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Indiens Multi-Milliarden-Dollar-Pläne für die Halbleiterindustrie

India semiconductor industry
Noida, Uttar Pradesh, India: Engineer making circuit board in a factory. (Source: PradeepGaurs / Shutterstock.com)

Inmitten der weltweiten Chip-Knappheit setzt Indien alles daran, ein globales Zentrum der Halbleiterherstellung zu werden. Die Halbleiternachfrage in Indien wird zurzeit vollständig durch Importe gedeckt, die sich derzeit auf etwa 24 Mrd. USD belaufen. Nach Angaben von Invest India soll dieser Wert bis 2025 auf 100 Mrd. USD ansteigen.

Um die Abhängigkeit Indiens von Importen in diesem Bereich zu verringern, hat die indische Regierung ein 10-Milliarden-Dollar-Programm für den Aufbau eines Halbleiter-Ökosystems genehmigt, das Design, Herstellung, Verpackung und Testing umfasst.

Das Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) hat Ende Dezember Leitlinien für vier spezifische Programme veröffentlicht, die «umfassende Richtlinien für die Entwicklung eines nachhaltigen Halbleiter-Ökosystems» im Land darstellen. Dieses Production Linked Incentive (PLI) genannte Programm, das sich über sechs Jahre erstreckt, soll Investments in Höhe von bis zu 22,5 Mrd. USD beschaffen.

Im Rahmen der ersten beiden Programme, die auf die Errichtung von Halbleiter- und Display-Fabriken abzielen, plant die Regierung, allen förderfähigen Antragstellern eine finanzielle Unterstützung von bis zu 50% der Projektkosten zu gewähren. Die Regierung strebt zudem die Einrichtung von High-Tech-Clustern an und plant die Errichtung von mindestens zwei Greenfield-Halbleiterfabriken und zwei Display-Fabriken.

Der dritte Programmpunkt umfasst Anreize für spezialisierte Fabriken und sieht eine steuerliche Unterstützung in Höhe von 30% der Investitionskosten für genehmigte Fabriken für Verbindungshalbleiter, Silizium-Photonik, Sensoren und u.a. OSAT-Anbieter (Outsourced Semiconductor Assembly and Test) vor.

Der vierte Punkt konzentriert sich auf die Errichtung von Halbleiterfabriken in Indien. Im Rahmen dieser Maßnahme wird 100 inländischen Unternehmen, die Halbleiterdesigns für integrierte Schaltkreise (ICs), Chipsätze, System-on-Chips (SoCs), Systeme und IP-Cores sowie mit dem Design verbundene Halbleiter entwickeln, ein weiterer designbezogener Anreiz von bis zu 50% der förderfähigen Ausgaben geboten.

Darüber hinaus plant die Regierung auch die erforderlichen Schritte zur Modernisierung und Kommerzialisierung des „Semi-conductor Laboratory“ (SCL), des Forschungsinstituts des indischen Raumfahrtministeriums.

Gleichzeitig hat das Regierungskabinett beschlossen, eine «India Semiconductor Mission» einzurichten, die von einem Gremium aus globalen Branchenexperten und Regierungsbeamten geleitet wird, um die Entwicklung der Chip- und Displayindustrie voranzutreiben. Dieser Gesamtplan für Anreize würde zusätzlich 85.000 Menschen Arbeit verschaffen.

Internationale Branchenriesen anziehen

Der Vorstoß Indiens, ein globaler Halbleiterhub zu werden, baut auch auf die derzeitige Stimmung «China-Plus-One», bei der globale Unternehmen ihre Stützpunkte nicht nur in China, sondern auf andere Länder ausdehnen, um die Abhängigkeit von China zu verringern.

Um den Produktions- und Exportbereich zu erweitern, führt die indische Regierung Gespräche mit globalen Chip-Herstellern wie TSMC, Intel und AMD, um Fabriken im Land zu errichten. Daneben haben auch das israelische Unternehmen Tower Semiconductor, das taiwanesische Unternehmen Foxconn und ein Konsortium aus Singapur Interesse bekundet, wie Reuters im Dezember berichtete.

Letzten September kündigte die indische Regierung Pläne für den Abschluss eines Freihandelsabkommens (FTA) mit Taiwan an. Die Regierung will mithilfe Taiwans ein Zentrum für die Halbleiterherstellung aufbauen und dafür über 7,5 Mrd. USD investieren.

Im August 2021 kündigte einer der größten indischen Mischkonzerne, die Tata-Gruppe, ihren Einstieg in die Chipfertigung an. Berichten zufolge befindet sich der Konzern in Gesprächen mit drei Bundesstaaten, um rund 300 Mio. USD in den Aufbau einer Chipmontage- und Testeinheit zu investieren. Die Vedanta-Gruppe, eines der weltweit führenden Rohstoffunternehmen, hat Berichten zufolge ebenfalls Pläne zur Errichtung einer Halbleiterfabrik in Indien angekündigt.

Indiens derzeitige Produktionskapazitäten sind jedoch noch nicht groß genug, um mit den bestehenden Anbietern aus Ländern wie den USA, Japan, Taiwan und Südkorea zu konkurrieren. Daher ist Indien weiter bei der Deckung seines exponentiell wachsenden Halbleiterbedarfs auf Einfuhren angewiesen.

Indien will in der Elektronik-Wertschöpfungskette nach oben klettern

Die anhaltenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die zunehmenden geopolitischen Spannungen mit Peking haben Indien dazu veranlasst, generell in der Wertschöpfungskette der Elektronikbranche aufsteigen zu wollen. Mit den zusätzlichen Förderungen in Höhe von 10 Mrd. USD für die Halbleiterindustrie hat die Regierung insgesamt Anreize in Höhe von 30 Mrd. USD für den Elektroniksektor angekündigt, um die größten Elektronikhersteller der Welt zur Ansiedlung in Indien zu bewegen.

Dieser Vorstoß folgt auf das von der Regierung geplante Programm zur Förderung der Großserienproduktion von Elektronikprodukten in Höhe von 7,2 Mrd. USD und weitere 12 Mrd. USD zur Unterstützung der Herstellung von fortschrittlichen Batterien, Autoteilen, Telekommunikations- und Netzwerkprodukten.

Einem Bericht des Ministeriums für Elektronik und Informationstechnologie (MietY) zufolge hat Indien die einmalige Chance, die Elektronikproduktion in den nächsten drei bis vier Jahren auf 300 Mrd. USD zu steigern, ausgehend von 72 Mrd. USD Gesamtvolumen in diesem Fiskaljahr.

Um diese Chance weiter zu nutzen, kündigte das indische Kabinett Anfang 2021 ein Anreizsystem für bestimmte Sektoren wie Laptops, Tablets, All-in-One-PCs und Server an, um die inländische Fertigung anzukurbeln und große Investitionen in die Wertschöpfungskette dieser IT-Hardwareprodukte anzuziehen.

Der Plan, der auf 14 förderfähige Antragsteller abzielt, würde in den nächsten vier Jahren auch zusätzliche direkte Beschäftigungsmöglichkeiten für mehr als 36.000 Menschen schaffen. Insgesamt hat die indische Regierung über 302 Mrd. USD für verschiedene PLI-Programme für die Elektronikindustrie bereitgestellt.

Darüber hinaus hat die Regierung 100% ausländische Direktinvestitionen (FDI) für den Elektroniksektor auf dem automatischen Weg zugelassen. Auf diesem Weg können ausländische Investitionen getätigt werden, ohne dass eine Genehmigung der Reserve Bank of India oder der indischen Regierung erforderlich ist.