Home News China Exporte stabil – trotz Handelsspannungen und «Decoupling»

China Exporte stabil – trotz Handelsspannungen und «Decoupling»

Trotz zunehmender Handelsspannungen und Forderungen der Industrieländer, insbesondere der USA, sich von China zu lösen, scheint der Wettbewerbsvorteil des Landes bei den Exporten und seine Rolle in den globalen Lieferketten intakt zu bleiben, wie jüngste Daten zeigen.

Einer neuen Studie des Growth Lab der Harvard University zufolge erstrecken sich Exporte aus China inzwischen über fast alle bekannten Bereiche globaler Produkte. Die Studie zeigt, dass China durch die Diversifizierung seiner Exporte in andere Regionen seinen globalen Rang verbessern konnte.

Vor allem das technologische Niveau von Chinas Exporten sei gestiegen. Nach dem Economic Complexity Index (ECI), der die Vielfalt und technologische Komplexität der von einem Land exportierten Waren sowie das Exportvolumen misst, belegte China 2019 gemessen an der Komplexität seiner Exporte weltweit Platz 16 und verbesserte sich damit um drei Plätze. Die USA rangieren derweil auf Platz 11, wobei sich der Abstand zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert hat. Zudem schiebe sich Chinas Exportleistung in der Rangliste vor die der höher entwickelten Länder.

„Es gibt Anzeichen dafür, dass China weiterhin Marktanteile in Sektoren gewinnen wird, weil es in der Lage war, die Produktion (während der Pandemie) aufrechtzuerhalten“, sagte Tim Cheston, Senior Research Manager beim Growth Lab der Harvard University.

Abkopplungsversuch gescheitert?

Eine umfassendere Analyse globaler Marktanteile bei den Exporten ergab, dass Chinas Anteil in den letzten zwei Jahren erheblich gestiegen ist. Laut Oxford Economics stieg Chinas Anteil auch inmitten der Covid-19-Pandemie um etwa 1 Prozentpunkt auf 18%.

Laut Louis Kuijs, Head of Asia Economics bei Oxford Economics, stieg die Nachfrage nach chinesischen Exporten in Entwicklungsländer im vergangenen Jahr und in der ersten Hälfte des Jahres 2021 rapide an, unterstützt durch großzügige fiskalische Impulse. Hinzu kamen beträchtliche Exporte von Schutzausstattung, deren Produktion in China rasch anlief.

„Die Zuwächse waren auf den spezifischen Charakter der gestiegenen Importnachfrage in den Industrieländern zurückzuführen, der durch eine vorübergehende Verlagerung vom Dienstleistungs- zum Warenkonsum und einen Anstieg von Artikeln im Zusammenhang mit der Arbeit von zu Hause aus angeheizt wurde“, so Kuijs gegenüber AsiaFundManagers.com.

„Ich denke, dass die starke Leistung der chinesischen Exporte in den letzten zwei Jahren, mit ihrem erheblich gestiegenen Marktanteil in den Industrieländern, zeigt, wie ‹klebrig› die globalen Lieferketten – in denen Chinas verarbeitendes Gewerbe eine Schlüsselrolle spielt – sind,“ fügte er hinzu.

Die USA versuchen, sich von China «abzukoppeln», aber ist bisher weitgehend erfolglos, so Kuijs. Er erklärte, dass sich die USA bis zu einem gewissen Grad von China gelöst haben, nachdem die Trump-Administration 2018 hohe Zölle auf fast alle Einfuhren aus dem Land verhängt hatte. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang von Chinas Marktanteil in den USA.

„Seit Anfang 2020 steigt der Marktanteil Chinas in den USA jedoch wieder, da es für multinationale US-Unternehmen und Importeure schwierig ist, die großen Mengen an Konsum- und/oder Elektronikgütern zu beschaffen, die sie angesichts des steigenden Warenkonsums benötigen“, so Kuijs.

Offiziellen Daten des chinesischen Zolls zufolge, die letzte Woche veröffentlicht wurden, stiegen Chinas Exporte in die USA, seinem drittgrößten Handelspartner, um 36,9% gemessen in US-Dollar, während die Importe aus diesem Land um 50,4% zunahmen. Insgesamt ist Chinas Handel mit den USA in den ersten sieben Monaten des Jahres 2021 um 40% auf 404,6 Milliarden US-Dollar angestiegen.

Kein Weg vorbei an China Exporten?

Jüngste Daten deuten auf eine Verlangsamung des chinesischen Exportwachstums hin, die auf extreme Wetterbedingungen in Verbindung mit Ausbrüchen der Delta-Variante zurückzuführen ist, die die Produktion und den Versand in Teilen Chinas unterbrochen haben. Im Juli stiegen die chinesischen Exporte um 19,3% im Vergleich zum Vorjahr, wie aus Daten der chinesischen Zollverwaltung hervorgeht. Dies war jedoch ein Rückgang gegenüber dem Anstieg im Juni um 32,2% im Jahresvergleich.

Die schrittweise Erholung der Weltwirtschaft und die starke weltweite Importnachfrage dürften jedoch auch in der zweiten Jahreshälfte die Nachfrage nach chinesischen Produkten stützen, so Oxford Economics.