Die Zahl der Elektroautos nimmt weltweit zu. Laut einer aktuellen Umfrage des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) ist die Zahl Anfang 2019 auf 5,6 Millionen gestiegen, 64 Prozent mehr als im Vorjahr. Tesla stellt mit fast 234.000 neu zugelassenen Fahrzeugen die größte Zahl dar, gefolgt von den chinesischen Marken BYD und BAIC.

Bei einem weltweit so großen und größer werdenden Markt ist es kein Wunder, dass neue Akteure nach Expansionsmöglichkeiten suchen. Vor allem chinesische Automobilhersteller suchen nach Möglichkeiten außerhalb eines rückläufigen lokalen Marktes.

Im April 2020 sollen nun die ersten chinesischen Elektroautos auf dem europäischen Kontinent starten. Das in Shanghai ansässige Startup-Unternehmen Aiways plant, das Online-Leasing seines elektrischen Geländewagens (SUV) in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und der Schweiz anzubieten.

Chinesische Elektroautos: der neue Aiways U5 SUV
Aiways U5 SUV – soll ab April 2020 in Europa erhältlich sein (Quelle: Aiways)

Das Flaggschiff SUV U5 des Unternehmens werde laut Executive Vice President für Overseas Operations Aiways Alexander Klose, auf dem EU-Markt ausschließlich über die Online-Plattform im Rahmen eines Leasingplans angeboten. Durch den Wegfall von Zwischenhändlern soll der Preis wettbewerbsfähiger werden. Die Kosten sind noch nicht festgelegt, aber Klose sagte, dass, selbst wenn der SUV verkauft werden würde, er “definitiv” weniger als 40.000 Euro kosten würde. Für den Leasingplan spricht Aiways derzeit über eine Partnerschaft mit dem deutschen Online-Leasing-Start-up Vehiculum.

Go West – der Traum der chinesischen Autohersteller

Aiways ist nicht der einzige chinesische Autobauer, der in ausländische Märkte drängt. Es gibt jedoch einige Herausforderungen. Die Anforderungen in Europa und den USA unterscheiden sich von denen in China, so dass die Produktions- und Expansionspläne genau geplant werden müssen. Marktkenntnisse, Händlernetz und Verbraucherakzeptanz sind weitere Herausforderungen.

Chinas größter Elektroauto-Hersteller BYD plant seit einiger Zeit, Elektroautos in den USA zu verkaufen – hat die Markteinführung jedoch bereits mindestens dreimal verschoben. Auch Nio – bekannt als Tesla-Jäger und Innovationsmarke – hat die lange geplante Markteinführung in Europa und den USA gestoppt. Die Marke wird sich auf den weltweit wichtigsten Automobilmarkt konzentrieren – den heimischen in China.

Geely, in Europa vor allem durch die Übernahme von Volvo bekannt, strebt den Ausbau seiner Marke Lynk & Co an. Ab 2020 will die am schnellsten wachsende Automarke der Welt ihre Fahrzeuge über ein monatliches Abonnement, das auch eine Versicherung beinhaltet, vertreiben. Der CEO von Lynk & Co Alain Visser vergleicht den Dienst mit Netflix.

Darüber hinaus hat Geely ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Deutschland eröffnet, um Elektrofahrzeuge und Mobilitätstechnologien der nächsten Generation zu entwickeln.

Chinesische Elektroautos: beliebt im eigenen Land, aber der Automarkt schrumpft

In China ist die Zahl der im vergangenen Jahr verkauften Elektroautos im Vergleich zum Rest der Welt insgesamt höher. Unterstützt von der Regierung haben die chinesischen Elektroautohersteller in den letzten zehn Jahren fast 60 Milliarden USD an Finanzhilfen erhalten. Die Regierung hat auch die Anzahl der verfügbaren Lizenzen für benzinbetriebene Autos reduziert, um die Nachfrage nach Elektroautos zu steigern.

Bis zum heutigen Tag hat China mehr als 100 Elektroauto-Hersteller und Hunderte von Zulieferern für Elektroautos.

Der chinesische Automobilmarkt ist jedoch rückläufig: 2018 ging der Automobilabsatz zum ersten Mal seit 1990 zurück. Die rückläufigen Verkäufe waren im Wesentlichen das Ergebnis einer vorübergehenden Steuersenkung von Ende 2015 bis Ende 2017, die die Nachfrage vorübergehend erhöhte. Der Trend setzt sich fort: Die Fahrzeugverkäufe in China sanken im April um 14,6%, gegenüber April 2018. Es markiert den zehnten rückläufigen Monat in Folge.