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Neuer Impuls für Corporate-Governance-Reformen in Japan?

Japan plant Berichten zufolge eine Verschärfung der Vorschriften für ausländische Fonds, die Anteile an inländischen Firmen halten. Wie die Zeitung Yomiuri berichtete, werden diese neuen, strengeren Investitionsregeln es den japanischen Behörden ermöglichen, einzugreifen und ihre Einflussnahme auf seine Schlüsselindustrien wie Öl, Eisenbahnen, Versorgungsunternehmen, Waffen, Raumfahrt, Kernkraft, Luftfahrt, Telekommunikation und Cybersicherheit einzudämmen. Den Berichten zufolge sollten ausländische Fonds und Unternehmen daran gehindert werden, Forderungen an japanische Unternehmen zu stellen. Ein Beamter des Handelsministeriums dementierte jedoch zunächst.

Dieses Thema ist in Japan ein heikles und wirft ein spezifisches Licht auf die Art der Corporate-Governance-Probleme der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Erst kürzlich geriet einer der ältesten japanischen Mischkonzerne – Toshiba – unter Beschuss wegen des Vorwurfs, dass der Vorstand des Unternehmens und die Regierung zusammenarbeiteten, um ausländische Interessengruppen unter Druck zu setzen.

Japans Industrieminister sagte jedoch, dass es für die Regierung normal sei, sich mit einzelnen Unternehmen zu befassen, wenn Angelegenheiten, die für die Nation wichtig sind, angesprochen werden.

Dies zeigt den Zusammenprall zweier Welten – die Bemühungen der japanischen Regierung, ihre alten Industrie-Titanen zu unterstützen und eine neu ermächtigte Klasse von ausländischen Aktionären und aktivistischer Investoren.

Peinliche Kumpanei

Toshiba steht wegen Fehltritten des Managements unter Beschuss von Corporate-Governance-Experten. Ein 139-seitiger Bericht dreier unabhängiger Ermittler, die von den Toshiba-Aktionären gewählt wurden, wirft dem Management von Toshiba vor, mit dem Handelsministerium gemeinsame Sache gemacht zu haben, um ausländische Aktionäre an der Ausübung ihrer Stimmrechte bei der letztjährigen Hauptversammlung zu hindern.

Laut Effissimo Capital Management Pte. dem größten Aktionär von Toshiba, hat das Konglomerat eine „dysfunktionale Unternehmensführung und einen ineffektiven Vorstand“.

Nach dem Bericht gab Toshiba über die Tokioter Börse eine Erklärung ab, in der das Unternehmen die in dem Bericht genannten Punkte annahm und versprach, die Unternehmensführung drastisch zu verbessern.

Und die Toshiba-Aktionäre haben am Freitag ein deutliches Zeichen gesetzt. Auf der Jahreshauptversammlung stimmten sie für die Absetzung des Vorstandsvorsitzenden Osamu Nagayama und eines Mitglieds des Prüfungsausschusses von Toshiba. CEO Satoshi Tsunakawa wird als Interimsvorsitzender fungieren.

Der japanische Mischkonzern hat bereits in den vergangenen Jahren für einige Schlagzeilen gesorgt. In einem Bilanzierungsskandal im Jahr 2015 hat Toshiba die Wertminderung von Westinghouse in den Geschäftsergebnissen der Toshiba-Gruppe in den Geschäftsjahren 2012 und 2013 nicht offengelegt. Nach einer Gegenreaktion der Tokyo Stock Exchange (TSE) hatte Toshiba gelobt, sich für eine proaktivere Offenlegung von Informationen einzusetzen. Gegen das Unternehmen wurde außerdem ermittelt, weil es zwischen dem Geschäftsjahr 2009 und 2014 den Nettogewinn um Milliardenbeträge geschönt hatte.

Corporate Governance Reformen in Japan

Der lange Kampf zwischen der japanischen Unternehmensführung und ausländischen Aktionären stellt eine Herausforderung für Japans Initiativen zur Verbesserung der Governance-Standards dar. Die japanische Corporate Governance Der Bereich hat im Laufe der Jahre mehrere Neuerungsmaßnahmen erfahren. Insbesondere die Vorstöße der Abe-Regierung – der Japanese Stewardship Code im Jahr 2014 und der Corporate Governance Code im Jahr 2015 – signalisierten eine neue Ära verbesserter Governance, größerer Verantwortlichkeit und Reaktionsfähigkeit gegenüber den Aktionären.

Junichi Takayama, Investment Director bei Nikko Asset Management, sieht nach der von der japanischen Regierung initiierten Corporate-Governance-Reform einen zunehmenden Druck der Aktionäre auf die Unternehmen, proaktive Änderungen vorzunehmen. „Die Reformen sind auch unter der Führung des neuen Premierministers Yoshihide Suga weiter in vollem Gange“, sagt Takayama.

Im Jahr 2021 reformierte die Regierung das Aktiengesetzden sogenannten Companies Act, um Reformen voranzutreiben, die in erster Linie aus der Sorge in- und ausländischer Investoren über die Qualität der japanischen Corporate Governance resultierten. Grund dafür war das gestiegene ausländische Interesse an japanischen Unternehmen durch Private Equity und aktive Investoren.

Darüber hinaus haben die japanische Finanzdienstleistungsbehörde (FSA) und die Tokioter Börse (TSE) im Jahr 2015 gemeinsam den japanischen Corporate-Governance-Kodex für eine größere Vielfalt im Management eingeführt. Im April 2021 veröffentlichte die TSE eine Überarbeitung, um japanische Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Sie drängt börsennotierte Unternehmen dazu, die Anzahl unabhängiger Direktoren zu erhöhen, um die Rolle des Vorstands zu stärken, das Kernmanagement vielfältiger zu gestalten und die Offenlegung zum Thema Umwelt zu verbessern.

Gleichzeitig ist Japans Corporate Governance immer noch dabei, sich von ihrer traditionellen Struktur zu lösen. Die meisten Konglomerate folgen dem traditionellen japanischen Organisationsmodell und sind immer noch entweder im Besitz großer Familien oder werden von großen Banken finanziert.