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Was steckt hinter dem Rekordwachstum der digitalen Wirtschaft in Südostasien?

Southeast Asia digital economy with record growth 

Die digitale Wirtschaft Südostasiens hat seit Jahresbeginn ein beispielloses Wachstum verzeichnet. Dem neusten e-Conomy SEA 2021 Bericht zufolge wird sie bis 2030 ein Volumen von einer Billion US-Dollar erreichen. E-Commerce gilt als die wichtigste Triebkraft des digitalen Booms in der Region.

Laut dem gemeinsamen Bericht von Google, dem staatlichen Investor Temasek aus Singapur und der Unternehmensberatung Bain & Company verzeichneten alle Märkte in der Region ein zweistelliges Wachstum des E-Commerce-Bruttowarenvolumens (GMV), wobei die Philippinen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg von 93% verzeichneten.

Thailand folgte mit 51%, Indonesien mit 49% und Malaysia mit 47%. Der Stadtstaat Singapur verzeichnete ein Wachstum von 35%, während das GMV in Vietnam um 31% zunahm.

Dem Bericht zufolge wird die digitale Wirtschaft der Region voraussichtlich von 174 Mrd. USD im Jahr 2021 auf 363 Mrd. USD im Jahr 2025 anwachsen, bevor sie im Jahr 2030 die Marke von 1 Bio. USD knacken soll.

Die Prognose zeigt außerdem, dass bis 2030 etwa 50% aller Einzelhandelsausgaben online getätigt werden, im Vergleich zu 10% heute, wobei 25% der Ausgaben für Lebensmittel online getätigt werden. Darüber hinaus werden etwa 70 bis 80% der Transaktionen digital abgewickelt werden. Es wird erwartet, dass die in der Region etablierten digitalen Unternehmen sich vergrößern und zu Akteuren auf dem globalen Markt werden.

Digitaler Konsum etabliert in Südostasien

Der derzeitige Anstieg beim digitalen Konsum kann auch auf das starke Wachstum der Internetnutzer in der Region zurückgeführt werden, das insbesondere durch die Covid-19-Pandemie angetrieben wurde.

Dennoch etabliert sich der digitale Konsum bei den Südostasiaten. Wie der Bericht zeigt, sind die Verbraucher, die während der Pandemie in die digitale Wirtschaft eingestiegen sind, dort geblieben sind: neun von zehn Personen, die 2020 einen neuen digitalen Dienst ausprobiert haben, nutzen diesen auch weiterhin in diesem Jahr. In Südostasien sind in diesem Jahr 40 Millionen neue Internetnutzer online gegangen. Damit stieg die Internetpenetration in der Region auf 75%.

Darüber hinaus haben acht von zehn dieser neuen Nutzer mindestens einen Online-Einkauf getätigt. Derzeit gibt es in Südostasien insgesamt 440 Millionen Internetnutzer, was bedeutet, dass etwa 350 Millionen Menschen digitale Konsumenten sind.

Seit dem Beginn der Pandemie sind 60 Millionen zusätzliche digitale Verbraucher hinzugekommen, 20 Millionen davon erst in der ersten Hälfte des Jahres 2021. In der Zwischenzeit haben die Erstanwender digitaler Dienste ihre Nutzung weiter gesteigert und nutzen viermal mehr digitale Dienste als vor der Pandemie.

Die Philippinen und Thailand wiesen mit 20% bzw. 18% der Gesamtnutzer, die während der Pandemie Online-Dienste nutzten, den höchsten Anteil an neuen digitalen Verbrauchern auf. Der Bericht betont auch, dass ein größerer Prozentsatz der neuen digitalen Verbraucher in den Jahren 2020 und 2021 aus Nicht-Metropol-Gebieten kommt.

In einem Online-Briefing für den Bericht erwähnte Stephanie Davis, Vizepräsidentin von Google Südostasien, dass die Internetnutzung und der Online-Konsum in den Ballungsräumen der Region vor der Pandemie am höchsten waren.

Der Aufstieg digitaler Händler

Das aufstrebende digitale Konsumverhalten hat in Südostasien auch zur Entstehung von digitalen Händlern beigetragen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben digitale Technologien übernommen, insbesondere in den Bereichen digitale Plattformen, Finanzdienstleistungen und digitale Tools.

Der e-Conomy SEA Bericht ergab, dass einer von drei digitalen Händlern glaubt, dass sein Unternehmen die Pandemie ohne seine digitalen Plattformen nicht überlebt hätte. Als die beiden wichtigsten Gründe für die Einführung digitaler Zahlungssysteme nannten digitale Händler die Bequemlichkeit und Sicherheit bei der Abwicklung digitaler Zahlungen.

Diese digitalen Händler haben auch durchgängige Digitalisierungsinitiativen ergriffen, von digitalen Front-End-Tools für die Kundenansprache bis hin zu digitalen Back-End-Lösungen zur Verbesserung ihrer Abläufe. Acht von zehn digitalen Händlern erwarten, dass in den nächsten fünf Jahren mehr als 50% ihres Umsatzes aus Online-Quellen stammen werden.

Investmentzuflüsse in das digitale Ökosystem der SEA-Region

Der Bericht e-Conomy SEA 2021 zeigt außerdem, dass die digitale Wirtschaft Südostasiens im ersten Halbjahr 2021 ein Rekordhoch an Investmentzuflüssen verzeichnete. Mit 11,5 Mrd. USD im ersten Halbjahr 2021 liegt der Transaktionswert auf dem Niveau des Gesamtjahres 2020 von 11,6 Mrd. USD. Auch die Zahl der Transaktionen ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 65% gestiegen.

Florian Hoppe, Leiter Digital in Asien-Pazifik bei Bain, erklärte, dass viele Investoren auf dem Höhepunkt der Pandemie im Jahr 2020 zunächst eine abwartende Haltung eingenommen haben. Dies hat sich allerdings inzwischen geändert, und die Transaktionsaktivität hat ein Allzeithoch erreicht.

Der größte Teil an Investorengeldern fließt in Südostasien in die Sektoren E-Commerce und digitale Finanzdienstleistungen. Die Logistikbranche führt dabei den E-Commerce-Sektor an, während digitale Zahlungen bei den Finanzdienstleistungen die meisten Geldzuflüssen sahen.