Start Investieren Alibaba bereitet Börsengang in China vor

Alibaba bereitet Börsengang in China vor

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Alibaba China
Alibaba China, Börsengang in New York

Nach seinem irren Börsengang in den USA am New York Stock Exchange in 2014 überlegt der chinesische Internet-Gigant Alibaba laut des Wall Street Journals nun, die chinesischen Aktienmärkte zu erobern.

Weltgrößter Börsengang aller Zeiten

Die auf den Cayman Islands registrierte Unternehmensgruppe Alibaba Group Holding Limited mit Hauptsitz im chinesischen Hangzhou, Provinz Zhejiang, wurde am 04. April 1999 vom zur Tech-Ikone stilisierten Jack Ma gegründet. Alibaba beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter und wird mit ca. 500 Mrd. USD bewertet. 

Alibaba machte 2014 mit seinem spektakulären Börsengang an der New York Stock Exchange auf sich aufmerksam, nachdem ihr der Börsengang in Hong Kong aufgrund der komplizierten Organisationsstruktur verweigert wurde. Alibaba betreibt diverse Online-Handelsplattformen für Geschäfts- und Individualkunden. Marken wie beispielsweise taobao.com, alimama.com, aliexpress.com oder juhuasuan.com stellen die Hauptertragssäulen des Unternehmens dar.

Börsengang in China bislang nicht möglich

Laut Informationen des amerikanischen Wall Street Journal will die Alibaba Group Holding Limited künftig auch in China die Aktienmärkte erobern. Möglicherweise wird dies schon ab Sommer 2018 geschehen, sofern eine Gesetzesänderung erfolgt. Knackpunkt ist die chinesische Regulierung hinsichtlich des Handels von Wertpapieren, die aktuell keine Listung von Firmen mit Firmensitz außerhalb Chinas erlaubt.

Ein Sprecher von Alibaba betonte jüngst, dass ein Börsengang auf dem chinesischen Festland stets angedacht gewesen sei, aufgrund der juristischen Ausgangslage allerdings nicht möglich war. Firmen aus Übersee, insbesondere die chinesischen Technologie-Giganten rund um Alibaba und Tencent, könnten fortan aktienähnliche Produkte listen.

Alibaba „Dual Listing“ wird Marktwerte treiben

Ein „Dual Listing“, der Börsengang an einer zweiten Börse, brächte für Alibaba wie auch für andere chinesische Unternehmen, die diese Variante nutzen, wesentliche Vorteile mit sich. So erhalten chinesische Firmen die Chance, im heimischen Markt Investorengelder einzusammeln, noch dazu in chinesischen Yen. Dies würde auch das heimische Profil schärfen.

Die besonders in China bekannten Unternehmen könnten ihre Reputation nutzen, um von den lokalen Investoren höher bewertet zu werden und somit einen höheren Börsenwert erzielen. Die „Dual Listing“-Struktur sähe eine Primär-Listung in einem internationalen Markt wie Hongkong oder New York vor. Die Sekundär-Listung würde in Form einer Chinese-Depository-Receipt-Struktur (CDR) in China erfolgen.

Alibaba: chinesische Investoren blieben außen vor

Auch die chinesische Wirtschaft könnte hiervon profitieren. Bislang sind Tencent, Baidu, Alibaba und Co. nicht Teil der heimischen Kapitalmärkte und so konnten chinesische Investoren über Jahre hinweg nicht von den gigantischen Wertzuwächsen der Aktien profitieren. Alibabas Aktienkurs ist seit dem Börsengang um mehr als das Doppelte gestiegen, doch chinesische Investoren haben hieran nicht partizipiert.

Nicht zuletzt deswegen befinden sich die chinesischen Behörden in intensivem Austausch mit Investmentbanken, um Firmen aus dem Ausland die Möglichkeit der Ausgabe von Wertpapieren zu ermöglichen. Durch CDRs ist die Partizipation im heimischen chinesischen Markt möglich. Eine Entscheidung steht für die kommenden Monate an.

Alibaba China
Alibaba China plant ein Dual-Listing

Starker Wettbewerb im In- und Ausland

Die Alibaba Group Holding Limited befindet sich in internationalem Wettbewerb mit anderen großen Tech-Giganten. Im Ausland zählen hierzu besonders die US-amerikanischen Firmen Facebook, Alphabet, eBay Inc. und Amazon. Facebook als soziales Netzwerk und indirekt als Marktplattform für Werbeflächen, Alphabet mit seiner Google-Suchmaschine sowie den aus dieser abgeleiteten Services sowie eBay als Warenhandelsplattform bewegen sich in ähnlichen Geschäftsfeldern wie Alibaba.

In China gelten insbesondere Baidu, JD.com sowie Tencent Holdings Limited als die härtesten Wettbewerber. Baidu ist das chinesische Äquivalent zu Alphabet, Tencent wiederum das größte soziale Netzwerk im Reich der Mitte.

Tencent plant ebenfalls Listing in China

Neben der Alibaba Group Holding Limited haben bereits weitere chinesische Firmen Interesse an einem Börsengang bekundet. Pony Ma, der CEO von Tencent, erklärte jüngst in einem Interview, dass das Unternehmen einen Börsengang ernsthaft in Betracht ziehen würde. Auch Robin Li, Geschäftsführer von Baidu, betonte, dass das Unternehmen immer schon zurück nach China kommen wollte.

Richard Liu von JD bestätigte ebenfalls das Interesse seiner Firma an einem Börsengang. Gleiches gilt für Xiaomi, Netease und 58.com. Die Unternehmen würden auch eventuelle CDR-Lösungen in Betracht ziehen. Die chinesischen Behörden haben Xiaomi aufgefordert, ein „Dual Listing“ in Festland-China durchzuführen, wenn das Unternehmen seinen Börsengang in Hongkong 2018 durchführt.

Alibaba China: Größte Rekapitalisierung aller Zeiten?

Alibabas möglicher Börsengang in China ist somit schon jetzt ein weltweit beachtetes Spektakel, das international hohe Wellen schlagen könnte. Die Interessen von beiden Seiten, dem Unternehmen und der chinesischen Behörden, ist unverkennbar. Das lässt einen baldigen Börsengang oder eine Lösung via CDR-Strukturen in naher Zukunft wahrscheinlich erscheinen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die Notierungen der CDRs oder gegebenenfalls der Aktien verhalten werden.

Darüber hinaus gilt ein Augenmerk auch Tencent, Baidu und Co. – den Wettbewerbern von Alibaba, die eventuell ebenfalls einen Börsengang vorbereiten. Mit gigantischen Marktkapitalisierungen stünde dem chinesischen Aktienmarkt geradezu eine Revolution bevor. Investoren aus dem Reich der Mitte könnten fortan ebenfalls von der wirtschaftlichen Entwicklung von Alibaba und den anderen chinesischen Tech-Giganten profitieren. Der Wille, entsprechende Börsengänge durchzuführen, scheint bei allen Unternehmen vorhanden zu sein.

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Finanzjournalist und Gründer von AsiaFundManagers.com. Schreibt über Investieren in Asien, Asienfonds und asiatische Wirtschaft.