Start Anlagestrategie Asien Anleihen: China im Fokus, Indien und Indonesien mit Potenzial

Asien Anleihen: China im Fokus, Indien und Indonesien mit Potenzial

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Asien Anleihen gewinnen an Bedeutung
Asien Anleihen gewinnen an Bedeutung

Die Anlageklasse Asien Anleihen gewinnt für internationale Investoren an Bedeutung. Wir sprachen mit Joep Huntjens, Fondsmanager bei NN Investment Partners, über chinesische Staatsanleihen und Transparenz in Schwellenländern.

Asien Anleihen Spezialist Joep Huntjends, NN Investment Partners
NN Investment Partners, Joep Huntjens

AsiaFundManagers.com: Die US-Ratingagentur S&P hat kürzlich chinesische Staatsanleihen herabgestuft. Was bedeutet das generell für chinesische Anleihen?

Joep Huntjens: Nachdem S&P Chinas Staatsrating auf A+ herabgestuft hat, entspricht es dem von Moody’s und Fitch. Die Herabstufung des Ratings für Staatsanleihen führte zu einer Herabstufung mehrerer Emittenten von Anleihen, die an Staatsanleihen geknüpft sind. Dazu zählen staatliche Banken, etwa die China Development Bank. Die meisten Emittenten blieben davon aber unberührt. Die Nachricht führte zu einer verhaltenen Reaktion des Kapitalmarktes. Es ist unwahrscheinlich, dass es in Zukunft zu größeren Reaktionen kommt. Die von S&P genannten Gründe – hauptsächlich die zunehmenden Risiken aus dem Schuldenaufbau in China – sind dem Markt seit Langem bekannt.

AFM: Sie decken viele asiatische Länder ab. Was ist der Hauptunterschied zwischen chinesischen und indischen Anleihen?

Joep Huntjens: China ist mit einem Marktanteil von 48% gemäß des JPMorgan Asia Credit Index der größte Emittent von Anleihen in Asien. Der Marktanteil Indiens ist mit 7% deutlich geringer. Die Branchenaufteilung in den einzelnen Ländern ist ähnlich: Sowohl in China als auch Indien sind Finanzdienstleistungen sowie Öl und Gas die größten Industrien. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch im Immobiliensektor. In China stellt die Immobilienbranche angesichts der Bedeutung für die Realwirtschaft ein wichtiges Marktsegment dar. In Indien ist der Immobiliensektor dagegen nahezu unbedeutend.

Hindernisse bei kleineren Emissionen von Unternehmensanleihen

AFM: Ihr potentielles Anlageuniversum ist riesig. Wie betreiben Sie den Fonds? Wie funktioniert das Management?

Joep Huntjens: Wir verwalten das Anlageuniversum, indem wir es in Sektoren unterteilen. Neben mir besteht das Team aus vier Unternehmensanalysten und einem Portfoliomanager, der die Länder im Blick hat. Diese sind für das Research innerhalb ihrer Branchen verantwortlich. Unser Research ist ein Bottom-up-Prozess, der darauf abzielt, Fehlpreise für einzelne Emissionen zu identifizieren. Das Research ist die tragende Säule unseres Investmentprozesses. Wir verfügen über eine erfolgreiche 20-jährige Historie bei asiatischen Anleihen.

AFM: Was sind die größten Hindernisse für Anleiheemittenten in asiatischen Ländern?

Joep Huntjens: Anleihen mit einem Volumen von weniger als 150 Millionen US-Dollar sind nicht im JP Morgan Asia Credit Index enthalten. Der Index gilt vielen asiatischen Anleihenanlegern als Benchmark. Daher sind asiatische US-Dollar-Anleihen mit einem Volumen von weniger als 150 Mio. USD eher selten. Dies kann ein Hindernis für kleinere asiatische Unternehmen sein, die sich den asiatischen US-Dollar-Anleihenmarkt erschließen wollen. Eine weitere Hürde ist die Regulierung. So hat China beispielsweise in diesem Jahr die Emissionsbeschränkungen für lokale Immobilienbauträger auferlegt. Neue Quoten für den Verkauf von Offshore-Anleihen werden nur genehmigt, solange Sie der Umschuldung alter Darlehen dienen.

Mangelnde Transparenz in Schwellenländern

AFM: Wie machen Sie Risiken in Schwellenländern wie Indonesien und hoch entwickelten Ländern wie Japan vergleichbar?

Joep Huntjens: Wir berücksichtigen dabei, dass bestimmte Risiken in Schwellenländern gegenüber den entwickelten Märkten ein höheres Gewicht haben sollten. Transparenz und Corporate Governance sind die wichtigsten Kriterien für Emittenten in Schwellenländern. Im Gegensatz zu den entwickelten Märkten unterliegen Unternehmen, die in Schwellenländern tätig sind, möglicherweise nicht denselben globalen Offenlegungsstandards. Wenn wir mit Schwellenländernunternehmen zusammenarbeiten, gilt unser Hauptaugenmerk, Qualität und Quantität der Berichterstattung zu verbessern. In entwickelten Ländern wie Japan dagegen haben das Finanzprofil eines Emittenten und die erwartete Entwicklung im Zeitverlauf ein höheres Gewicht in der Gesamtrisikobewertung. Das Risiko in unserem Gesamtuniversum – Emerging und developed markets – machen wir vergleichbar, indem wir unsere Gesamtrisikobeurteilung pro Emittent in einem internen Rating ausdrücken.

AFM: Nach welchen Kriterien entschieden Sie, ob Sie Unternehmens- oder Staatsanleihen kaufen?

Joep Huntjens: Wir sehen uns eine Kombination aus Fundamentaldaten und Bewertungen für Unternehmensanleihen und Staatsanleihen an, um zu entscheiden, wo die besten Anlagemöglichkeiten liegen. Die wesentlichen Treiber sind für Unternehmens- und Staatsanleihen unterschiedlich. Für Unternehmen betrachten wir Faktoren wie Rentabilität, Leverage, Cash Flow und Liquidität des Unternehmens. Dagegen analysieren wir makroökonomische Indikatoren für Staatsanleihen wie Inflation, Leistungsbilanz und Auslandsverschuldung. In Verbindung mit der Bewertung der Emission können wir so auch falsch bewertete Wertpapiere identifizieren. Unsere Erfahrung zeigt uns, dass die größten Potenziale für überdurchschnittliche Wertentwicklung in der Auswahl von Unternehmensanleihen liegen.

Asien Anleihen: Indien und Indonesien mit Potenzial

AFM: Japanische Titel stellen lediglich einen Bruchteil Ihres Portfolios dar. Warum?

Joep Huntjens: Japan ist nicht in der Benchmark, dem JPMorgan Asia Credit Index, die unser Engagement in diesem Land einschränkt. Allerdings weichen wir von der Benchmark ab, wenn wir Chancen auf eine Outperformance sehen. So sind wir beispielsweise bei japanischen Versicherern und australischen Banken außerhalb der Benchmark aktiv.

AFM: Welche Volkswirtschaften in Asien haben das größte Potenzial? Wie positionieren Sie Ihr Portfolio dahingehend?

Joep Huntjens: Angesichts des Gewichts Chinas (48%) in unserem Anlageuniversum sehen wir dort die größten Chancen. Da jede Verbesserung in Chinas Wirtschaft wahrscheinlich Abstrahleffekte auf den Rest Asiens und die Welt haben wird, konzentrieren wir uns auf Chinas Politikgestaltung und Emittenten. Darüber hinaus sehen wir in Indien und Indonesien die größten Potenziale. Die Strukturreformen der letzten Jahren sollten zum Abbau von Bürokratie und zur Verbesserung der Infrastrukturen führen. In unserem Portfolio haben wir beide Länder übergewichtet. Für China sind wir taktisch neutral aufgestellt.

AsiaFundManagers: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Huntjens.