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Asienfonds und Nachhaltigkeit – was bringt ESG?

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Asienfonds Nachhaltigkeit, Thomas Schaffner von Vontobel
Asienfonds und Nachhaltigkeit, Thomas Schaffner von Vontobel

Der Begriff ESG – kurz für Environmental, Social, Governance – ist in aller Munde. Was bringt das Nachhaltigkeitskonzept? Wie lässt es sich für den asiatischen Markt anwenden? Wir sprachen mit Thomas Schaffner, Fondsmanager und ESG-Experte des Schweizer ESG-Pioniers Vontobel Asset Management.

AsiaFundManagers.com: ESG ist ein aktueller Trend in der Investmentindustrie. Hierzulande wird gerne der Begriff Nachhaltigkeit verwendet. Was bringt Investoren das Konzept?

Thomas Schaffner: Wenn die ESG-Analyse aus finanziellen Motiven erfolgt, wie bei Vontobel, bringt sie mehr als nur ein gutes Gewissen. Wir sind überzeugt, dass in ESG-Hinsicht gut geführte Unternehmen auch mit Blick auf andere operative Kennzahlen gut gemanagt werden.

In unsere Fundamentalanalysen integrieren wir ESG-Themen, weil sie nach unserer Überzeugung unseren Anlageprozess verbessern. Darüber hinaus halten wir die Berücksichtigung dieser Faktoren bei der Unternehmensbewertung für ein wichtiges Instrument des Risikomanagements. Bei der Analyse von Unternehmen verfolgen wir demnach einen ganzheitlicheren Ansatz. Dadurch können wir einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein unzureichendes ESG-Management die künftige Wettbewerbsposition oder Kapitalrendite eines Unternehmens gefährdet.

ESG: Unterschied zwischen Europa und Asien

Die von uns betrachteten Faktoren sind branchenspezifisch, d.h. wir haben keinen für alle Branchen einheitlichen Ansatz. Indem wir Firmen außer Acht lassen, deren ESG-Management nach unseren Analysen zu wünschen übriglässt, können wir bessere Renditen für unsere Anleger erzielen. Firmen mit hohen ESG-Standards gelingt es eher, Geldstrafen zu vermeiden, sie binden gute Mitarbeiter länger an sich und sind weniger häufig Reputationsrisiken ausgesetzt.

AsiaFundManagers.com: Lässt sich das ESG Konzept so ohne Weiteres auf Asien anwenden? Was ist der Unterschied zwischen Europa und Asien in Bezug auf ESG und Nachhaltigkeit?

Thomas Schaffner: Ja. Aber wir analysieren für die einzelnen Branchen spezifische Faktoren und haben daher keinen für alle passenden Ansatz. Da unsere Analysen integriert sind, ist es nicht sinnvoll, für Asien oder einzelne Regionen spezifische ESG-Kriterien zu definieren.

Unsere Branchenanalysten entwickeln ihre eigenen Analysen mit Inputs externer Nachhaltigkeitsexperten und unseres internen ESG Investment Committees. Auf diese Weise bilden sie sich eine Meinung über die Themen, die sie für die Anlagethese zu einem Unternehmen für besonders relevant halten. Daneben hat sich unser Team verpflichtet, nur in Firmen mit guter oder exzellenter Performance bei den für die jeweilige Branche relevantesten ESG-Kriterien zu investieren.

Asienfonds Nachhaltigkeit: ESG Kriterien

Unser Entscheidungsprozess basiert auf einem Minimum Standard Framework (MSF), über den eine kontinuierliche und disziplinierte Herangehensweise an diesen sehr subjektiven Bereich gewährleistet ist. Für eine Aufnahme in unser Portfolio benötigt ein Unternehmen auf einer Skala von null bis zehn mindestens fünf Punkte. Nachfolgende Kriterien bestimmen den entsprechenden Report:

ESG Kriterien (Environmental, Social and Governance)
ESG Kriterien (Environmental, Social and Governance). Quelle: Vontobel

Bei einem Vergleich asiatischer und europäischer Unternehmen anhand von ESG-Kriterien haben Erstere in den letzten Jahren nach unseren Analysen zwar große Fortschritte gemacht. Die größten Probleme sehen wir gleichwohl im Bereich der Unternehmensführung.

Unseres Erachtens sind asiatische Firmen in Sachen unternehmerisches Handeln zwar recht fortschrittlich. Aber wenn es um ihre gesellschaftliche Verantwortung geht, lässt ihre Offenlegung verglichen mit ihren europäischen Wettbewerbern doch zu wünschen übrig.

ESG ohne Benchmark

AsiaFundManagers.com: Der Index für Ihren Fonds ist der MSCI Asien (ex Japan). Wie passt das mit dem Nischenthema ESG und einem High Conviction Portfolio zusammen?

Thomas Schaffner: Der MSCI Asia (ex-Japan) Index zwar der Vergleichsindex des Fonds. Dieser dient uns aber nicht als Ausgangspunkt für die Verwaltung unseres Portfolios. Als aktive Anleger orientieren wir uns an keiner Benchmark. Der wesentliche Treiber unserer Performance ist die Titelauswahl.

Zweitens sind ESG-Kriterien zwar Teil unseres Ansatzes, aber nicht das wichtigste Kriterium für die Aufnahme einer Aktie ins Portfolio. Daher wäre ein Vergleich des Fonds mit einer ESG-Benchmark ungeeignet. Wir bevorzugen Firmen, die in Bezug auf Kapitalrendite und Wettbewerbsstellung führend und gemessen an ihrem fairen Wert unterbewertet sind und die Mindest-ESG-Kriterien erfüllen.

ESG unabhängig vom Unternehmenssitz

AsiaFundManagers.com: Eine Information Ratio von 1,25 spricht für erfolgreiches, aktives Management. Woraus resultiert das Ergebnis? Was machen Sie anders als Ihre Wettbewerber?

Thomas Schaffner: Das Geheimnis unseres Erfolgs liegt wohl in der Art, wie wir die Märkte betrachten, in die wir investieren. Die meiste Zeit verbringen wir damit, Unternehmen zu analysieren und die besten herauszufiltern. Unabhängig vom Sitz eines Unternehmens gilt es, Antworten auf einige wesentliche Fragen zu bekommen wie: Hat das Unternehmen ein Geschäftsmodell, mit dem es seine Führungsposition in den kommenden Jahren behaupten und Marktanteile hinzugewinnen, sein Produktangebot vergrößern und seine Barmittel sinnvoll nutzen kann?

ESG und Bottom-up-Ansatz

Wir versuchen zudem zu verstehen, welche Art von Kunden das Unternehmen hat und warum diese seine Produkte kaufen. Und schließlich ist die Bewertung für uns sehr wichtig, denn wir müssen sichergehen, dass wir für die Aktien im Portfolio nicht zu viel bezahlen. Unsere Anleger profitieren deshalb von unserem disziplinierten und erprobten Bottom-up-Ansatz bei der Auswahl der Branchenführer. Unsere Fonds haben unseren Anlegern nicht nur in diesem Jahr eine positive und planbare Performance geliefert. Auch über ein, drei und fünf Jahre betrachtet haben sie zweistellige Renditen generiert.

AsiaFundManagers.com: IT und Finanzen machen fast 2/3 des Fondsvolumens aus. China fast 50%. Was mögen Sie an chinesischen IT Werten? Was spricht für asiatische Finanzdienstleisteraktien?

Thomas Schaffner: Inzwischen gehört der Technologiesektor, zumal in Asien, zu den wettbewerbsfähigsten überhaupt. Asiatische Technologiefirmen investieren bis zu 30% ihrer Jahresgewinne in Forschung und Entwicklung. Führende Unternehmen wie Tencent und Taiwan Semiconductor verfügen im Vergleich mit ihren Wettbewerbern über herausragende Technologien und überragendes geistiges Eigentum. Daher sehen wir in diesem Sektor nach wie vor zahlreiche strukturelle Wachstumschancen.

Auch die Aussichten für die Bankenbranche sind günstig, und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bessern sich. Positive Trends sehen wir beim freien Cashflow und bei den Gewinnen der Geldhäuser.

AsiaFundManagers.com: Herr Schaffner, vielen Dank für das Gespräch.

Über Thomas Schaffner

Thomas Schaffner, CFA, kam 2009 zu Vontobel Asset Management. Er ist der leitende Portfoliomanager des mtx China Leaders Fund und des mtx Sustainable Asian Leaders (ex-Japan) Fund sowie Co-Manager des mtx Sustainable Emerging Markets Leaders Fund. Vor seinem Wechsel zu Vontobel war er Aktienanalyst bei Lombard Odier in Hongkong und dort für Unternehmen aus der Region Asien ohne Japan zuständig. Ferner gehörte er dem Investmentstrategieteam an. Dem war seine Tätigkeit für Credit Suisse vorausgegangen. Thomas Schaffner verfügt über einen MBA mit Schwerpunkt auf China Business der Hong Kong University of Science & Technology und einen Bachelor of Science (BSc) in Rechnungswesen und Finanzwissenschaften der Universität der angewandten Wissenschaften in Basel. Er ist CFA Charterholder.

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Finanzjournalist, Investmentautor, Finanzblogger - schreibt über Investieren in Asien, Asienfonds und asiatische Wirtschaft.