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Asien Lieferkettenprobleme verschärfen sich

Asia supply chain
Asia’s supply chains issues deepen during holiday season .

Die weltweiten Warenströme scheinen auch im kommenden Jahr unbeständig zu bleiben. Grund dafür sind weiter Engpässe bei den Produktionskapazitäten in Asien, bei Halbleiterchips und beim Transportraum auf Containerschiffen. Und die Probleme verschärfen sich während der Feiertagssaison.

Der Kreditversicherer Euler Hermes schätzt in seiner aktuellen Studie „Battling out supply chain disruptions“, dass derzeit rund 4% der weltweit gehandelten Waren auf Schiffen oder in Terminals festsitzen.

Die Lieferketten haben sich seit Beginn der Coronavirus-Pandemie als anfällig erweisen, insbesondere in China, einem der wichtigsten Exportländer der Welt. Und das Land bleibt laut Euler Hermes vorerst der Engpass. Grund dafür sind die strenge Null-Covid-Politik des Landes sowie die starke Volatilität von Nachfrage und Logistik im Zuge des chinesischen Neujahrsfestes.

Neben China waren auch die Produktionskapazitäten in Malaysia, Thailand und Vietnam von der Pandemie betroffen, was die globalen Lieferketten zusätzlich belastet hat.

Apple muss Produktionsziele senken

Die Knappheit von Halbleiterchips bleibt auch in diesem Jahr ein wichtiger Versorgungsengpass, der die Produktion von Konsumgütern, Autoteilen und Elektronik weiterhin belastet. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wurde auch durch einen weltweiten, sprunghaften Anstieg von Covid-19-Fällen verstärkt.

Unter dem Druck der Halbleiterknappheit und dem anhaltenden Stromengpass in China senkt Apple nun seine Produktionsziele. Das Unternehmen hat die Produktionsziele für das iPhone 13 von seinem ursprünglichen Ziel von 95 Millionen Modellen im Jahr 2021 um bis zu 10 Millionen Einheiten reduziert.

Laut einem Bericht von Nikkei Asia war Apple zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt gezwungen, die Produktion von iPhones in mehreren von Zulieferern betriebenen Werken in China einzustellen.

Während des Feiertagsquartals, einer der arbeitsintensivsten Produktionszeiten des Jahres, haben die Beschäftigten freibekommen. Und dies eigentlich in einer Zeit, in der die Produktion von Apple Überstunden macht und den Arbeitern zusätzliche Schichten und 24-Stunden-Produktionspläne zugeteilt werden, um die weltweite Nachfrage durch Feiertagsshopping zu befriedigen.

„Das hat es noch nie gegeben. In der Vergangenheit waren die goldenen chinesischen Feiertage immer die geschäftigste Zeit, in der sich alle Montagebetriebe auf die Produktion konzentrierten“, sagte ein Supply Chain Manager gegenüber Nikkei Asia.

Die Produktion des Flaggschiff-Smartphones iPhone 13 blieb im September und Oktober um 20% hinter den vorgegebenen Plänen zurück. Während einer Telefonkonferenz von Apple im Oktober hatte der Vorstandsvorsitzende Tim Cook davor gewarnt, dass die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Komponenten, insbesondere von Chips, Apple im Weihnachtsquartal mehr als 6 Mrd. USD an Einnahmen kosten würden.

Der größte iPhone-Hauptlieferant Foxconn, in Taiwan, ist besorgt bezüglich der anhaltenden Unterbrechungen der Lieferkette und ist vorsichtig in Bezug zu seinen Umsatzaussichten für 2022. Anfang November sagte der Foxconn-Vorsitzende Liu Young-Way, dass der Umsatz des Unternehmens im vierten Quartal im Bereich Elektronik, einschließlich Smartphones, um mehr als 15% sinken werde. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Probleme in der Lieferkette bis zur zweiten Jahreshälfte 2022 andauern werden.

Pegatron, ein weiterer großer iPhone-Monteur aus Taiwan, hat ebenfalls Produktionsanlagen geschlossen, die Mitarbeiter wurden in den Urlaub geschickt und bauen Überstunden ab. Das Unternehmen hatte bereits im ersten Quartal dieses Jahres Produktionsausfälle in China wegen einer Coronavirus-Spitze.

Lieferketten-Probleme in Asien bis 2022 und drüber hinaus?

Da die Verbrauchernachfrage stark bleibt, rechnen Experten mit einer allmählichen Erholung des Handels. Steigende Rohstoffkosten, logistische Engpässe, der Verlauf der Pandemie sowie Inflationsrisiken sind jedoch nach wie vor große Unsicherheitsfaktoren für den Welthandel.

Laut Sian Fenner, Lead Asia Economist bei Oxford Economics, wurde die Produktion in Asien im dritten Quartal 2021 beeinträchtigt, fährt derzeit aber in Fabriken, Häfen und Logistikzentren wieder hoch, um der starken globalen Nachfrage gerecht zu werden.

Die Nachricht von der neuen Omicron-Virusvariante hat jedoch das Risiko einer Verschärfung von Unterbrechungen in der Lieferkette wieder erhöht. Fenner warnte, dass das BIP-Wachstum in Asien im nächsten Jahr um 1,6 Prozentpunkte auf 4% sinken könnte. Die Basisprognose lag bei 5,6%.

„Auch wenn das Schlimmste hinter uns liegt, rechnen wir nicht vor dem zweiten Halbjahr 2022 mit einem vollständigen Rückgang der Störungen in der Lieferkette. Danach, wenn sich die Verbraucher wieder auf Ausgaben für Dienstleistungen verlegen, dürfte die weltweite Nachfrage nach Schiffstransporten nachlassen. Im Jahr 2023 könnte es sogar wieder zu Überkapazitäten kommen und die Frachtpreise könnten stark sinken, da die Schiffskapazität auf der Grundlage der aktuellen Aufträge im Zeitraum 2022-24 um etwa 22% steigen dürfte“, so der Analyst weiter.

Auch die Ökonomen von Euler Hermes gehen davon aus, dass sich das Chaos in der Lieferkette in der zweiten Jahreshälfte 2022 vor dem Hintergrund einer sich abkühlenden Verbrauchernachfrage, des Aufbaus von Lagerbeständen und einer erhöhten Schiffskapazität entspannen wird. Ihr Bericht prognostiziert einen Anstieg des Welthandelsvolumens um 5,4% im Jahr 2022 und um 4% im Jahr 2023, nach 8,3% in 2021.

Dem Bericht zufolge werden die Länder des asiatisch-pazifischen Raums in den nächsten Jahren die Hauptgewinner bei den Exportzuwächsen bleiben, wobei die Sektoren Energie, Elektronik, Maschinen und Equipment im Jahr 2022 am besten abschneiden werden.