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Elektrofahrzeug-Lieferkette in Asien unter Druck

EV car, front engine

Der Inflationsdruck und Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen setzt auch Hersteller in der Lieferkette für Elektrofahrzeuge (electric vehicles, EV) in Asien ordentlich unter Druck. Die Beschaffung von wichtigen Rohstoffen wird immer wichtiger, da sowohl der Elektrofahrzeug- als auch der Batteriesektor weiter wachsen.

Die Elektrofahrzeuge- und Zuliefererbranche in Asien-Pazifik hat in jüngster Zeit ein enormes Wachstum erlebt, wobei China den Markt für Elektrofahrzeuge dominiert und Südkorea im Bereich der Batterieproduktion führend ist. Nach Angaben von EV-Volumes wurden im Jahr 2021 im asiatisch-pazifischen Raum etwa 2,96 Millionen batteriebetriebene Fahrzeuge verkauft.

Der APAC EV-Batteriemarkt soll mit einer CAGR von mehr als 16,5% zwischen 2022-2027 wachsen und einen Wert von fast 134 Mrd. USD erreichen, ausgehend von 46,26 Mrd. USD, so Daten von Mordor Intelligence.

Steigende Nachfrage nach Rohstoffen

Nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine und der anschließenden Verhängung von Handelssanktionen gegen Moskau haben die Rohstoffmärkte neue Höchststände erreicht. Die weltweiten Nickelpreise sind in diesem Jahr um rund 400% gestiegen. Zudem steigt auch der Preis für Lithiumcarbonat weiter an, nachdem er sich im letzten Jahr mehr als vervierfacht hatte.

Jiayue Zheng, Berater bei Wood Mackenzie, warnt davor, dass das Angebot an EV-Batterien in diesem Jahr begrenzt bleiben wird: „Der Markt für Elektrofahrzeuge macht fast 80% der Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien aus, und die hohen Ölpreise unterstützen mehr Märkte bei der Einführung einer emissionsfreien Verkehrspolitik, was die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien in die Höhe treibt.“

Zheng zufolge wurde der Mangel an Batterien für Elektrofahrzeuge im vergangenen Jahr durch die hohe Nachfrage und die gestiegenen Rohstoffkosten verursacht.

Um der Nachfrage gerecht zu werden, reagieren viele Hersteller von Elektroauto-Batterien jetzt mit massiven Expansionsplänen, laut Wood Mackenzie. Demnach plant das chinesische Unternehmen Contemporary Amperex Technology Co. Ltd. (CATL) bis 2030 eine Produktionskapazität von mehr als 800 GWh aufzubauen, während der südkoreanische Konkurrent LG im gleichen Zeitraum Anlagen mit einer Kapazität von etwa 450 GWh errichten will. Das japanische Unternehmen Panasonic beabsichtigt, 300 GWh pro Jahr zu produzieren.

Von den asiatischen Ländern hat sich China zu einem wichtigen Akteur in der gesamten Lieferkette für Lithium-Ionen-Zellen entwickelt, obwohl Südkorea über eine längere Erfahrung in der Lithiumbatterieproduktion verfügt. Chinesische Hersteller wie CATL und BYD konnten dank umfangreicher Investitionen der Regierung und unterstützenden Vorschriften wachsen und expandieren.

Die südkoreanischen Unternehmen LG Energy Solution, SK Innovation und Samsung SDI halten zusammen ein Drittel des Weltmarktes für EV-Batterien.

Chinas EV-Batterie-Hersteller expandieren in die Rohstofflieferkette

Laut Bingyao Chen, Investmentanalyst bei Mirae Asset Global Investments, hat der Batteriemarkt in China aufgrund der steigenden Nachfrage auch im Jahr 2021 ein schnelles Wachstum verzeichnet. Dies hat dazu geführt, dass die großen Batteriehersteller Pläne für einen aggressiven Kapazitätsausbau angekündigt haben.

Das chinesische Unternehmen CATL ist der weltweit größte Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge und hält einen Anteil von etwa 30% am globalen Markt. In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung sagten Führungskräfte von CATL, dass das Unternehmen seine Lithiumversorgung durch eine Reihe von Maßnahmen sichern werde, darunter langfristige Lieferverträge, das Recycling gebrauchter Batterien und die Erschließung eigener Minen. Aufgrund der steigenden Rohstoffkosten hat das Unternehmen auch die Preise für einige Batterieprodukte erhöht.

Volkswagen China hat eine Absichtserklärung mit den chinesischen Unternehmen Huayou Cobalt und Tsingshan unterzeichnet. Die Joint Ventures (JV) sollen unter anderem die Nickel- und Kobaltversorgung durch Schürfen in Indonesien sichern. Geplant sind eine jährliche Produktion von etwa 120.000 Tonnen Nickel und 15.000 Tonnen Kobalt, was einem Wert von 160 Gigawattstunden für EV-Batterien entspricht.

„Die beiden Partnerschaften sollen dazu beitragen, das langfristige Ziel der Gruppe zu erreichen, die Kosten für jede Batterie um 30-50% zu senken“, so die Volkswagen China Group in einer Erklärung.

Der chinesische Konzern Tsingshan, der weltweit größte Nickelproduzent, hat bedeutende Investitionen in Indonesien getätigt und unterhält weitere Joint Ventures mit Huayou.

Südkoreanische Unternehmen nicht weit dahinter

Auch in Südkorea bewegt sich der Markt. Stahlhersteller POSCO Chemicals plant, 4 Mrd. USD in ein neues Lithiumabbauprojekt in Argentinien zu investieren. POSCO will zunächst 25.000 Tonnen Lithiumhydroxid herstellen und strebt nach Fertigstellung des Projekts eine Gesamtkapazität von 100.000 Tonnen an.

Anfang dieses Monats kündigte POSCO zudem ein Joint Venture mit General Motors an und beauftragte die Stadt Bécancour, Quebec, mit dem Bau einer 400 Mio. USD teuren Anlage für kathodenaktives Material (CAM). Das Unternehmen baut bereits eine Anlage zur Herstellung von 300.000 Tonnen CAM pro Jahr in China.

Im Januar kündigte LG Chemicals Pläne an, bis 2025 rund 418,52 Mio. USD in den Bau einer CAM-Anlage für Batterien in Gumi, Südkorea, mit einer Produktionskapazität von 60.000 Tonnen pro Jahr zu investieren.

Das südkoreanische Unternehmen Lotte Chemicals, das Petrochemikalien für allgemeine Zwecke vertreibt, setzt ebenfalls auf das Wachstum von Batteriematerial für Elektrofahrzeuge. Zur Herstellung von Elektrolyten und Kathodenmaterial erwägt das Unternehmen Pläne für eine Anlage im US-Bundesstaat Louisiana, die bis 2025 fertiggestellt sein soll.