In Japan hat Minsterpräsident Shinzo Abe Rückenwind bekommen. Seine Liberaldemokratische Partei LDP gewann vor wenigen Tagen die Oberhauswahl mit klarer Mehrheit. Abe ist seit 2012 japanischer Ministerpräsident und muss mit einigen Herausforderungen kämpfen: eine alternde Gesellschaft, Arbeitskräftemangel, geopolitische Konflikte und jahrzehntelange wirtschaftliche Stagnation. Letztere hat sich Abe zum Ziel gesetzt, mit seinen „Abenomics“ zu beenden. Und derzeit ist hier ein Aufwind zu spüren: Ende 2018 lag das Wirtschaftswachstum Japans bei 1,6 Prozent und im ersten Quartal 2019 legte die japanische Wirtschaft um rund zwei Prozent zu.

Wir sprachen mit Mitsuhiro Yuasa, Fondsmanager bei E.I. Sturdza Strategic Management Limited, über zukunftsträchtige Branchen in Japan und den Ausblick für die japanische Wirtschaft.

AsiaFundManagers.com: Welche Branchen entwickeln sich in Japan aktuell am besten?

Mitsuhiro Yuasa: Obwohl die japanische Wirtschaft insgesamt mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert ist, besteht in einigen Sektoren noch Wachstumspotenzial. Die japanischen Kommunalverwaltungen versuchen, eine Fülle von Problemen zu bekämpfen. Die japanische Regierung will die Dienstleistungen auf lokaler Ebene digitalisieren, um das Lebensumfeld für die Bevölkerung zu verbessern. Schnelle Telekommunikation, Netzwerksysteme sowie Schnittstellen- und sichere Internetumgebungen sind als Infrastruktur erforderlich, um solche anspruchsvollen Dienste bereitzustellen.

Deshalb sind wir der Meinung, dass die Sektoren IT, Künstliche Intelligenz, Systemintegration sowie Software und Inhalte davon profitieren und Investmentchancen bieten könnten.

AsiaFundManagers.com: Japan kämpft mit einer alternden Gesellschaft. Wie und in welchen Gebieten wirkt sich der Bevölkerungsrückgang am stärksten aus?

Mitsuhiro Yuasa: Viele Vororte von Großstädten besonders im nördlichen Teil Japans verzeichnen bereits einen Rückgang. Laut der jüngsten Umfrage des Ministeriums für Innere Angelegenheiten und Kommunikation weisen nur 7 von 47 Regionen ein Bevölkerungswachstum auf. Den größten Rückgang verzeichnete die Region Akita mit 1,47% gegenüber dem Vorjahr, während Tokio um 0,72% zulegte. Vom Bevölkerungsrückgang wird zunächst der kleinere lokale Einzelhandel negativ getroffen und im Weiteren werden auch regionale Banken darunter leiden.

AsiaFundManagers.com: Arbeitskräftemangel ist eine Folge der alternden Bevölkerung – welche Schritte muss die Regierung einleiten, um das Problem anzugehen?

Mitsuhiro Yuasa: Die Weiterbildung der Arbeitnehmer sollte an erster Stelle stehen. Die meisten japanischen Manager haben zudem keine Erfahrung im Umgang mit ausländischen Arbeitnehmern, weshalb ein solches Training angeboten werden sollte. Zweitens sollten Vermittlungsagenturen für ausländische Arbeitnehmer strengen Regeln unterliegen, um die Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer zu gewährleisten. Darüber hinaus brauchen wir Agenturen, um ausländische Arbeitnehmer ganzheitlich zu unterstützen.

AsiaFundManagers.com: Japan ist führend in der Robotik – können diese Technologien den Arbeitskräftemangel lindern?

Mitsuhiro Yuasa: Ja, die Robotik wird nicht nur Japan, sondern auch anderen Nationen helfen, die mit einer alternden Bevölkerung zu kämpfen haben. Wir verfügen in Japan über gute Unternehmen im Bereich Fördertechnik und für deren Zulieferindustrie wie Daifuku, Fanuc, THK, Nabtesco, Amada, Yaskawa, Toyo Engineering und Harmonic Drive Systems.

AsiaFundManagers.com: Im Oktober wird die Mehrwertsteuer angehoben. Welchen Effekt wird das auf die japanische Wirtschaft haben?

Mitsuhiro Yuasa: Die japanischen Verbraucher verhalten sich seit dem Sommer 2018 vorsichtig. Es ist daher zu erwarten, dass die Auswirkungen auf die Verbraucher gering sein werden. Außerdem arbeitet die japanische Regierung bereits daran, einen Zusatzhaushalt aufzustellen, um die ersten Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung abzufedern.

AsiaFundManagers.com: Wie ist Ihr Ausblick für die japanische Wirtschaft?

Mitsuhiro Yuasa: Wir sind optimistisch, was die japanische Wirtschaft betrifft. Negative Effekte wie die Erhöhung der Verbrauchssteuer, die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China und geopolitische Bedrohungen sind bereits im Markt eingepreist.

Japan hat seit sechseinhalb Jahren eine stabile Regierung, die Japan führt und das Land auch weiterhin führen und voranbringen wird. Die Zahl der ausländischen Besucher in Japan stieg 2018 auf 31,2 Millionen von 28,7 Millionen im Jahr 2017. Die Olympischen Spiele und Paralympischen Spiele finden im Jahr 2020 in Tokio statt, so dass die Zahl der Touristen im kommenden Jahr wie von der Regierung geplant auf 40 Millionen ansteigen könnte.

Die Leerstandsrate bei Büroimmobilien in den japanischen Großstädten liegt mit rund 2% in Tokio, Kyoto und Fukuoka auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Büromieten steigen dabei allmählich im Gleichschritt mit den sinkenden Leerstandsraten an. Dies kann direkt oder indirekt auch mit der zunehmenden Zahl der Touristen zusammenhängen.

AsiaFundManagers.com: Also läuft alles rund für Japans Wirtschaft?

Die Erhöhung der Verbrauchssteuer mag sich kurzfristig negativ auswirken, aber sie bedeutet, dass wir in der Lage sind, unser Bonitätsrating auf dem Niveau anderer Industrieländer zu halten. Wir haben 125 Millionen Einwohner und haben Maßnahmen ergriffen, um ausländische Arbeitnehmer zur Kompensation eines künftigen Bevölkerungsrückgangs zu gewinnen.

Schließlich verfügen wir über eine hohe Finanzkraft. Unsere Haushaltsliquidität liegt bei etwa 8,2 Billionen USD und damit nahe an den 10 Billionen USD der USA. Wir glauben, dass Japan Vorteile gegenüber anderen Ländern besitzt. Dazu zählen hohe Staatsreserven, die leistungsfähige Bevölkerung und Technologie. Wir haben viel Wachstumspotenzial und die Fähigkeit, davon zu profitieren, wenn die aktuellen globalen Streitigkeiten und geopolitischen Unsicherheiten nachlassen.

AsiaFundManagers.com: Vielen Dank für das Gespräch.

Mitsuhiro Yuasa
Fondsmanager
E.I. Sturdza Strategic Management Limited

Mitsuhiro Yuasa, Fondsmanager, E.I. Sturdza, über die japanische Wirtschaft
Mitsuhiro Yuasa, Fondsmanager, E.I. Sturdza

Mitsuhiro Yuasa ist Fondsmanager des „E.I. Sturdza Strategic Japan Opportunities Fund“. Er verfügt über mehr als 26 Jahre Erfahrung in der Investmentbranche und war unter anderem für Rothschild Asset Management und Gartmore Asset Management tätig. Er ist einer der Gründer der japanischen Asset Management Gesellschaft Rheos Capital Works Inc., die seit dem Jahr 2003 besteht.