Start Fondsmanager Die USA können China nicht isolieren

Die USA können China nicht isolieren

Wie viel Spannung wird die Verschiebung der wichtigsten Volkswirtschaft von den USA zu China mit sich bringen? Welche Auswirkungen wird der Handelskonflikt im Jahr 2020 auf die internationalen Finanzmärkte haben? Robert Horrocks, CIO von Matthews Asia, gibt seinen China 2020 Ausblick.

AsiaFundManagers.com: Im Jahr 2019 haben wir vor allem politisch geprägte Aktienmärkte gesehen. Müssen Anleger sich darauf einstellen, dass dies auf lange Sicht unverändert bleibt?

Robert Horrocks: 2019 war ein äußerst politisches Jahr. Es ist vor allem die Handelspolitik zwischen den USA und China, die den Märkten Sorgen bereitet. Das wird nicht verschwinden. Stellen Sie sich die USA als ein im Niedergang befindliches Imperium und China als ein im Aufbruch befindliches Reich vor. Es wird dort immer wieder Spannungen geben. Ich erwarte, dass der Markt im Laufe der Zeit damit umgeht.

Meiner Meinung nach muss ein Abkommen getroffen werden, da China Zugang zu seinen Finanzmärkten schaffen will. Die wichtigste innenpolitische Maßnahme ist die Institutionalisierung der eigenen Finanzmärkte. Ich denke, es wird auch einen Handel über die Rechte an geistigem Eigentum geben, aber das wird Zeit benötigen.

AsiaFundManagers.com: Welche kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen wird der Handelskonflikt auf das Wachstum in Asien haben?

Robert Horrocks: Handel und Wachstum sind aus GDP-Sicht nicht so wichtig. Ich glaube nicht, dass die USA China isolieren oder eindämmen können, indem sie Handelszölle erheben. Das sind Methoden des Handelskrieges. China strebt nach Asien und Mitteleuropa, es investiert nun in Italien und Griechenland. Wenn die USA versuchen, China einzudämmen oder zu isolieren, werden sie sich vom Rest der Welt isolieren.

Die Bedeutung des Handels liegt weniger im BIP-Wachstum, sondern vielmehr darin, wie China mit einer alternden Bevölkerung umgeht, wie es arbeitsintensive Jobs nach Südostasien verlagert, wie es Wirtschaftsbeziehungen zu seinen Nachbarn aufbaut und wie es mehr Effizienz schafft. Aber es wird nicht viel zum BIP-Wachstum beitragen.

AsiaFundManagers.com: In Ihrem jüngsten Bericht kommen Sie zu dem Schluss, dass Kapital und Ressourcen in Asien effizienter eingesetzt werden. Warum ist das so?

Robert Horrocks: Ich glaube, dass das Kapital in Asien in den kommenden Jahren und Jahrzehnten effizienter eingesetzt werden wird, und das wird vor allem China betreffen. China hat sich von einer Wirtschaft, die auf Fertigung basiert – der Produktion physischer Güter – zu einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft entwickelt. China will all das aufbauen, was wir in Europa und den USA schon lange gewohnt sind, wie z.B. einen Sozialstaat und einen funktionierenden Finanzmarkt.

Die Regierung möchte, dass chinesische Anleihen weltweit als ein sicherer Ort zum Anlegen von Geld anerkannt werden. China strebt zudem an, dass der Renminbi eine internationale Leitwährung wird. Das Land will, dass die Effizienzgewinne eines Kapitalmarktes dem Aufbau eines Rentensystems dienen. Das ist einer der Schwerpunkte. Bessere Corporate Governance, effizientere Institutionen an der Börse, Vertrauensbildung sowohl bei internationalen als auch bei nationalen Investoren, das sind für China sehr wichtige Punkte.

AsiaFundManagers.com: Was können Sie derzeit zur Bewertung asiatischer Aktien sagen? Und welche ist die am meisten unterschätzte Anlageklasse?

Robert Horrocks: Betrachtet man die Bewertungen nur über das Kurs-Gewinn-Verhältnis, so erscheint Asien im Vergleich zu den USA relativ günstig – ähnlich wie Europa. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied. In den letzten zehn Jahren haben in Asien die Arbeitnehmer den größten Teil des Wirtschaftswachstums erhalten. Das steht im völligen Gegensatz zu dem, was in Europa und den USA geschehen ist.

China 2020 Ausblick
Chinesische Volksbank in Peking.

In den USA und Europa sind die Margen gestiegen, während in Asien diese Margen gesenkt wurden. Die Bewertungen werden in Asien derzeit überschätzt und in den USA unterschätzt. Meiner Meinung nach notieren Wertpapiere in Asien nicht nur mit einem Rabatt von zwanzig Prozent. Wenn man normalisierte Gewinne zugrunde legt, ist das wahrscheinlich eher ein Discount von dreißig oder fünfunddreißig Prozent im Vergleich zu den USA.

Was ist der am meisten unterschätzte Teil des Marktes? Es sind wahrscheinlich die Small und Mid Caps. In den ersten zehn Jahren dieses Jahrhunderts entwickelten sich Small bis Mid Caps sehr gut – das Wachstum war stark. In den letzten zehn Jahren war das Wachstum schwach und Small und Mid Caps sind zurückgeblieben. Ich glaube, das Pendel wird in die andere Richtung zurück schwingen.

AsiaFundManagers.com: Aufgrund der niedrigen Zinsen rücken asiatische Anleihen in den Fokus europäischer Investoren. Wo sehen Sie hier die besten Chancen?

Robert Horrocks: Wir haben gerade erst begonnen, Nachfrage nach asiatischen Anleihen zu sehen. Asiatische Anleihen waren bisher keine echte Kategorie, sondern nur Schwellenländeranleihen. Die Menschen beginnen jedoch zu erkennen, dass asiatische Anleihen innerhalb der Schwellenländer tatsächlich die qualitativ besseren Anleihen sind. Das gilt insbesondere, wenn es um Unternehmen geht. Wenn man sich die Renditeaufschläge weltweit ansieht, die Aufschläge von Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen, dann sind diese recht gering. In Asien liegen sie immer noch auf einem nahezu durchschnittlichen Niveau. Dort liegt wahrscheinlich der größte Teil des Wertes des Rentenmarktes in Asien.

AsiaFundManagers.com: Welche Entwicklung erwarten Sie für die asiatischen Finanzmärkte im Jahr 2020?

Robert Horrocks: Im kurzfristigen Zeitraum 2020 ist die entscheidende Frage, wie die Finanzmärkte auf der ganzen Welt auf ein langsameres Wachstum reagieren. Sei es ein langsameres Wachstum in den USA, in Europa oder sogar eine Rezession. Die USA können mit der traditionellen Zinspolitik reagieren. In Europa hingegen bedarf es einer quantitativen Lockerung, wahrscheinlich sogar einer koordinierten Finanzpolitik. Das dürfte schwierig zu erreichen sein.

Asien sieht dagegen gut aufgestellt aus. Seine Volkswirtschaften verfügen über hohe Leistungsbilanzüberschüsse und sehr niedrige Inflationsraten. Sie sind gut positioniert, um sowohl die fiskalische als auch die traditionelle Zinspolitik zum Ausgleich einer Konjunkturabschwächung zu nutzen. Ich glaube, das wird das Thema der Märkte im Jahr 2020 sein. Beobachten Sie die Kerninflationsrate in China und Asien insgesamt. Wenn sie zu steigen beginnt, wird es einen großen operativen Hebel geben. Dann werden sich die Unternehmensgewinne sehr schnell beschleunigen.

AsiaFundManagers.com: Sehr geehrter Herr Horrocks, vielen Dank für das Gespräch.