Start Fondsmanager China Corporate Governance: Wie lassen sich Fallstricke vermeiden?

China Corporate Governance: Wie lassen sich Fallstricke vermeiden?

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Vor 20 Jahren wurde der erste Corporate-Governance-Kodex in China von der CSRC (China Securities Regulatory Commission) eingeführt. Seitdem hat sich die Corporate Governance in China verbessert und die Finanzmärkte haben sich allmählich mehr und mehr geöffnet. Wir sprachen mit Nidhi Mahurkar, Investment Director bei Ninety One, über die Chancen für Investoren, die Fallstricke und welche Rolle Corporate-Governance-Faktoren bei ihren Investmententscheidungen spielen.

AsiaFundManagers.com: Was sind derzeit die größten Corporate Governance-Risiken für Investoren, die in chinesische Aktien investieren?

Nidhi Mahurkar: Der chinesische Aktienmarkt bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, wobei die Standards und das Niveau der Offenlegung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) variieren. Bei privaten Unternehmen und Staatsbetrieben (SOEs) in China besteht oft das Risiko einer ungleichen Verteilung von Minderheits- und Mehrheitsaktionären, während gleichzeitig eine hohe Eigentümerkonzentration besteht.

Die Gründer können an vielen Unternehmen beteiligt sein und einen Teil ihrer Anteile an den börsennotierten Unternehmen verpfänden, um andere Investitionen zu finanzieren, wodurch „Zombie”-Eigentümer und potenzielle Kontrollrisiken entstehen. Es kann auch komplexe und gut versteckte Transaktionen mit nahestehenden Unternehmen und Personen geben (bei denen das Unternehmen oder seine Tochtergesellschaften Transaktionen mit Personen oder Unternehmen durchführen, an denen es direkt oder indirekt beteiligt ist), die dazu beitragen können, die Gewinne aufzublähen und den Cashflow für bestimmte Zwecke umzuleiten.

Außerdem ist der Einfluss unabhängiger Aktionäre auf Entscheidungen des Boards in der Regel sehr begrenzt. Obwohl SOEs ein geringeres Risiko von offenem Bilanzbetrug haben, besteht das Risiko einer intransparenten Kontrolle, da einige SOEs über undurchsichtige Holdinggesellschaften operieren.

Da China seine Finanzmärkte öffnet und eine breitere Repräsentation in globalen Indizes erreicht, sehen wir eine Verbesserung der ESG-Standards und der Offenlegung, wenn auch von einer sehr niedrigen Basis aus. Daher glauben wir, dass ein aktiver Investmentansatz wichtig ist, um Anlagemöglichkeiten unter Berücksichtigung der damit verbundenen Risiken angemessen zu bewerten.

AsiaFundManagers.com: Was sind die Hauptunterschiede in Bezug auf die Corporate Governance zwischen chinesischen und westlichen Unternehmen?

Nidhi Mahurkar: Westliche Unternehmen sind in Bezug auf die Qualität und den Umfang der ESG-Angaben fortgeschrittener. Größere chinesische Unternehmen mit globalem Exposure – von denen viele international notiert sind – haben tendenziell qualitativ hochwertigere Offenlegungen, die die globalen Standards widerspiegeln, an denen sich das Management messen lassen will. Chinesische Onshore-Unternehmen – also Aktien, die in Festlandchina an inländischen Börsen gehandelt werden – weisen jedoch niedrigere Offenlegungsraten auf als Aktien, die im MSCI All Country World Index gelistet sind. Erfreulicherweise ändert sich dies jedoch, angetrieben durch die zunehmende Beteiligung internationaler Investoren an diesem Markt, die die Unternehmen anhand globaler ESG-Standards bewerten.

AsiaFundManagers.com: Welche Rolle spielen Governance-Kriterien bei Ihren Investitionsentscheidungen? Wie gewichten Sie diese Faktoren?

Nidhi Mahurkar: Es gibt einige wichtige Warnzeichen, nach denen wir Ausschau halten – abnorm hohes Umsatzwachstum oder hohe Margen im Vergleich zu Wettbewerbern, unnötig komplexe Unternehmensstrukturen, häufige Managementwechsel und ein Missverhältnis zwischen Gewinnwachstum und Cashflow. Dies ist jedoch nur eine Zusammenfassung einiger gängiger Warnzeichen. In der Praxis können sich Probleme in komplexen Transaktionen mit verbundenen Parteien und buchhalterischen Manipulationen verstecken und sind daher schwieriger zu erkennen.

Aus diesem Grund konzentrieren wir uns darauf, aus der breiten Markterfahrung und Fallstudien zu lernen, um unsere Analysefähigkeiten ständig zu verbessern. Corporate Governance-Kriterien spielen bei unserer Fundamentalanalyse eine wichtige Rolle und fließen auch in unsere Einschätzung ein, wo wir uns bei Unternehmen engagieren und wesentliche Veränderungen beeinflussen können.

AsiaFundManagers.com: Welche Quellen nutzen Sie, um die Corporate-Governance-Praktiken eines Unternehmens zu beurteilen?

Nidhi Mahurkar: Wir nutzen Research und Ratings von Dritten als Orientierungshilfe, müssen aber auch eine umfassende Fundamentalanalyse durchführen, wozu natürlich auch der direkte Kontakt mit Unternehmen gehört. Wir verfassen für jedes unserer Unternehmen einen detaillierten ESG-Bericht, der eine eingehende Bewertung der einzigartigen ESG-Faktoren in Bezug auf das jeweilige Unternehmen enthält. Um diese Bewertung zu vertiefen, nutzen wir zwei externe Datensätze, die wir für besonders nützlich halten: MSCI ergänzt unsere eigenen Überlegungen, wo die Risiken in einem bestimmten Unternehmen oder Sektor liegen. RepRisk nutzt fortschrittliches maschinelles Lernen, um in Echtzeit Kontroversen in Bezug auf ein bestimmtes Unternehmen zu identifizieren.

Drittanbieter von Daten haben daran gearbeitet, die Abdeckung und Bewertung chinesischer Aktien zu erhöhen, aber die Datenverfügbarkeit und -konsistenz bleiben Hürden. Die proprietären negativen und positiven Indikatoren, die unser Team entwickelt hat, helfen uns, potenzielle Risiken zu mindern und mögliche Chancen hervorzuheben, die es weiter zu erkunden gilt.

Obwohl diese Indikatoren hilfreich sind, treffen wir keine Annahmen ohne eine angemessene Faktenermittlung und ein entsprechendes Engagement. Dazu gehört, dass wir direkte Fragen dazu stellen, wie Unternehmen ihre Geschäfte führen, insbesondere bei Produkten und Dienstleistungen, die einer zunehmenden sozialen und ökologischen Kontrolle unterliegen. Wir nutzen dies, um zusammen mit unserer Fundamentalanalyse Einblicke in die Stärken und Schwächen eines Unternehmens zu gewinnen. Wir bewerten auch die Kultur des offenen Austauschs, wenn wir Informationen anfordern, die es uns ermöglichen, einen Dialog mit dem Unternehmen über ESG-Aspekten zu eröffnen.

AsiaFundManagers.com: Vielen Dank für das Interview.

 

Nidhi MahurkarNidhi Mahurkar_Ninety One
Investment Director
Ninety One

Nidhi Mahurkar ist Investment Director für die 4Factor-, Schwellenländer- sowie die Asien- und China- Strategien bei Ninety One. Sie verstärkt die kundenorientierte Funktion sowohl in Bezug auf das Kundenmanagement als auch auf die Vermarktung der Produkte über Strategien, Regionen und Kanäle hinweg. Außerdem liefert sie Input zur Produktstrategie, um neue kommerzielle Möglichkeiten innerhalb dieser Produktreihe zu erschließen.