum im Jahr 2020 “etwa 6% halten wird”, mit Stimulierung durch Peking. Er fügt hinzu: “Obwohl sich Unternehmen und Investoren ein Aufatmen leisten können, sehen wir nach einem schwierigen Jahr 2019 immer noch Risiken für die Aussichten Chinas.” Er führt dies zurück auf das fragile Handelsabkommen und die Risiken, die noch immer mit Chinas Finanzmärkten verbunden sind.