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Biden will China-freie Lieferketten

US-Präsident Joe Biden hat eine Verordnung unterzeichnet, die darauf abzielt, die Abhängigkeit der Lieferketten von China und anderen Ländern zu reduzieren. Konkret weist die Anordnung Bundesbehörden an, in einem ersten Schritt innerhalb von 100 Tagen Lieferketten in Schlüsselsektoren zu überprüfen. Diese Sektoren sind Halbleiter, Pharmazeutika, Batterien für Elektrofahrzeuge und seltene Erden. Obwohl die Anordnung China nicht direkt nennt, sagen Regierungsvertreter dennoch, dass eine übermäßige Abhängigkeit von Peking ein Hauptrisiko sei, das angegangen werden müsse.

Vor der Unterzeichnung der Anordnung betonte Biden im Hinblick auf die aktuelle Chip-Knappheit, dass die USA „aufhören müssen, hinterherzuhinken“. Die weltweite Verknappung bei Halbleitern hat vor allem die Automobilindustrie hart getroffen – den größten Automobilherstellern, auch in den Vereinigten Staaten, drohen Milliardeneinbußen. Der Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, unterstützt Pläne für ein Gesetzespaket zur Stärkung der US-Halbleiterindustrie. „Um China zu überflügeln und nicht länger von ausländischen Quellen abhängig zu sein“, wie er Medienvertretern sagte.

Nach Angaben der Boston Consulting Group ist der Anteil der USA an der weltweiten Halbleiterproduktionskapazität von 37% im Jahr 1990 auf 12% gesunken. Derzeit ist Taiwan weltweit führend in der Chip-Produktion, aber Boston Consulting prognostiziert, dass China bis 2030 die Führung übernehmen wird.

„China-freie“ Lieferketten mit Verbündeten

Die Umstrukturierung von Lieferketten lässt sich jedoch nicht von heute auf morgen bewerkstelligen. Besonders in der Halbleiterindustrie, wo die Zahl der Top-Chiphersteller begrenzt ist.

„In einigen Fällen wird der Aufbau von Ausfallsicherheit bedeuten, dass wir unsere Produktion bestimmter Teile hier zu Hause erhöhen; in anderen wird es bedeuten, dass wir enger mit unseren vertrauten Freunden und Partnern zusammenarbeiten. Nationen, die unsere Werte teilen, damit unsere Lieferketten nicht als Druckmittel gegen uns eingesetzt werden können“, so Biden.

Mit Taiwan haben die USA bereits im November einen Verbündeten gefunden, als Beamte beider Länder ein Memorandum of Understanding zur Förderung der technologischen Zusammenarbeit und „sicherer und zuverlässiger Lieferketten“ unterzeichneten.

Der weltweit größte Chip-Auftragsfertiger, Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC), wird in Arizona eine neue Fabrik bauen. Das taiwanesische Unternehmen will bis 2029 rund 12 Mrd. USD in den neuen Standort investieren, die US-Regierung stellt Fördermittel zur Verfügung.

Neben Taiwan sind auch Japan und Südkorea Partner für die USA, wenn es um die Chipindustrie geht. Japan seinerseits bemüht sich ebenfalls, TSMC ins Land zu holen. Scheinbar mit Erfolg: Wie Nikkei Asia berichtet, soll der Halbleiterhersteller Pläne schmieden, ein F&E-Zentrum in Japan zu bauen.

„Unrealistisch“, sagt China

Unterdessen konterte China nur wenige Stunden nach Bidens Unterzeichnung der Anordnung. Der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian, sagte während einer regulären Pressekonferenz in Peking, dass solche Maßnahmen dem globalen Handel nur schaden würden.

„China glaubt, dass künstliche Bemühungen, diese Ketten zu verschieben und zu entkoppeln, nicht realistisch sind. Wir hoffen, dass die USA ernsthaft die Marktgesetze und Freihandelsregeln respektieren und die Sicherheit und Zuverlässigkeit und Stabilität der globalen Lieferketten aufrechterhalten werden“, sagte Zhao.

Das genaue Ergebnis der 100-Tage-Überprüfung bleibt abzuwarten. Neben einer verstärkten Produktion von Kernprodukten auf amerikanischem Boden oder einer engen Zusammenarbeit mit Verbündeten, wären auch finanzielle Anreize oder Strafzölle denkbar. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger setzt Biden jedoch nicht auf „America First“, sondern auf eine breitere internationale Unterstützung.