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Greenhouse Farming – die Zukunft für Asien?

Greenhouse Farming - die Zukunft für Asien?
Greenhouse Farming - die Zukunft für Asien?

Mit fast 5 Milliarden Menschen und 783 Millionen, die in extremer Armut leben, hat Asien mehr hungrige Mägen zu füllen als alle Kontinente zusammen. Doch aufgrund der Covid-19-Pandemie – neben anderen globalen Bedrohungen wie dem Klimawandel – hat die Ernährungsunsicherheit in der dicht besiedelten Region stark zugenommen. Während die asiatischen Länder mit der Furcht vor der Pandemie zu kämpfen haben, die Lockdowns und daraus resultierend Unterbrechungen der Nahrungsmittelversorgung verursachte, machen neue Technologien Hoffnung. Smart Greenhouse Farming beispielsweise, eine Methode zur Steigerung des Wachstums verschiedener Sorten von Kulturpflanzen mit guter Qualität in einer geschlossenen Umgebung, spielt in Asien mittlerweile eine große Rolle.

Die frühe Einführung vertikaler Landwirtschaftspraktiken in urbanen und auch ländlichen Zentren hat für eine stabile Nahrungsmittelversorgung in den Hauptstädten der Region gesorgt. Von den weltweit 489.214 Hektar Greenhouse-Gemüseanbaufläche nimmt Asien fast die Hälfte der weltweiten Gesamtfläche ein. Die Anbaufläche für Greenhouse-Gemüse in Asien beträgt 224.974 Hektar, basierend auf den Zahlen der International Greenhouse Vegetable Production im Jahr 2017. Die größten Länder mit Greenhouse Farming befinden sich hauptsächlich in Asien. Es sind China, Japan, Südkorea und Taiwan.

Das bevölkerungsreichste Land der Welt – China – ist mittlerweile eines der führenden Länder in Greenhouse Farming. Als die ersten COVID-19-Fälle im Epizentrum des Ausbruchs in der chinesischen Stadt Wuhan auftraten, ordneten die Behörden eine Abriegelung der Stadt an, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Dieser Schritt der chinesischen Behörden unterbrach abrupt die Lebensmittelversorgungsketten und führte zu Panikkäufen unter den 11 Millionen Einwohnern der Stadt. Die Supermarktregale wurden leer gefegt.

Nur wenige Tage später wurden die leeren Regale jedoch wieder mit frischen Gemüseprodukten aufgefüllt, was die Angst der Menschen davor entkräftete, dass ihnen die Lebensmittel ausgehen könnten. An vorderster Front dieses ununterbrochenen Angebots an Getreide, Obst und Gemüse in China stehen die riesigen Indoor-Farmen und vertikale Landwirtschaft.

Infrastruktur für Greenhouse Farming in China

Das beispiellose Wirtschaftswachstum Chinas führte zur Umwandlung von Agrarland in Industriezonen. Reisfelder und Gemüseterrassen wurden zu Wohnhochhäusern und Industriekomplexen. Angesichts von über 1,4 Milliarden Menschen, die ernährt werden müssen, mussten die chinesischen Behörden schnell handeln und eine große landwirtschaftliche Infrastruktur aufbauen.

Eine 2018 in der China Economic Review veröffentlichten Studie zeigte, dass Chinas Nahrungsmittelautarkie insgesamt von 94,5% im Jahr 2015 auf rund 91% im Jahr 2025 zurückgehen dürfte. Die meisten Studien zur Ernährungssicherheit gehen auch davon aus, dass China seine Lebens- und Futtermittelimporte im kommenden Jahrzehnt steigern wird.

Um dieses Problem auch anderweitig zu lösen, wurden riesige Infrastrukturen für Greenhouse Farming errichtet. Der 53 Hektar große Industriepark Dezhou Smart Agriculture Industrial Park – das größte einzelne intelligente Greenhouse in Asien – wurde im August 2019 in Betrieb genommen. Es ist mit Reihen von in Kokostorf gepflanzten Gemüsesorten ausgestattet und wird durch ein automatisches Bewässerungs- und Düngersystem unterhalten. Die vier Greenhouses des Parks sollen 20 Mal mehr Ertrag bringen als normale Greenhouses.

Riesige Indoor-Farmen wie die Chongqing Shugu Farm nutzen ebenfalls Big Data, künstliche Intelligenz und niederländische Greenhouse-Technologie. Der 26 Hektar große Landwirtschaftskomplex ist ein Vorzeigebeispiel moderner landwirtschaftlicher Praktiken und vereint moderne landwirtschaftliche Produktion, Technologiefähigkeit, agrarwissenschaftliche Ausbildung und Agrotourismus.

Die Indoor-Landwirtschaft führt eine neue Ära der intelligenten Landwirtschaft an. Sie hat die landwirtschaftliche Produktion und das Management, insbesondere auf dem Land, angekurbelt.

Japanische Unternehmen setzen auf Indoor-Landwirtschaft

Unter den Ländern der asiatisch-pazifischen Region ist Japan ebenfalls ein Pionier im Greenhouse Farming. Vertikale Landwirtschaft und Indoor-Farmen sind seit langem eine wichtige Nahrungsquelle. Die rasche Industrialisierung, Katastrophen wie Taifune und Erdbeben und eine alternde Bevölkerung machten die Archipel-Nation stark von Agrarimporten abhängig. Trotz dieses Rückschlags sehen einige japanische Unternehmen das enorme Potenzial des Greenhouse-Anbaus. Unter ihnen ist einer der größten Immobilienentwickler des Landes – Mitsubishi Estate Co.

Wie die Nikkei Asian Review berichtete, plant Mitsubishi Estate seinen Einstieg in die Landwirtschaft durch eine Kapitalpartnerschaft mit der in der Präfektur Okayama ansässigen Sara, einem Spezialisten für innovative Greenhouse-Anlagen. Das japanische Unternehmen setzt auf ein Wachstum in der Greenhouse-Landwirtschaft und will in 10 Jahren einen Jahresumsatz von etwa 280 Mio. USD erzielen.

Im Jahr 2018 wurde auch eine ehemalige Halbleiterfabrik der Sony Corporation in der Präfektur Miyagi in eine der größten Indoor-Farmen der Welt umgewandelt. Durch eine Partnerschaft zwischen GE Japan und dem japanischen Pflanzenphysiologen und Mirai Co. CEO Shigeharu Shimamura, wurden in einer 25.000 Quadratfuß großen Anlage Wasser, Raum und ein energieeffizientes Indoor-Landwirtschaftssystem entwickelt. Sie ist mit 17.500 LED-Leuchten ausgestattet, die auf 18 Anbau-Racks verteilt sind, die 15 Ebenen hoch sind und nun 10.000 Salatköpfe pro Tag produzieren.

Intelligente Technologie und städtische Landwirtschaft

In Singapur, einem frühen Hotspot der Coronavirus-Pandemie, war die intelligente Greenhouse-Anbautechnologie ein wichtiger Lebensretter. Der Inselstaat mit 5,7 Millionen Einwohnern ist stark von seinem Nachbarn Malaysia abhängig, was die Nahrungsmittelversorgung betrifft. Doch die durch die Pandemie angeordneten Lockdowns verursachten Lieferschwierigkeiten bei Obst- und Gemüse aus dem Nachbarland. Leere Regale in den Supermärkten aufgrund von Panikkäufen waren zudem weit verbreitet. Premierminister Lee Hsien Long appellierte an die Singapurer, das Horten zu vermeiden und sicherte den Einwohnern gleichzeitig zu, dass reichlich Vorräte und frische Produkte zur Verfügung stehen werden.

Singapur hat bereits vor mehr als einem Jahrzehnt, seit der globalen Nahrungsmittelkrise 2007 bis 2008, damit begonnen, sich auf mögliche Engpässe in den landwirtschaftlichen Lieferketten vorzubereiten. Da nur weniger als 1 Prozent seiner 700 Quadratkilometer Fläche als landwirtschaftlich eingestuft ist, weiß die Regierung um ihre eigene Verwundbarkeit.

Als unmittelbare Reaktion auf die jüngste Krise beschleunigte Singapur die Freigabe von Geldern an lokale Landwirtschaftsbetriebe und städtische Agrarforscher. Die im April 2019 gegründete Singapore Food Agency (SFA) arbeitet darüber hinaus an der Sicherheit der Lieferketten und untersucht neue Möglichkeiten für die einheimische Produktion.

Die SFA plant u.a. die Umwandlung von Dächern mehrstöckiger Parkhäuser und Wohngebäude in nachhaltige vertikale Gärten. Mit Hydrokulturen, Aeroponik und Aquaponik sollen diese intelligenten Indoor-Farmen und städtischen Gärten eine stabile Lebensmittelversorgung für den Inselstaat bieten, der für seine Kulinarik bekannt ist.  Durch den Einsatz intelligenter Technologien beim Greenhouse Farming und moderner urbaner landwirtschaftlicher Praktiken hoffen die führenden Politiker Singapurs, dass sie in naher Zukunft nicht mehr so abhängig von anderen sein werden, wenn Lieferketten gestört werden.