Start Asienfonds China Anleihen: Von Dim Sum und Panda

China Anleihen: Von Dim Sum und Panda

China Anleihen: Händlerin in Shanghai
China Anleihen: Händlerin in Shanghai

Anleihen machen naturgemäß einen großen Teil der internationalen Finanzmärkte aus. Das ist in China nicht anders. Doch der chinesische Rentenmarkt ist dreigeteilt. Einerseits existiert ein offener, internationaler Offshore-Markt in US-Dollar und Renminbi. Auf der anderen Seite steht ein lange verschlossener Onshore-Markt. Jetzt gleichen sich die Märkte an. Die chinesische Regierung öffnet den Markt für China Anleihen. Seit 2017 können chinesische Onshore-Anleihen auch im Ausland ohne die früheren Beschränkungen gehandelt werden.

Der lange Weg zu China Anleihen

Bis 2002 war internationalen Investoren der chinesische Kapitalmarkt praktisch unzugänglich. Diese Verschlossenheit hatte eine Reihe von Vorteilen: Sie entsprach dem ausgeprägten Kontrollbedürfnis, das chinesischen Regierungen bereits seit der Kaiserzeit zu eigen ist. Dieses lässt sich gut aus der konfuzianischen Staatsphilosophie heraus erklären, die nach Widerspruchsfreiheit in der eigenen Sphäre strebt. Überdies schützte es China vor unerwarteten Kapitalimporten und damit vor dem, was unter Ökonomen als die „Holländische Krankheit“ bezeichnet wird: Handelsbilanzlöcher auf Grund günstiger Importe und teurer werdender Exporte.

Bei der Öffnung der Kapitalmärkte fuhr die chinesische Regierung zweigleisig. In sehr geringem Maße durften ab 2002 ausgewählte Banken an den chinesischen Kapitalmärkten teilnehmen. Wichtiger wurde zunächst der sogenannte Offshore-Markt. Unter den Argusaugen der chinesischen Behörden wurde einzelnen Banken, Unternehmen und Körperschaften erlaubt, Anleihen auf den internationalen Märkten zu begeben. Daher stammt auch der Begriff offshore. 2007 erfolgte die erste Offshore-Emission in Hongkong. Seither sind Singapur, Taipei, London, Frankfurt, Paris und Luxemburg als Handelsplätze hinzugekommen.

China Anleihen: von Dim Sum und Pandas

Offshore-Anleihen chinesischer Emittenten lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Anleihen in chinesischer Währung sowie in anderen Währungen. Das können lokale Währungen sein. Eine Rolle spielt jedoch eigentlich nur der US-Dollar. Anleihen mit Nominale in der chinesischen Währung Renminbi werden als Dim Sum-Bonds bezeichnet. Dim Sum sind eigentlich kleine Snacks, die in chinesischen Teehäusern angeboten werden. Die Bezeichnung spielt auf das geringe Volumen dieses Marktes an, vielleicht auch auf die Möglichkeit, mit ihnen Geschäfte mit China abzusichern – eine ganz spezielle Würze. Ein Sonderfall sind die Panda-Bonds: Das sind Anleihen internationaler Emittenten in Renminbi.

Der größere Erfolg des Offshore-Marktes hat Gründe. Für die Offshore-Anleihen gelten naturgemäß die Gesetze und Regulierungen der jeweiligen Länder. Für die Investoren ändert sich also wenig. Sie brauchen sich nicht den chinesischen Behörden zu unterwerfen. China beeinflusst allenfalls, welche Emittenten es auf den Markt lässt. Und natürlich kann es den Renminbi beeinflussen, in dem die echten Dim Sum fakturiert sind. Der Vorteil für China war, dass es hier einen Markt für Vorzeigeunternehmen gab, die an großen, eingeschliffenen Kapitalmärkten billig an Kapital gelangten. Gleichzeitig brauchte die Regierung ihre Kontrolle über den Onshore-Markt nicht zu lockern. Doch es gab ein Problem: Zu viele Käufer für zu wenige Emissionen.

China Anleihen: Dim Sum’s coming home

Aus westlicher Sicht ist der Offshore-Markt der Große und Zugängliche. Der Markt für chinesische Anleihen in US-Dollar-Nominale wird auf 316 Mrd. USD geschätzt – der „Dim-Sum-Markt“ auf 82 Mrd. USD. Aus chinesischer Perspektive ist es umgekehrt. Der Onshore-Markt wiegt rund 12 Billionen USD, etwa das dreißigfache der beiden anderen Märkte zusammen. Er ist liquider, vielfältiger und renditestärker, da die Märkte voneinander abgekoppelt waren. Doch die chinesische Regierung öffnet inzwischen den Onshore-Markt allmählich.

Entwicklung des China Onshore Rentenmarktes. Quelle: JP Morgan
Entwicklung des China Onshore Rentenmarktes. Quelle: JP Morgan

Der vorläufige Höhepunkt – und vermutlich noch lange nicht ausgereizt – nennt sich Bond Connect: Ein Programm, das seit 2017 den chinesischen und den internationalen Anleihenmarkt verbindet. Die Anleihen verbleiben in China, der Anspruch auf das jeweilige Wertpapier kann jedoch auf den internationalen Märkten gehandelt werden. Die chinesische Regierung gibt damit einiges von ihren Kontrollmöglichkeiten auf und macht große Teile des Zwölf-Billionen-Marktes zugängig. Für westliche Investoren ergeben sich daher vollkommen neue Möglichkeiten, in China Anleihen zu investieren.

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