Start News Indien Luftverschmutzung: Regierung verbietet benzinbetriebene Motorräder

Indien Luftverschmutzung: Regierung verbietet benzinbetriebene Motorräder

Indien Luftverschmutzung (Quelle: Saurav022/Shutterstock.com)
Luftverschmutzung in Delhi (Quelle: Saurav022/Shutterstock.com)

Indien treibt seine Pläne voran, um die starke Luftverschmutzung des Landes zu verringern. Die Luftverschmutzung in Indien ist ernst: Städte im ganzen Land leiden unter giftigem Dunst, der durch Industrie- und Fahrzeugemissionen verursacht wird. Um das Problem anzugehen, hat die Regierung im Januar das Nationale „Clean Air“-Programm vorgestellt. Umweltschützer begrüßten den Fünfjahresplan als längst überfällig, kritisierten aber den Mangel an klaren Wirkungsmechanismen.

Jetzt hat die Regierung weitere Pläne zur Verringerung der Luftverschmutzung durch Fahrzeuge angekündigt. Sie sehen ein Verkaufsverbot von Fahrzeugen der beiden Segmente vor, die zusammen mehr als drei Viertel des Verkehrs auf indischen Straßen ausmachen. Demnach soll der Verkauf von nicht-elektrischen Dreirädern (Autorikscha oder Tuk-Tuk) ab April 2023 und von nicht-elektrischen Zweirädern bis 150 cm³ Hubraum ab April 2025 untersagt werden.

Darüber hinaus unterstützt die indische Regierung die Elektrifizierung mit einem 1,4 Milliarden USD Programm. Dazu zählt, ein Netz von Ladestationen aufzubauen und Anreize für den Kauf von Elektrofahrzeugen zu schaffen.

Widerstand von Auto- und Motorradherstellern

Während die Regierung Chancen für die indische Industrie sieht, auf dem weltweiten Markt für Elektrofahrzeuge zu konkurrieren, kritisieren führende Hersteller und Industriegruppen den vorgeschlagenen Zeitplan.

Minoru Kato, Präsident und CEO von Honda Motorcycle & Scooter India, sagte kürzlich Journalisten, dass 2025 zu früh sei, um 100 Prozent zu wechseln. Sein Unternehmen ist der zweitgrößte Hersteller von Zweirädern in Indien. Die Honda-Tochter habe jedoch „noch keine konkreten Pläne“ für Elektrozweiräder.

Hero MotoCorp, Indiens Top-Motorradhersteller, begrüßt die Pläne der Regierung, das Luftverschmutzungsproblem Indiens zu lindern. Der Vorsitzende Pawan Munjal warnte jedoch in einer Erklärung, dass die Pläne eine Branche betreffen, die „einen bedeutenden Beitrag zum BIP des Landes leiste und ein großer Arbeitsplatzschaffer sei“.

Darüber hinaus prognostiziert ein aktueller Bericht, dass sich Schwellenländer wie Indien viel langsamer an Elektrofahrzeuge anpassen werden als der Rest der Welt. Laut dem Forschungsunternehmens BloombergNEF werden bis 2030 nur 6% der im Land verkauften Kraftfahrzeuge elektrisch sein.

Langfristige Akzeptanz von Elektrofahrzeugen (Quelle: www.theatlas.com, Daten: BloombergNEF)
Langfristige Akzeptanz von Elektrofahrzeugen (Quelle: www.theatlas.com, Daten: BloombergNEF)

Luftverschmutzung in Indien ist ein ernstes Problem

22 der 30 Städte der Welt mit der höchten Luftverschmutzung liegen in Indien. Das ergaben neuste Untersuchungen von AirVisual und Greenpeace. Indiens Hauptstadt Neu-Delhi ist demnach die am stärksten verschmutzte Hauptstadt der Welt, belegt aber „nur“ Platz elf, wenn es um die Gesamtwertung der Städte geht. Gurugram, südwestlich der Hauptstadt gelegen, führte 2018 das Ranking an.

Eine neue Studie zeichnet zudem ein alarmierendes Bild: Die Luftverschmutzung ist für 12,5 Prozent aller Todesfälle im Land verantwortlich, so der Bericht von State of India’s Environment (SoE). Mehr als 100.000 Kinder unter fünf Jahren sterben jedes Jahr an den Folgen der Luftverschmutzung in Indien.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr rund 7 Millionen Menschen an der Belastung durch Feinstaub in verunreinigter Luft, der tief in die Lunge und das Herz-Kreislauf-System eindringt und Krankheiten verursacht. Die Kosten für die Weltwirtschaft werden auf fast 225 Milliarden USD geschätzt.