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Der Aufstieg des indischen Elektrofahrzeug-Ökosystems

The rise of India's EV ecosystem

Private-Equity-Firmen und Venture Capital Geber setzen vermehrt im großen Stil auf die indische Elektrofahrzeug(EV)-Automobilindustrie. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Ladeinfrastruktur, dem Ausbau von Produktionskapazitäten, F&E und Zukunftstechnologien, gewinnt der indische EV-Markt an Attraktivität für globale Investoren.

Und das, obwohl die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Indien nach wie vor grundsätzlich eher gering ist, aber die Zahlen steigen. In diesem September wurden in Indien mehr Elektrofahrzeuge verkauft als in jedem anderen Monat zuvor, wobei die Verkäufe seit April kontinuierlich gestiegen sind. Mit 121.900 verkauften Elektrofahrzeugen in diesem Geschäftsjahr machen Elektrofahrzeuge laut dem Council on Energy, Environment and Water (CEEW) jedoch nur 1,66% der 20 Millionen verkauften Autos in Indien aus.

Das Bedeutung der Branche nimmt jedoch zu, zudem die Regierung weiterhin Anreize für Autohersteller und Käufer von Elektrofahrzeugen bietet. Die indische Regierung hat das Ziel gesetzt, bis 2030 einen Anteil von 30% an privaten E-Pkw-Verkäufen und 40% an Elektromotorrädern und -rollern zu erreichen.

Es wird erwartet, dass der indische Markt für Elektrofahrzeuge bis 2030 ein Volumen von 152,21 Mrd. USD erreichen wird, mit einer CAGR von 94,4% zwischen 2021 und 2030. Laut einer Studie des CEEW-Centre for Energy Finance wird der Markt bis 2030 einen Wert von 206 Mrd. USD erreichen, wenn Indien das von der Regierung für 2030 gesetzte Ziel der Elektromobilität weiter verfolgt. Dies würde Investitionen von über 180 Mrd. USD in die Fahrzeugproduktion und die Ladeinfrastruktur erfordern, heißt es weiter.

Steigende Investments in Indiens EV-Markt

Der florierende indische Automarkt verzeichnet insbesondere in der Elektrofahrzeugbranche und verwandten Sektoren derzeit große Investmentzuflüsse. Laut einer weiteren CEEW-CEF-Studie beliefen sich die kollektiven Finanzierungen von e2W-, e4W-, EV-Teileherstellern, von Lieferanten und Direktlieferanten elektrischer Industriefahrzeuge in den sieben Monaten des Jahres 2021 auf 3,3 Mrd. USD. Im gleichen Zeitraum wurden 221 Mio. USD in indische EV- und Mobilitätsdienstleister investiert.

Ola Electric, eine Tochtergesellschaft der Ride-Hailing-App Ola, hat kürzlich angekündigt, dass ihre indische Rollerfabrik im Wert von 320 Mio. USD jährlich 10 Millionen elektrische Zweiräder herstellen soll – etwa 15% der weltweiten Produktion.

Escorts Ltd, eines der führenden indischen Maschinenbauunternehmen und Hersteller von Elektrotraktoren, hat kürzlich bekannt gegeben, dass die japanische Kubota Corporation 1,2 Mrd. USD investieren wird, um die Mehrheitsbeteiligung an Indiens viertgrößtem Traktorhersteller zu übernehmen. Durch die Aufstockung seiner Beteiligung an Escort von derzeit 9% auf 53,5% plant Japans größter Traktorenhersteller, seine Produktpalette sowohl bei Traktoren als auch bei Landmaschinen zu erweitern, um Länder wie Indien, Südostasien, Afrika und Lateinamerika zu beliefern.

Ähnlich kündigte der größte indische Automobilhersteller Tata Motors im vergangenen Monat an, eine Beteiligung an seinem Elektrofahrzeuggeschäft an die US-amerikanische Private-Equity-Firma TPG und andere Investoren zu verkaufen, um 1 Mrd. USD einzusammmeln. Das Unternehmen plant, sein Portfolio von 10 Modellen in den nächsten fünf Jahren zu erweitern.

TVS Motor – Indiens drittgrößter Zweiradhersteller – befindet sich Berichten zufolge ebenfalls in Gesprächen mit einer Reihe globaler Private-Equity-Investoren, um 300-500 Mio. USD für seine EV-Tochtergesellschaft zu beschaffen, bei einer Bewertung von 3,5 bis 4 Mrd. USD. In der Zwischenzeit führt der Lkw- und Bushersteller Ashok Leyland Gespräche mit Investoren, um Mittel für die neu gegründete EV-Tochter Switch Mobility aufzubringen.

Auch Mahindra & Mahindra und Bajaj Auto suchen nach globalen Investoren. Der indische Automobilhersteller Mahindra & Mahindra, der seine Präsenz im Segment der alternativen Kraftstoffe ausbauen will, hat angekündigt, dass er bis 2027 16 Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen will und erwartet, dass die Hälfte der bis 2030 verkauften Fahrzeuge elektrisch sein wird. Ein anderer großer indischer Automobilhersteller – Maruti Suzuki – hat erklärt, dass ein Elektrofahrzeug-Launch erst nach 2025 möglich sei.

Zudem haben führende indische Unternehmen wie Reliance Industries, Adani Group, Tata Group, Larsen and Toubro Ltd (L&T) und ein Joint Venture (JV) unter der Leitung der japanischen Suzuki Motor Corp. Interesse am Bau von Produktionsanlagen für Lithium-Ionen-Zellen in Indien gezeigt. Es wird erwartet, dass die Nachfrage nach solchen Batterien für Elektroautos in die Höhe schnellen wird.

Vorstoß der Regierung für mehr Elektrofahrzeuge auf Indiens Straßen

Die indische Regierung hat sich hohe Ziele gesetzt, um die Verbreitung von Elektrofahrzeugen zu fördern und mehr Menschen dazu zu bewegen, sich für E-Fahrzeuge zu entscheiden. Dadurch soll die Umweltverschmutzung in den Großstädten reduziert werden und die Abhängigkeit vom Öl verringert, damit die Emissionsziele erreicht werden.

Nitin Gadkari, Indiens Minister für Straßenverkehr, hat die Vision, die indische Automobilindustrie in fünf Jahren zur Nummer eins in der Welt zu machen, was den Export von Elektrofahrzeugen angeht. Die Regierung strebt laut dem Minister an, ab Beginn des nächsten Jahrzehnts etwa 30% der privaten Pkw-Verkäufe und 40% der Busse auf Elektromodelle entfallen.

Um die Produktionskapazitäten des Landes zu verbessern und die Exporte zu steigern, hat die indische Regierung außerdem eine Regelung für produktionsabhängige Anreize (Production-Linked Incentive, PLI) für den Automobil- und Automobilzulieferersektor ins Leben gerufen.

Um eine inländische Lieferkette für sauberen Verkehr aufzubauen, plant die indische Regierung zudem, ab November fünf Roadshows in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, Südkorea und Japan zu veranstalten. Damit sollen Batteriehersteller davon überzeugt werden, eine lokale Produktion in Indien aufzubauen, berichtet Reuters.

Nach Angaben von Regierungsvertretern sollen Unternehmen wie Tesla Inc, Samsung, Northvolt, Panasonic, Toshiba und LG Energy ermutigt werden, in die lokale Herstellung von Batterien in Indien zu investieren. Mit diesem 2,4 Mrd. USD-Programm will Indien innerhalb von fünf Jahren eine Batteriespeicherkapazität von insgesamt 50 Gigawattstunden (Gwh) aufbauen, was Direktinvestitionen in Höhe von rund 6 Mrd. USD anziehen soll.

Indiens Automobilsektor floriert

Der indische Automobilsektor hat durch die Pandemie einen enormen Investitionsschub bekommen. Indien erlaubt 100% ausländische Direktinvestitionen (FDI) ohne Genehmigung durch die Regierung für den Automobilsektor, was den Sektor für Investoren attraktiv macht.

In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2022, das im April 2021 begann, war der Automobilsektor mit einem Anteil von 27% an den gesamten FDI-Zuflüssen der größte Empfänger von ausländische Direktinvestitionen in Indien. Und das, obwohl der Sektor eine Zeit lang mit schleppendem Wachstum und Produktionskürzungen der Hersteller aufgrund von Restriktionen im Zusammenhang mit Schließungen, dem weltweiten Mangel an Chips sowie einem starken Anstieg der Rohstoffkosten zu kämpfen hatte.

Der indische Automobilsektor trägt rund 40% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des verarbeitenden Gewerbes und 7,5% zum Gesamt-BIP des Landes bei. Gemäß dem Automotive Mission Plan der Regierung für 2016-26 wird erwartet, dass der indische Automobilsektor bis zum Jahr 2026 der drittgrößte der Welt sein wird.

Indien ist der weltweit größte Hersteller von zwei- und dreirädrigen Fahrzeugen und steht weltweit an vierter Stelle in der Automobilproduktion. Und nicht nur das: Die Pkw-Industrie dominiert den Automobilsektor und wird im laufenden Fiskaljahr voraussichtlich ein Wachstum von 22% bis 25% verzeichnen. Im Bereich der schweren Fahrzeuge hat Indien eine starke Position inne, da es der größte Traktorhersteller, der zweitgrößte Bushersteller und der drittgrößte Hersteller von schweren Lkw in der Welt ist.