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China-Australien Handelskonflikt: Worum geht es eigentlich?

Australia trade and relationship to China
Melbourne, Australia's busiest cargo port (Source: ymgerman / Shutterstock.com)

Die Handelsbeziehungen zwischen Australien und China reichen bis ins Jahr 1972 zurück. In den letzten zehn Jahren ist das Handelsvolumen zwischen Australien und China schnell gewachsen, und das Volumen der australischen Exporte nach China hat in fast allen Bereichen zugenommen.

Im Zuge der Covid-19-Pandemie kam es jedoch zu einer Reihe von Konflikten, die die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern abkühlte. China begann, einige australische Waren zu boykottieren und erhob erhebliche Zölle auf einige.

Doch wie abhängig ist Australiens Wirtschaft von China? Und was hat den Konflikt in Gang gesetzt?

Die Bedeutung Chinas für Australiens Handel

Heute unterhalten viele westliche Staaten umfangreiche Handelsbeziehungen mit China, und Australien ist da keine Ausnahme. Der Handel zwischen China und Australien ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen, und beide Seiten haben davon erheblich profitiert.

China ist der größte Handelspartner Australiens in Bezug auf Exporte und Importe. Im Jahr 2019 beliefen sich die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern auf über 250 Mrd. USD. Das ist eine gewaltige Zahl im Vergleich zu Australiens nächstgrößtem Handelspartner, Japan, mit einem bilateralen Handelswert von 88 Mrd. USD im Jahr 2019. Auf China entfallen rund 32% der australischen Exporte und mehr als 25% des Welthandels.

China bezieht einen erheblichen Teil seiner Mineralien aus Australien. Auch andere australische Sektoren sind in Chinas Markt gewachsen. Auf der anderen Seite ist China der größte Markt für Australiens Wein und landwirtschaftliche Produkte. Und ein Großteil der Touristen und internationale Studenten, die nach Australien kommen, sind Chinesen.

Allerdings ist Australien kaum unter Chinas Top-10-Abnehmern und importiert nur einen Bruchteil dessen, was andere Länder wie die USA, Hongkong und Korea von China kaufen. Daher glauben einige Experten, dass der jüngste Zusammenstoß zwischen den beiden Ländern dem Australien Handel mehr schaden würde als China.

Die Ursprünge des Konflikts

Eine Reihe von unglücklichen Ereignissen in den letzten Jahren hat das Vertrauen zwischen den beiden Ländern geschwächt. Die australische Regierung warf China vor, sich in seine inneren Angelegenheiten einzumischen und verabschiedete 2017 den sogenannten “Foreign Interference Act”. Obwohl das Gesetz nicht speziell gegen China gerichtet war, trug der Schritt zu den diplomatischen Spannungen bei.

Als Australien und einige andere Länder die WHO aufforderten, die Rolle Chinas beim Ausbruch von Covid-19 zu untersuchen, markierte den jüngsten Zusammenstoß. Die chinesische Regierung wandte ein, die Länder sollten die Pandemie nicht zu einem Politikum machen. Ein Regierungsbeamter warnte Australien und weitere Länder, dass “wenn Sie China zum Feind machen, China der Feind sein wird”.

Im letzten Jahr veröffentlichte China ebenfalls eine Erklärung, die 14 Anschuldigungen gegen die australische Regierung enthielt. Dazu gehörten die Blockierung ausländischer Investitionen und die Einmischung in die Politik Chinas in anderen Ländern. Außerdem drohte China mit einem Verbot und Zöllen auf australische Produkte wie Gerste, Wein, Rindfleisch und Kohle.  

Zölle und Verbote für australische Exporte

Eine der wichtigsten Einschränkungen war die Einführung eines 80%igen Zolls auf australische Gerste durch China. Nachdem in mehreren Lieferungen Pestizide gefunden wurden, erklärte die chinesische Regierung, dass sie beschlossen habe, den Import von Gerste bis auf Weiteres zu stoppen. Dies war ein schwerer Schlag, da etwa 70% der australischen Gerste nach China exportiert wird.

Weitere Verbote betrafen Kohle sowie australischen Wein. Letzterer verstoße laut chinesischem Handelsministerium gegen die Anti-Dumping-Politik und habe der chinesischen Weinindustrie “erheblichen Schaden” zugefügt. Als Konsequenz wurde ein Zoll von 107% – 200% auf australischen Wein verhängt. China ist der größte Weinabnehmer Australiens.

China verhängte auch ein Verbot für australisches Rindfleisch, was dem australischen Rindfleischmarkt einen erheblichen Schaden zufügte. Es ist auch wahrscheinlich, dass es neue Beschränkungen für Australiens Agrarexporte folgen werden, insbesondere für Wolle.

Trotz all dieser Beschränkungen ist Australien immer noch Chinas größter Lieferant von Eisenerz, und Beschränkungen in diesem Sektor wären laut Analysten nicht zu Chinas strategischem Vorteil.

Die Wurzeln dieser Konflikte liegen viel tiefer, als es den Anschein hat. Australien ist eine Mittelmacht, die zwischen zwei Supermächten steckt: China und den USA. Auf der einen Seite hängt Australiens wirtschaftlicher Wohlstand stark von den Handelsbeziehungen mit China ab, auf der anderen Seite spielen die USA eine große Rolle für Australiens nationale Sicherheit, was es zu einem heiklen Balanceakt macht.

Nichtsdestotrotz sind Australiens Handelsbeziehungen mit China für beide Länder lebenswichtig und werden sich daher wahrscheinlich wieder verbessern, da sind einige Analysten optimistisch.