Japanische Aktien erhalten viel negative Publicity. Die schlechte demographische Entwicklung, die anhaltend schwache Inflation und die niedrigen relativen Eigenkapitalrenditen (ROE) japanischer Unternehmen führen dazu, dass viele Anleger Japan-Aktienfonds gänzlich meiden. Der plötzliche Rücktritt von Shinzo Abe, Japans dienstältestem Premierminister, brachte zudem ein Element politischer Unsicherheit mit sich.

Japan Aktienfonds: Gründe für Optimismus

Trotz der offensichtlichen Herausforderungen gibt es viele Gründe, bei japanischen Aktien eine positive Haltung einzunehmen. Warren Buffetts Investition von 6,5 Milliarden Dollar in fünf japanische Value-Aktien könnte als Denkanstoß dienen, selbst für diejenigen, die nicht seine Ansichten teilen.

Erstens wird der neue japanische Premierminister, Yoshihide Suga, wahrscheinlich die Politik der “Abenomics” fortsetzen. Geldpolitische Lockerung, Fiskalpolitik und Arbeitsmarktreformen sind ein wesentlicher Bestandteil, um die wirtschaftlichen Herausforderungen Japans zu bewältigen. Darüber hinaus können strukturelle Arbeitsmarktreformen einige der negativen Auswirkungen der demographischen Entwicklung Japans bewältigen.

Während die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt zugenommen hat, kann mehr getan werden, um Frauen und ältere Arbeitnehmer weiter zu unterstützen. So könnten beispielsweise die Erhöhung des Angebots an Kinderbetreuung und die Abschaffung des von den Unternehmen festgesetzten Alters für die Zwangsversetzung in den Ruhestand viel bewirken. Da die nächsten Parlamentswahlen erst im Oktober 2021 anstehen, hat Suga genügend Zeit, sich auf die Reformen zu konzentrieren.

Technologie und Automatisierung sind ein weiterer wichtiger Teil, optimistisch zu sein. Automatisierung und Robotik sind in Japan keine Fremdwörter. Bereits 1995 befanden sich von den weltweit rund 700.000 Industrierobotern 500.000 in Japan. Im Laufe der Jahrzehnte führte der Einsatz von Industrierobotern in der Elektronik- und Automobilindustrie zu einem erheblichen Produktivitätswachstum im Fertigungssektor. Der Dienstleistungssektor hingegen verzeichnete nur ein geringes Produktivitätswachstum, obwohl er 70 Prozent des BIP ausmacht. Die neue Technologiewelle, die von künstlicher Intelligenz angetrieben wird, verspricht, die Produktivitätslücke zwischen der verarbeitenden Industrie und dem Dienstleistungssektor zu verringern.

Historisch gesehen haben japanische Unternehmen weniger erwirtschaftet als ihre amerikanischen und europäischen Konkurrenten. Doch die Einführung des japanischen Corporate Governance-Kodex im Juni 2015 übte erheblichen Druck auf die Unternehmen aus, die Aktionärsrenditen zu verbessern. Die Lücke in der Eigenkapitalrendite hat sich in den letzten Jahren verringert, und Lazard, ein globaler Asset Manager, geht davon aus, dass sich dieser Trend aufgrund der historisch hohen Unternehmensmargen fortsetzen wird. Gleichzeitig sind die relativen Bewertungen eher günstig. Und während japanische Aktien mit hoher Marktkapitalisierung weitgehend abgedeckt werden, sind kleine und mittlere Unternehmen nach wie vor kaum Thema von Aktienresearch, was attraktive Möglichkeiten zur Generierung von Alpha bietet.

Es gibt verschiedene aktiv gemanagte Fonds, um japanische Investmentchancen zu nutzen. Nachfolgend werfen wir einen Blick auf den Comgest Growth Japan Fonds und den GAM Star Japan Leaders.

Comgest Growth Japan 

Der Comgest Growth Japan Fonds existiert seit 2000 und hatte zum 30. September 2020 ein verwaltetes Gesamtvermögen (AUM) von 3.083,34 Mio. EUR. Die 10 größten Beteiligungen machen 34,3% des Portfolios aus. Der Fonds verfügt über 5 Sterne von Morningstar und ein Silber-Rating.

Der Fonds wird von drei Portfoliomanagern – Richard Kaye, Chantana Ward und Makoto Egami – verwaltet. Das Performanceziel besteht darin, langfristig einen Kapitalzuwachs zu erzielen. Insgesamt scheint sich das Team auf die Bottom-Up-Aktienauswahl zu konzentrieren und sucht nach Unternehmen, die ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum aufrecht halten können. Die Erfolgsbilanz des Fonds ist beeindruckend. Seit Jahresbeginn erzielte er eine Rendite von 15,2% im Vergleich zu -5,12% für die Benchmark.

GAM Star Japan Leaders 

Der GAM Star Japan Leaders Fonds kann auf eine längere Erfolgsgeschichte zurückblicken. Er wurde 1992 aufgelegt. Zum 30. September 2020 hatte der Fonds ein Gesamtvolumen von 433,2 Mio. EUR. Seine Morningstar-Referenzen sind mit einem quantitativen 4-Sterne-Rating und einer neutralen qualitativen Bewertung weniger beeindruckend.

Der Fonds wird von drei Portfoliomanagern unter der Leitung von Ernst Glanzmann verwaltet, der über 25 Jahre Erfahrung mit Investments in japanische Aktien vorweist. Der Manager positioniert dieses Produkt als eine fundamentale Buy-and-Hold-Strategie. Das Unterscheidungsmerkmal ist dabei der tiefe Value-Fokus. Investments werden mit einem Abschlag von mindestens 30% gegenüber dem berechneten Fair Value getätigt. Der GAM Star Japan Leaders Fonds bietet ein konzentriertes Portfolio von 20 bis 30 japanischen Aktien, wobei die Top-10-Bestände 50% des Fonds ausmachen.

Der Fonds hat eine starke Performance erzielt. Seit Jahresbeginn ist er um 6,6% im Vergleich zu -4,79% der Benchmark gestiegen. In den letzten 1 und 3 Jahren hat der Fonds die Benchmark um 13% bzw. 4,3% übertroffen. Während die Performance leicht hinter der des Fonds Comgest Growth Japan zurückbleibt, sind die Gebühren höher.

Comgest Growth Japan: eine bessere Option zu einem besseren Preis

Beide aufgezeigten Japan Aktienfonds bieten eine attraktive Möglichkeit, in japanische Aktien zu investieren. Der Comgest Growth Japan bietet jedoch eine bessere und beständigere Performance zu einem niedrigeren Preis.