Start Fondsmanager China mildert das Inflationsrisiko ab

China mildert das Inflationsrisiko ab

Die Inflation ist zuletzt wieder in die Höhe geschossen und der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Zentralbanken weltweit aufgefordert, die Entwicklungen genau zu beobachten und „angemessen zu handeln“. Aber was verursacht die Inflation und welche Rolle spielt China? Ein Kommentar von Francis Scotland, Director of Global Macro Research bei Brandywine Global, Teil von Franklin Templeton.

Zugrunde liegen ist, dass die Wiedereröffnungen vieler Länder schneller erfolgten, als das Angebot wieder ansteigt. Der Konjunktureinbruch hat sowohl der Nachfrage als auch dem Angebot geschadet, aber das Angebot hat sich schwieriger erholt als die Ausgaben, wobei letztere durch die massiven fiskalischen Ausgabenprogramme unterstützt wurden.

Die Nachfrage nach Erdöl und Erdgas steigt schneller als die Fähigkeit, diese Nachfrage ohne höhere Preise zu befriedigen – es könnte sein, dass die Dekarbonisierungsziele zu ehrgeizig sind im Verhältnis zu der Fähigkeit alternativer Energien, Nachfragelücken zu schließen. Energiepreisspitzen haben immer Konsequenzen.

Ein Faktor, der dieses Inflationsrisiko etwas abmildert, kommt aus China. Das Auf und Ab der Weltwirtschaft wurde im Grunde genommen von dieser Wirtschaft und den Schwankungen des Kreditwachstums bestimmt. Letzteres hat die Talsohle erreicht, aber es gibt noch keine Anzeichen für eine allgemeine Reflation der chinesischen Wirtschaft. Die politischen Entscheidungsträger Chinas wollen die Wirtschaft entschulden und haben einen „kreuzzyklischen“ politischen Rahmen angenommen, der darauf abzielt, das Ausmaß dessen zu dämpfen, was normalerweise antizyklische Maßnahmen wären.

Francis Scotland, Brandywine Global

Evergrande mag sich als eine erfolgreiche kontrollierte Implosion des größten Immobilienunternehmens des Landes erweisen, aber es ist ein deflationärer Schock, da China versucht, sich vom Immobiliensektor als Hauptstütze seines Finanzsystems zu lösen. Immobilienspekulationen, überhöhte Bestände und eine demografische Wolke hängen über diesem Sektor. Die Regierung will keine Deflation zulassen, möchte aber die Ersparnisse aus diesem Sektor in andere Industriezweige umleiten.

Die weltweite Konjunktur verlangsamt sich bis zum Jahresende, angeführt von China, den Schwellenländern, die ihre Zinssätze anheben, dem fiskalischen Rückzug in den Industrieländern und dem durch die steigende Inflation verursachten Druck auf die Realeinkommen und Ausgaben. Andererseits verbessern Impfungen und Therapeutika weiterhin die Aussichten auf eine vollständige Öffnung der Welt, was die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln und einige dieser Angebotsfaktoren abmildern würde. Die Zentralbanken gehen die große Wette ein, dass sich die Angebotsbedingungen ausreichend verbessern werden, um die Inflation in Zukunft zu senken.