Start Fondsmanager Welche Märkte in Asien bieten 2022 attraktive Investmentchancen?

Welche Märkte in Asien bieten 2022 attraktive Investmentchancen?

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Where to find compelling investment opportunities in Asia in 2022?

Angesichts der pandemiebedingten wirtschaftlichen Abschwünge sowie wachsender globaler Inflationsängste haben Investoren allen Grund, vorsichtig zu bleiben. Laut Sue Trinh, Leiterin für Macro Strategy Asia bei Manulife Investment Management, gibt es in Asien jedoch überzeugende Investmentmöglichkeiten, so z.B. auf den asiatischen Anleihenmärkten.

AsiaFundManagers.com: Mit Omikron hat die nächste Phase der Pandemie begonnen. Inwieweit wird das Thema die asiatischen Finanzmärkte im Jahr 2022 dominieren?

Sue Trinh: Omikron und andere Covid-19-Varianten sind einer der wichtigsten Makrofaktoren, die Investoren im Jahr 2022 im Auge behalten müssen. Hinzu kommen dann noch die Normalisierung der US-Politik und Chinas Wachstumsaussichten, die allesamt potenziellen Gegenwind für Asien bedeuten können. Allerdings werden die Auswirkungen dieser Faktoren in Nordasien vermutlich anders zu spüren sein als in Südostasien.

Unser konstruktiver Blick auf die Region Südostasien (SEA) wird durch die höheren Realrenditen in den großen Volkswirtschaften weiter verstärkt, insbesondere in Indonesien und Indien, die Kapitalströme anziehen. Wir beobachten, dass das Wirtschaftswachstum in Teilen Südostasiens aufholt, jetzt, da die Sorgen um Covid-19 nachlassen.

AsiaFundManagers.com: Die globale Lieferkette ist stark beeinträchtigt worden. Wie viel Wachstum wird das die asiatischen Volkswirtschaften in diesem Jahr kosten? Und in welchem Zeitrahmen können wir mit einer Normalisierung rechnen?

Sue Trinh: Konjunkturbedingt dürften die makroökonomischen Bedingungen für die Wiedereröffnung bzw. Erholung in Taiwan, Japan und einigen der ASEAN-Märkte in diesem Jahr günstiger ausfallen. Strukturell gesehen hat die Region Asien noch viel zu tun, um die von der Pandemie verursachten Produktionsausfälle auszugleichen. Die größte Sorge bleibt die schwache Verbrauchernachfrage, die durch den sich abzeichnenden Rückgang des Exportwachstums noch verstärkt wird.

Auf der anderen Seite lässt sich Asiens mildere Inflationserwartung auf einen einfachen Faktor zurückführen – Handelsüberschüsse. Die Maximierung der Exportproduktion bleibt auch während der Pandemie der marginale Wachstumstreiber. Gleichzeitig war der Druck der Wiedereröffnung und die angestaute Nachfrage nicht so stark, während sich das Konsumniveau der privaten Haushalte in Asien im Vergleich zu anderen Regionen langsamer erholt hat.

Jetzt, wo der Rest der Welt sich wieder öffnet, hat der Anstieg der Ausgaben für Waren den Druck auf die Frachtraten im Fernverkehr deutlich erhöht.

Für die Region Asien insgesamt erwarten wir, dass die Normalisierung der Politik im Vergleich zu früheren Zyklen und anderen Schwellenländern viel langsamer und geringer ausfallen wird.

AsiaFundManagers.com: Die Geldpolitik in den Industrieländern scheint auch im Jahr 2022 akkommodierend zu bleiben. Welchen Kurs schlagen die Zentralbanken in Asien ein? 

Sue Trinh: Wir gehen davon aus, dass festverzinsliche Wertpapiere in Asien von der akkommodierenden Geldpolitik unterstützt werden. Wir glauben, dass diese Anlageklasse im Vergleich zu 2013 dank stärkerer externer Positionen, geringerer Abhängigkeit von externer Finanzierung und ausgewogenerer Positionierung besser in der Lage ist, den Risiken eines Fed-Taperings standzuhalten.

Das Ergebnis ist, dass es sich die asiatischen Entscheidungsträger leisten können, bei der Normalisierung der Geldpolitik geduldig zu sein. Auch wenn die Inflation wahrscheinlich weiter anziehen wird, werden große Produktionslücken dazu beitragen, den zugrundeliegenden Preisdruck in Schach zu halten. Sollte der globale Angebotsengpass den Aufwärtsdruck auf die Inflation weiter verschärfen, dürfte Asien dem schlimmsten Inflationsschock entgehen, insbesondere im Vergleich zu anderen Schwellenländern.

AsiaFundManagers.com:Das Wachstum in China flacht ab, der Fall Evergrande  zeigt die Schattenseiten des starken Wachstums. Wie anfällig ist der chinesische Finanzsektor für eine Eskalation der Schuldenprobleme?

Sue Trinh: Angesichts der schwächeren Wirtschaftsdaten in der zweiten Jahreshälfte 2021 spricht unserer Meinung nach viel für eine moderate Lockerung der chinesischen Geld- und Fiskalpolitik.

Wir bezweifeln jedoch, dass eine Lockerung ausreicht oder rechtzeitig erfolgen kann, um eine weitere Verlangsamung der Wirtschaft oder Zahlungsausfälle zu verhindern.

Die höhere Kreditintensität der letzten Jahre hat Chinas explosives Schuldenwachstum angeheizt. Die öffentliche und private Verschuldung erreicht weiterhin Rekordhöhen, und die Schuldendienstquote des privaten Sektors liegt bei über 20% und ist damit doppelt so hoch wie vor der globalen Finanzkrise. Dies spricht für eine eindeutige Zunahme der Fehlallokation von Ressourcen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass der inkrementale Kapitalkoeffizient (ein Maß für die Ineffizienz, mit der Kapital eingesetzt wird) neue Höchststände erreicht. Wie wir bei Evergrande und anderen Bauträgern mit oberflächlich starken Bilanzen gesehen haben, ist das Problem für die Verkettung von Banken, Bauträgern und Kommunalverwaltung, ob und wann die Kosten für Fehlinvestitionen anerkannt und abgeschrieben werden.

Die chinesischen Behörden sind sich darüber im Klaren, dass die Vorteile einer stärkeren Kreditvergabe an die Wirtschaft in dieser Phase des Zyklus durch die Nachteile aufgewogen und die Anleihenlaufzeiten in diesem oder im nächsten Jahr kaum nachlassen werden.

AsiaFundManagers.com: Wie können Investoren das Risiko des Asien-Engagements im Jahr 2022 ausgleichen? Welche Anlageklassen und -strategien sind in der aktuellen Situation zu empfehlen?

Sue Trinh: Für das Jahr 2022 sehen wir Wachstumschancen in Schwellenländern, insbesondere in Asien. Wir glauben, dass für Investoren die Suche nach Renditen in den kommenden Jahren so wichtig sein wird wie eh und je. Obwohl wir davon überzeugt sind, dass die Zinssätze allmählich steigen werden, verharren sie wahrscheinlich in der Nähe historischer Tiefststände, was Anlageklassen, die zusätzliche Renditen oder Erträge bieten, attraktiver macht.

Wenn wir uns die Herausforderungen ansehen, mit denen asiatische Anleihen im Laufe des Jahres 2021 konfrontiert waren, gibt es allen Grund für Investoren, vorsichtig zu bleiben, schließlich haben die jüngsten Umwälzungen dem asiatischen Anleihenmarkt den Wind aus den Segeln genommen. Der J.P. Morgan Asia Credit Index, der oft als Proxy für den Markt verwendet wird, büßte im Jahr 2021 rund 3% ein (Bloomberg, Stand 17. Januar 2022).

Unserer Meinung nach hat die Neubewertung des Risikos zu einem Bewertungs-Reset geführt. Dies gilt insbesondere für Hochzinsanleihen, deren Preise im Vergleich zu ihren europäischen und amerikanischen Pendants auf ein seit Jahren nicht mehr gesehenes Niveau gefallen sind.

Dies hat aus unserer Sicht eine überzeugende Chance auf dem asiatischen Markt für nachhaltige Anleihen geschaffen, insbesondere angesichts der immer dringlicher werdenden Suche nach Renditen in einem Umfeld, das trotz Gesprächen über eine geldpolitische Straffung weiterhin von historisch niedrigen Zinsen geprägt ist.

Im Jahr 2021 haben Angebot und Nachfrage an der ESG-Front gezeigt, dass nachhaltigkeitsbezogene Anleihen immer beliebter werden. Im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) war rund jede fünfte Neuemission eine ESG-Anleihe. Was wir als positive Entwicklung ansehen, ist, dass wir mittlerweile eine andere Art von Wachstum sehen können – eine Diversifizierung der Emittenten in Bezug auf die Breite (Sektoren) und die Geografie, und zwar sowohl bei Unternehmens- als auch bei Staatsanleihen. Wir gehen davon aus, dass die Emission von ESG-Anleihen in Asien im Jahr 2022 weiter zunehmen wird, da sich der Fokus von der Absichtserklärung hin zur tatsächlichen Umsetzung nach dem COP26-Gipfel verlagern wird.

Und zu guter Letzt glauben wir, dass asiatische Hochzinsanleihen mit Spreads, die deutlich über dem historischen Durchschnitt liegen, besonders attraktive Bewertungen bieten und in diesem Jahr für erhebliche Chancen sorgen werden. Insgesamt beobachten wir, dass die globale Liquidität für asiatische Unternehmenskredite im Jahr 2022 aus historischer Sicht relativ akkommodierend bleibt. Wir glauben, dass einige Unternehmensanleihen, vor allem im Hochzinssegment, übertrieben unterbewertet sind.

Tatsächlich spiegeln die Preisschwankungen, insbesondere im chinesischen Immobiliensektor, die im Jahr 2021 zu verzeichnen waren, nicht die zugrunde liegenden Fundamentaldaten höherwertiger Bauträger wider. Daher betonen wir weiterhin die Bedeutung der Auswahl der Schuldner.

AsiaFundManagers.com: Vielen Dank für das Interview.

 

Sue Trinh
Sue Trinh
Sue Trinh, Manulife Investment Management

Head of Macro Strategy, Asia
Manulife Investment Management

Mit 18 Jahren Erfahrung in der Finanzbranche spielt Sue Trinh eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der asiatischen und globalen Multi-Asset-Teams von Manulife, vor allem bei der Einschätzung aktueller wirtschaftlicher Bedingungen und Risiken.