Die Erfolgsgeschichte der Südkorea Wirtschaft beruht auf seiner Fähigkeit, sich an den immer schneller werdenden globalen Wandel anzupassen. Korea ist die viertgrößte Volkswirtschaft in Asien und hat das zwölftgrößte nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die massive Transformation nach dem Ende des Koreakrieges im Jahr 1953 verwandelte das Land in ein industrielles Powerhouse und öffnete die Tore zu ausländischen Volkswirtschaften.

Die exportorientierte Politik und die Investitionen in Innovationen spielten eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Südkorea Wirtschaft zu dem, was sie heute ist. Die Textilindustrie und die Leichtindustrie waren die ersten Branchen, auf die die wirtschaftliche Entwicklung abzielte, bevor man sich auf die Schwerindustrie wie die Eisen- und Stahlindustrie und die chemische Industrie verlagerte.

Später richtete Südkorea seine Bemühungen auf Hochtechnologiebranchen wie die Automobil- und Elektronikproduktion sowie die Informationstechnologie aus. Die Wirtschaftsstrategie der Regierung ermöglichte ein reales BIP-Wachstum von durchschnittlich 7,3% jährlich zwischen 1960 und 2019.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die südkoreanische Wirtschaft im Jahr 2021 um 3% wachsen wird, womit er seine Prognose vom April um 0,7 Prozentpunkte anhebt.

Die südkoreanische Regierung erwartet für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von 4,2%, während die Zentralbank von einem Wachstum von 4,0% ausgeht. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht derweil von einem Wachstum der Südkorea Wirtschaft von 3,8% aus.


Südkorea jährliche BIP-Wachstumsrate (in %)

 

Der IWF warnte jedoch, dass das Land auf seine Staatsausgaben achten müsse, um eine künftige Schuldenexplosion angesichts der rasch alternden Bevölkerung zu verhindern. Laut Andreas Bauer, stellvertretender Direktor und Leiter der Korea-Mission des IWF, halten die starken Fundamentaldaten die Verschuldung vorerst in Grenzen.

Der IWF geht davon aus, dass die Schuldenstandsquote Südkoreas im Jahr 2021 auf 53,2% und bis 2026 auf 69,7% ansteigen kann. Für Japan und die Länder des Euroraums wird dagegen im gleichen Zeitraum ein Rückgang der Verschuldung prognostiziert.

Währung und Zentralbank

Der südkoreanische Won ist die offizielle Währung des Landes und wird von der Zentralbank, der Bank of Korea (BOK), ausgegeben. In den letzten zehn Jahren war der Wert des Won stabil: Im Februar 2011 entsprach 1 Dollar 1.117 Won, im Februar 2021 entspricht 1 Dollar 1.098 Won.

Die Zentralbank wurde am 12. Juni 1950 in Seoul gegründet und wird derzeit von BOK-Gouverneur Lee Ju-yeol geleitet. Der geldpolitische Ausschuss der BOK ist mit der Formulierung der Geld- und Kreditpolitik des Landes betraut.

Die Verbraucherpreise stiegen im ersten Halbjahr 2021 um durchschnittlich 1,8% gegenüber 0,6% im Vorjahr und erreichten damit fast das Ziel der Zentralbank von 2,0%. Unterdessen blieb der Verbraucherpreisindex (VPI) im Juni unverändert bei 1,2%.

Die BOK prognostiziert für 2021 eine Inflationsrate von 1,8% und für 2022 einen Rückgang auf 1,4%.


Südkorea Inflation (in %)

Industrie und Handel

Südkorea hat sich in den letzten 60 Jahren von einem Agrarland zu einem hochindustrialisierten Land gewandelt und gilt heute als der größte Halbleiterproduzent der Welt. Um das Wachstum zu fördern, hat die Südkorea Wirtschaft den Schwerpunkt auf Technologieentwicklung und Innovation gelegt.

Der Dienstleistungssektor ist zum größten und schnellsten Wirtschaftssektor in Südkorea geworden. Er macht 56,8% des BIP des Landes aus und beschäftigt 70,2% der aktiven Bevölkerung. Die führenden Branchen in diesem Sektor sind Kaufhäuser, Ladenketten und Supermärkte. Einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige ist der Tourismus, der jedoch durch die weltweite Pandemie beeinträchtigt wurde.

An zweiter Stelle steht das verarbeitende Gewerbe, das 33% des BIP erwirtschaftet und 25% der Erwerbstätigen Beschäftigung bietet. Die wichtigsten Branchen in diesem Sektor sind die Textilindustrie, die Stahlindustrie, der Automobilbau, der Schiffbau und die Elektronikindustrie.

Der Landwirtschaftssektor nimmt mittlerweile eine untergeordnete Rolle ein: Er trägt nur 1,7% zum BIP des Landes bei und beschäftigt nur 4,8% der Erwerbsbevölkerung. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Südkorea sind Gerste, Weizen, Mais, Sojabohnen und Sorghum-Hirse. Auch die Massentierhaltung spielt eine große Rolle in diesem Sektor.

Das Land ist derzeit der sechstgrößte Exporteur der Welt. Die wichtigsten Exportprodukte sind integrierte Schaltkreise, Kraftfahrzeuge, raffiniertes Erdöl, Fahrzeugteile sowie Passagier- und Frachtschiffe. Die wichtigsten Exportpartner des Landes sind China, die USA, Vietnam, Hongkong und Japan.


Südkorea Wirtschaft Handelsbilanz

 

Was die Gesamteinfuhren betrifft, so liegt Südkorea weltweit an neunter Stelle. Die wichtigsten Importprodukte sind Rohöl, integrierte Schaltkreise, Erdölgas, raffiniertes Erdöl und Kohlebriketts. Die wichtigsten Importpartner des Landes sind China, die USA, Japan, Vietnam und Saudi-Arabien.

Studien und Ranglisten

Südkorea erhielt im «Ease of Doing Business 2020»-Bericht der Weltbank eine Punktzahl von 84,0 und sicherte sich damit den 5. Platz von 190 Ländern, hinter Dänemark, Hongkong, Singapur und Neuseeland.

Während die Rangliste des Global Competitiveness Index (GCI) des Weltwirtschaftsforums pausiert, belegte die Südkorea Wirtschaft in der Sonderausgabe des Global Competitiveness Report 2020 den ersten Platz bei der IKT-Adoption.

Darüber hinaus rangiert Südkorea im Index of Economic Freedom 2021 der Heritage Foundation auf Platz 24 mit einem Wert von 74,0 und bleibt damit in der Kategorie «mostly free».

Börsen und Kapitalmärkte

Die in Busan ansässige Korea Exchange (KRX) ist der einzige Börsenbetreiber des Landes, nachdem Korea Stock Exchange (KSE), Korea Futures Exchange und KOSDAQ Stock Market durch den Korea Stock & Futures Exchange Act zusammengeführt wurden.

Die KRX ist die 13. größte Börse der Welt mit einer Marktkapitalisierung von 2,42 Mrd. USD. Der Korea Composite Stock Price Index (KOSPI), der repräsentative Aktienmarktindex Südkoreas, wird auf Basis der Marktkapitalisierung berechnet.

Ausländische Investoren können beispielsweise über börsengehandelte Fonds (ETFs), die eine sofortige Diversifizierung bieten, auf die Wirtschaft des Landes setzen. Diese ETFs konzentrieren sich meist auf große bis mittelgroße Unternehmen.

Anleihenmarkt

Der südkoreanische Anleihenmarkt ist einer der größten in Asien. In den letzten Jahren hat er mehrere Reformen und Entwicklungen durchlaufen, die auf eine langsame, aber stetige Marktliberalisierung abzielen. Ausländische Investoren können alle Arten von festverzinslichen Wertpapieren erwerben. Koreanische Anleihen sind entweder Staats- oder Unternehmensanleihen.

Die Regierung gibt regelmäßig 3-, 5- und 10-jährige Anleihen aus, und zwar in Form von Staatsanleihen, National Housing Bonds und Seoul Metropolitan Subway Bonds.

Die BOK führte im Juni 2021 eine Geldwertstabilisierungsanleihe (MSB) mit dreijähriger Laufzeit ein und reduzierte gleichzeitig die zweijährigen MSB, um die Reaktionsfähigkeit bei der Liquiditätsanpassung zu erhöhen. Dies geschah, nachdem die Renditen der MSB trotz des allgemeinen Anstiegs der Renditen von Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten zurückgegangen waren.

Immobilienmarkt

Die Preise für Immobilien in Südkorea sind trotz neuer Regierungsmaßnahmen zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes im Land weiter gestiegen.

Dieser Preisanstieg hat ausländische Investoren und einheimische Mehrfamilienhausbesitzer angezogen, Häuser als Investment zu kaufen. Da der Besitz eines Hauses traditionell als Zeichen von Stabilität wahrgenommen wird, zeigen Umfragen, dass 83% der Südkoreaner ein eigenes Haus haben wollen.

Die häufigste Wohnform im Land sind Wohnungen, bei denen es sich häufig um Wohnhochhäuser mit fünf bis 20 Stockwerken handelt. Diese Wohnungen werden von den Einheimischen am meisten bevorzugt, da sie in der Nähe von Einrichtungen wie Einkaufszentren, Sportanlagen und Kindertagesstätten gebaut werden.


Südkorea Housing Index (in %)

 

Quelle der Charts: tradingeconomics.com