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Wachstumsaussichten für SPAC-Listings in Asien

Growing prospects of SPAC listings in Asia

Einer der heißesten Trends der Wall Street bei der Kapitalbeschaffung in diesem Jahr – Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) – ist auf dem Weg nach Asien. Die Region schließt sich dem Boom der SPAC-Listings an, die einen schnellen und einfachen Zugang zu öffentlichen Märkten bieten. Diese so genannten Blankoscheck-Unternehmen gehen an die Börse und fusionieren mit einem privaten Unternehmen, typischerweise innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens.

SPACs haben im Gegensatz zum traditionellen Börsengang (IPO) einen relativ einfachen Weg zur Kapitalbeschaffung unter volatilen Bedingungen ermöglicht. Das Phänomen wurde in den letzten Jahren immer häufiger, da immer mehr Blue-Chip-Private-Equity-Firmen, Banken und hochkarätige Unternehmer SPACs gründeten. Einige der am höchsten bewerteten asiatischen Firmen haben Pläne für SPAC-Börsengänge in den USA angekündigt.

Die japanische SoftBank Group Corp, Vickers Venture Partners aus Singapur und Provident Acquisition aus Hongkong haben im vergangenen Jahr 850 Mio. USD für Börsengänge aufgebracht. Zu den jüngsten SPAC-Ankündigungen von in Asien ansässigen Sponsoren, die an der Wall Street-NASDAQ notieren wollen, gehören große Namen wie Hongkongs regionale Tycoons Bridgetown Holdings und Adrian Cheng Chi-kong, Grab aus Singapur und Hony Capital aus China.

Nach Grab bringen sich auch Traveloka aus Indonesien und Indische “Unicorns” wie Zomato, Swiggy, Flipkart und Grofers für ein SPAC-Listing in den USA in Stellung.

Der Anstieg von SPAC-Listings in den USA aus Asien deutet auf die Offenheit für diesen alternativen IPO-Markt zur Mittelbeschaffung hin. Diese plötzliche Zunahme neuer Listings könnte der Anstoß sein, nach dem die asiatischen Volkswirtschaften gesucht haben. Analysten gehen davon aus, dass die schnell wachsenden asiatischen Finanzzentren auch in Zukunft ein bevorzugtes Ziel für bestehende SPACs sowie für neue Listings sein werden.

SPAC-Listings lieferten 2020 ein Comeback

SPACs gibt es zwar schon seit Anfang der 1990er Jahre, doch im vergangenen Jahr erlebten sie ein explosionsartiges Wachstum, das sich vor allem auf die Vereinigten Staaten konzentrierte. Angetrieben durch den pandemiebedingten globalen Wirtschaftseinbruch, gab es 2020 einen Boom bei der Investorennachfrage nach SPACs. 248 SPACs sammelten im vergangenen Jahr weltweit 82 Mrd. USD bei Börsengängen ein. Das war die Hälfte des gesamten US-amerikanischen IPO-Marktes, laut Daten von SpacResearch. Das Volumen von 2020 allein stellt die vorherigen fünf Jahre zusammen in den Schatten. Zwischen 2010 und 2019 kamen 225 SPACs auf insgesamt 47 Mrd. USD, wie Daten von S&P Global Market Intelligence zeigen.

Daten von Spacinsider deuten darauf hin, dass PE-Firmen und Hedge-Fonds im Jahr 2020 rund 20 Mrd. USD aufbrachten, wobei Investoren wie Credit Suisse, CitiGroup und Goldman Sachs die ersten drei Plätze einnahmen.

Viele Großbanken vermieden oder beschränkten ihre Beteiligung an SPACs jedoch. “Die Gesetze, die SPACs regeln, haben sich geändert und wir haben einen deutlichen Anstieg der Aktivität im Jahr 2020 gesehen”, so ein Bericht von Aberdeen Standard. “Außerdem wandten sich einige Unternehmen, deren IPO-Pläne Anfang 2020 von Covid-19  durchkreuzt wurden, SPACs als Alternative zu”, so der Bericht weiter.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2021 hat der globale SPAC-Markt seine Rekordzahlen aus dem Jahr 2020 bereits übertroffen. Daten von Refinitiv zeigen, dass bis zum 30. März insgesamt 258 SPACs auf den Markt kamen, verglichen mit 256 im gesamten Jahr 2020. Laut einem Bericht von Bain & Co. sammelten 91 SPACs allein im Januar 25 Mrd. USD ein.

Nach einem Anstieg von 320% im Jahr 2020 wird sich die Verbreitung von SPACs dieses Jahr laut Einschätzung von Pictet wahrscheinlich fortsetzen. “Mit einer beträchtlichen Anzahl von SPAC- und De-SPAC-Transaktionen, die bereits in der Pipeline sind”, heißt es im Hedgefonds-Flash-Report “The year of SPAC”.

Asien schließt sich dem SPACs-Boom an

Die Begeisterung für SPACs hat Asien nicht nur in Bezug auf die Börsennotierung, sondern auch in Bezug auf Akquisitionen erreicht. SPAC-Fusionen bieten potenzielle Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Börsengang, so die Credit Suisse in einem Bericht. “Dazu gehören die Preissicherheit, die Verwendung von Geschäftsprognosen, die schnelle Ausführung, die sofortige Liquidität, die strukturelle Flexibilität und die Expertise des Managements”, heißt es weiter.

Asien ist inzwischen für viele SPACs zu einer Zielregion für Akquisitionen geworden. Mehr Unternehmen der nächsten Generation mit überzeugenden Wachstums- und Wertschöpfungsaussichten kommen aus China und Südost-Asien. Eine globale Analyse der SPAC-Anmeldungen durch S&P zeigt, dass etwa ein Drittel aller Blankoschecks für Unternehmen aus dem Technologiesektor ausgestellt werden.

SoftBank – Anteilseigner vieler asiatischer Giganten wie Grab, Ola, Paytm, Didi Chuxing – hat sich ebenfalls dem Akquisitionsboom angeschlossen, was die SPAC-Aktivität in Asien weiter ankurbelt. Asiens Reichste springen auf den SPAC-Zug auf, mit einer neuen Ära der SPAC-Bosse, von Softbanks Masayoshi Son bis zum Silicon-Valley-Investor Vinod Khosla. Inzwischen hat Goldman Sachs eine eigene SPAC-Bank in Hongkong eingerichtet.

Von den in diesem Jahr neu aufgelegten SPACs im Wert von 100 Mrd. USD entfielen nur 3 Mrd. USD auf asiatische SPACs. Insgesamt haben sechs auf Asien fokussierte SPACs in den ersten drei Monaten 2021 zusammen 2,7 Mrd. USD eingesammelt. Auf Nasdaq und New York Stock Exchange fielen zusammen mehr als 97% der SPAC-Mittel für 2021.

Im vergangenen Jahr wurden bloß vier auf Asien ausgerichtete SPACs erfolgreich abgeschlossen. Sie brachten laut Dealogic-Daten rund 1,44 Mrd. USD ein. Die Zahl der auf Asien fokussierten SPACs wuchs zwischen 2016 und 2020 von 0 auf nur 8, was einen kleinen Prozentsatz der SPAC-Aktivität ausmacht.

Börsenrausch um SPAC-Listings

Angeführt vom SPAC-Boom im letzten Jahr, verstärken einige asiatische Börsen ihre Anstrengungen für SPAC-Listings. Um sie zu werben, erwägen Aufsichtsbehörden aus Japan, Hongkong, Singapur, den Philippinen, Indonesien und Malaysia Änderungen der Listingregeln. Diese etablierten Börsen sind dabei, die grundlegenden Regeln und Methoden für die Durchführung von SPAC-Listings und den Zugang zu ausländischen Direktinvestitionen zu entwickeln.

Laut Daten von S&P Global Market Intelligence, wurden im vergangenen Jahr 19 südkoreanische SPACs gelistet, verglichen mit fünf aus China, vier in Hongkong und zwei in Singapur.

Der Appetit auf die Notierung von SPACs an asiatischen Börsen blieb allerdings gedämpft, da es an etablierten Regeln für SPACs mangelt. Mit Ausnahme von Südkorea und Malaysia sind die meisten asiatischen Börsen dafür bekannt, dass sie eher zu viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben. Es gibt auch keine konkreten Hinweise darauf, wann die Notierung von SPACs an den lokalen Börsen erlaubt sein wird.

Regulatorische Herausforderungen wie Investorenschutz, PIPE-Finanzierung, de-SPAC-Transaktionen und Zeitfenster für einen Deal sind an den asiatischen Börsen gängig. Neben den strengen Regelungen sagen Branchenakteure, dass die niedrigen Bewertungen an den asiatischen Märkten auch die Begeisterung für SPAC-Listings gering halten würden. Experten weisen auch darauf hin, dass Investoren die Marktbedingungen prüfen sollten, bevor sie Geld in asiatische SPAC-Listings stecken.

Die kürzlich erfolgte Verschärfung der SPAC-bezogenen Risiken durch die US-Regulierungsbehörde hat auch SPAC-freundliche Bewegungen in Asien gestoppt. Der plötzliche Aufstieg von Profisportlern, Politikern und Popstars zu SPAC-Investoren veranlasste die US Securities and Exchange Commission Fragen in Bezug auf Compliance, Reporting und interne Kontrollen von SPACs stellt.

Den SPAC-Aufwärtstrend nutzen

SPACs haben sich als perfektes Beispiel für eine breitere Verschiebung in der Investmentlandschaft erwiesen. Die Investitionen in SPACs können von bekannten Private-Equity-Fonds bis hin zur Öffentlichkeit reichen und ziehen namhafte Underwriter bis hin zu Einzelinvestoren an.

Sie bieten Zugang zu Investitionen in Akquisitionen durch den Listing-Prozess. Außerdem bietet sie Investoren eine Möglichkeit, Geld ohne die Risiken eines volatilen Aktienmarktes zu beschaffen. Im Gegensatz zu einem traditionellen IPO sind die Preise für einen Blanko-Börsengang weniger von der Echtzeit-Nachfrage der Investoren abhängig.

Allerdings bieten die meisten SPACs wenig Einblick in die Unternehmen, mit denen sie sich zusammenschließen wollen. SPAC-Aktionäre verlassen sich auf die Erfolgsbilanz der Sponsoren, um in die Blankoscheck-Unternehmen zu investieren.

SPACs bieten eine breite Palette von Vorteilen, die sich für Sponsoren, private Unternehmen, institutionelle und private Investoren unterscheiden, so CS. “SPACs bieten Flexibilität, wie sie strukturiert oder finanziert werden können, um differenzierte Ergebnisse zu erreichen, die von den Zielgruppen gewünscht werden”, fügte sie hinzu.