In der Vergangenheit war Chinas Kapitalmarkt für ausländische Investoren tabu, doch dank des wirtschaftlichen Modernisierungsdrangs im Land haben sich Chancen und Investitionen aufgetan. Trotz der Pandemie prognostiziert der IWF, dass China in diesem Jahr und darüber hinaus weiteres Wachstum verzeichnen wird und so auch Chinas Börsen davon profitieren.

Eine kurze Geschichte der chinesischen Börsen

Chinas Wertpapiermarkt entstand bereits in den späten 1860er Jahren nach der Gründung der International Settlement in Shanghai. Der Grundstein dafür wurde 1842 gelegt mit dem Vertrag von Nanking und nachfolgender Abkommen zwischen China und anderen Ländern.

Die International Settlement war entscheidend für die Entwicklung des Aktienmarktes im Land, da sie dazu beitrug, Bedingungen zu schaffen, die seiner Entstehung förderlich waren. Dazu gehören das Vorhandensein mehrerer Banken, die Bildung eines rechtlichen Rahmens für Aktiengesellschaften und die Schaffung von Diversifizierungsinteressen.

Im Jahr 1891 diente die Shanghai Sharebrokers‘ Association als erste Börse Chinas während des Bergbauaktienbooms, und 1929 wurde die Shanghai Stock Exchange gegründet. 1949 wurde sie in Folge der kommunistischen Revolution im Land geschlossen.

Nach dem Ende der Kulturrevolution 1978 begann sich China langsam wieder anderen Nationen zu öffnen. Eine Wirtschaftsreform führte zur Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft. Im November 1990 wurde die Shanghai Stock Exchange wieder eröffnet und begann im folgenden Monat mit dem Handel.

Chinas Börsen

Es gibt zwei Börsen in Festlandchina, die Shanghai Stock Exchange (SSE) und die Shenzhen Stock Exchange (SZSE). Aufgrund ihrer Integration in den anderen chinesischen Börsen wird die Hong Kong Stock Exchange (HKEX) oft als Teil des Aktienmarktes des Landes angesehen.

Die SSE ist Chinas größte Börse und, basierend auf der Marktkapitalisierung, die derzeit drittgrößte Börse der Welt. Seit Januar 2021 hat die Shanghai Stock Exchange 1.860 Notierungen, von denen die meisten staatliche Unternehmen sind, und eine Marktkapitalisierung von 6,98 Bio. USD.

Unterdessen ist die SZSE die kleinere der beiden Börsen auf dem Festland und belegt mit einer Marktkapitalisierung von rund 5 Bio. USD weltweit den sechsten Platz. Die Shenzhen Stock Exchange hat seit Januar 2021 2.375 Notierungen und richtet sich an kleinere, in Privatbesitz befindliche Unternehmen, die als gewinnbringender und innovativer gelten.

Die HKEX ist auch als Stock Exchange of Hong Kong bekannt und ist sowohl Aktien- als auch als Derivatemarkt. Das Shanghai-Hong Kong Connect-Programm verband 2014 die HKEX mit der SSE und 2016 mit der SZSE.

Damit erwerben ausländische Investoren Aktien, die an den Festlandbörsen notiert sind und bisher nur chinesischen Investoren und ausgewählten ausländischen Fondsmanagern zur Verfügung standen. Einige an der SZSE und HKEX notierte Unternehmen sind an der Hongkonger Börse günstiger, was den Handel an der HKEX für chinesische Investoren attraktiv macht.

Die wichtigsten Aktienindizes in China

Der SSE Composite Index oder SSE Index ist der Hauptindex, der alle an der Shanghai Stock Exchange notierten Aktien beinhaltet. Ähnlich wie beim S&P 500 verfolgt der SSE-Index alle A-Shares und B-Shares, gewichtet nach der Gesamtzahl der emittierten Aktien. Dies bedeutet, dass sie Preisänderungen bei großen Unternehmen mehr zu spüren bekommen als bei kleineren Unternehmen.

Der wichtigste Börsenindex der SZSE ist der SZSE Composite Index, der alle A-Shares und B-Shares an der Börse beinhaltet und wie der SSE Index ebenfalls kapitalisierungsgewichtet ist.

Zu guter Letzt ist der Hang Seng Index oder HIS der wichtigste Marktindex der HKEX. Dabei handelt es sich um einen marktkapitalisierungsgewichteten Index, der die Preise der größten an der Börse notierten Unternehmen verfolgt, die etwa 65% der gesamten Marktkapitalisierung ausmachen. Unter dem HSI befinden sich die Teilindizes Handel und Industrie, Finanzen, Versorgungsunternehmen sowie Immobilien.

A-Shares, B-Shares und H-Shares

An den chinesischen Börsen können börsennotierte Unternehmen in China A-Shares, B-Shares und H-Shares auflegen.

Chinesische A-Shares werden von Unternehmen auf dem chinesischen Festland angeboten. Sie werden nur in Renminbi oder chinesischen Yuan (CNY) notiert. B-Shares und A-Shares hingegen sind im Wesentlichen gleich, außer dass sie in Fremdwährungen notiert sind, vor allem in US-Dollar (USD).

A-Shares stehen in der Regel nur lokalen Investoren und einer bestimmten Anzahl von Qualified Foreign Institutional Investors (QFIIs) zur Verfügung. Andererseits investieren ausländische Investoren vor allem über B-Shares in chinesische Firmen.

H-Shares beziehen sich unterdessen auf Aktien chinesischer Unternehmen, die an der HKEX geführt und in Hongkong-Dollar (HKD) notiert sind. H-Shares stehen chinesischen und ausländischen Investoren gleichermaßen zur Verfügung. Für Unternehmen, die sowohl A-Shares als auch H-Shares anbieten, bevorzugen manche lokalen Investoren H-Shares, da A-Shares im Allgemeinen zu einem höheren Preis als H-Shares angeboten werden.

Zugang zum chinesischen Aktienmarkt

Ausländische Anleger, die den chinesischen Aktienmarkt nutzen möchten, können entweder über einen börsengehandelten Fonds (ETF) investieren, der einen der oben genannten chinesischen Börsenindizes verfolgt, oder einen aktiv verwalteten Investmentfonds verwenden.

Zu den ETFs, die ein kostengünstiges Beta-Exposure für chinesische Aktien bieten, gehören der iShares MSCI China A ETF, der Invesco Golden Dragon China ETF und der iShares MSCI China ETF. Unter den am effektivsten verwalteten Fonds mit chinesischem Exposure findet man den UBS (Lux) Equity China Opportunity Fund und den Allianz China A-Shares Fund.

Erfahren Sie hier mehr darüber, wie Sie Zugang zum chinesischen Aktienmarkt erhalten können.