Start News Asien und der Handelskonflikt: „Die Panik kommt in den Märkten an“

Asien und der Handelskonflikt: „Die Panik kommt in den Märkten an“

Asien spürt die Auswirkungen des Handelskriegs
Marktschwankungen: Anzeichen von "Panik" in Asien

Der Handelskrieg zwischen den USA und China zieht weiter seine Kreise. Jüngst ist der Gipfel des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung zu Ende gegangen. Begründet wurde dies mit zu unterschiedlichen Ansichten in Handelsfragen, vor allem der USA und China. Immer mehr Unternehmen erwägen auch, ihre Produktion und Lieferketten aus China und den USA zu verlagern. Von ersten Anzeichen der „Panik“ in den asiatischen Märkten, spricht jetzt der Asien-Spezialist Matthews Asia.

Fallende Kurse – trotzdem langfristig positive Aussichten

„In Indien beginnen die Kurse zu fallen, Japan zeigte zuletzt Schwächen und nun verzeichnet auch der übermächtige S&P 500 starke Schwankungen“, stellt Robert Horrocks fest, Chief Investment Officer (CIO) von Matthews Asia. Der Ausverkauf an den Märkten wird aus Sicht des CIO noch unterstützt von Abflüssen aus börsennotierten Investmentfonds (Exchanged Traded Funds, ETF). Für langfristige Investoren böten die niedrigeren Einstiegskurse jedoch gute Chancen: „Die Bewertungen für Aktien aus dem Asien-Pazifik-Raum (ohne Japan) sind auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 gefallen und haben einen 30-prozentigen Abschlag gegenüber den Vereinigten Staaten.“

Den Grund für die Marktschwankungen sieht Horrocks nicht nur im Handelskrieg und seinen Schlagzeilen. Zwar schlagen die Zölle auf die Stimmung, aber Unternehmen und Lieferketten passten sich an. „Die Auswirkungen der Zölle sind im Vergleich zur Geldpolitik nach wie vor von untergeordneter Bedeutung“, so Horrocks weiter. „Die US-Notenbank zieht weiter an. Sie könnte sogar die Straffung beschleunigen, wenn die Kerninflation weiter steigt.“ In China verlangsame sich die Binnenwirtschaft innenpolitisch bedingt, „weniger wegen des Handelskonfliktes.“

Chancen für Investoren

Investitionsmöglichkeiten bieten jetzt Unternehmen, deren Aktienkurse unter den langfristigen Substanzwert gefallen sind. Diese Strategie bietet dem Investor mehr Wert für Geld. Langfristig gesehen bleibe das Gewinnwachstum in Asien im Vergleich zum Westen aber positiver. Zumal das BIP-Wachstum in Asien auf lange Sicht höher bleiben dürfte als in jeder anderen Region.

Matthews Asia sieht eine Umkehr der arbeitnehmerfreundlichen Politik in Asien und erwartet eine Abkehr von der ultraliberalen, geschäftsfreundlichen Politik in den USA. Allerdings müsse Asien seine Reformen fortsetzen. „Ein Rückfall Chinas auf eine staatlich gelenkte Wirtschaft kann kontraproduktiv für das Produktivitätswachstum sein“, so Horrocks. Anlegern rät er, sich nicht von der Panik anstecken zu lassen und ihre langfristigen Überlegungen nicht aufzugeben.

Relative Gewinner des Handelskonfliktes

Die japanische Nomura Bank sieht vielmehr für asiatische Länder Chancen des Handelskriegs. Durch kurzfristige Importsubstitutionen, bei denen teure Importe durch Artikel aus anderen Ländern ersetzen werden, könnten bestimmte Unternehmen profitieren, so die japanische Investmentbank. Zu den relativen Gewinnern zählt Nomura insbesondere Malaysia, gefolgt von Japan, Pakistan, Thailand und den Philippinen.

„Kurzfristig erhöhen gegenseitige höhere Zölle zwischen den USA und China die Anreize für Unternehmen, diese teuren Importe durch lokale Produktionsquellen zu ersetzen oder aus anderen Ländern zu ersetzen“, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Analyse von Produkten auf den Zolllisten. So dürfte Malaysia von einer steigenden Nachfrage bei elektronischen Bauteilen, Flüssiggas und Kommunikationsgeräten profitieren.

Ebenso könne sich eine Produktionsverlagerungen positiv auswirken. Hier sei Vietnam der klare Gewinner, wenn Unternehmen die Produktion und ausländische Direktinvestitionen (FDI) aus China verlagern – gefolgt von Malaysia, Singapur und Indien. Pakistan sei zwar einer der größten Nutznießer der Importsubstitution, profitiere aber am wenigsten von der Umleitung von Produktion und FDI. Von den 13 Ländern in der Analyse profitieren Bangladesch, Indien und Südkorea am wenigsten von der Importersetzung.