Start News Speedway-Übernahme: “historischer Schritt” für Seven & i Holdings

Speedway-Übernahme: “historischer Schritt” für Seven & i Holdings

Die Muttergesellschaft von 7-Eleven, Seven & i Holdings, übernimmt Speedway
7-Eleven Convenience Store in New York (Quelle: Tupungato/Shutterstock.com)

Der japanische Einzelhandelskonzern Seven & i Holdings baut sein globales Geschäft weiter aus. Die Muttergesellschaft von 7-Eleven übernimmt die US-Tankstellenkette Speedway von Marathon Petroleum. Durch die Übernahme kommen zu den mehr als 67.000 Geschäften in 17 Ländern weltweit etwa 3.900 neue hinzu. Es ist die größte Übernahme in der Geschichte des Unternehmens und wird dem Einzelhändler ermöglichen, seine Präsenz in den Vereinigten Staaten zu diversifizieren, vor allem an der Ostküste und im Mittleren Westen. Das 21-Milliarden-Dollar-Geschäft beinhaltet auch eine 15-Jahres-Vereinbarung, in der Marathon jährlich 7,7 Milliarden Gallonen Erdöl an die Tankstellen der Kette liefert.

Einen “historischen ersten Schritt” nannte Ryuichi Isaka, CEO von Seven & i Holdings, die Übernahme, da das Unternehmen danach strebt, ein globaler Einzelhändler zu werden. 7-Eleven ist mit rund 9000 Geschäften bereits der größte Einzelhändler in den USA und Kanada, plante aber schon länger eine Erweiterung seiner Verkaufsstellen in den USA, um sich weiter von seinem größten Konkurrenten, Kanadas Alimentation Couche-Tard, zu distanzieren.

Im März gab Seven & i Holdings zunächst das ursprüngliche Übernahmeangebot mit der Begründung auf, dass der Preis von 22 Mrd. USD zu hoch sei. Aber Joe DePinto, Präsident und CEO von 7-Eleven, drängte die Vorstandsmitglieder des Mutterkonzerns, das Geschäft zu genehmigen, bevor es an einen Konkurrenten geht. Schließlich war auch Konkurrent Couche-Tard (mit der Marke Circle-K) interessiert.

Darüber hinaus befindet sich der US-Markt für Convenience-Stores größtenteils im Besitz von Einzelgeschäftsbetreibern, wobei die zehn größten Einzelhändler laut AlixPartners, einem US-Beratungsunternehmen, nur 20% des Marktes kontrollieren. Eine solche Fragmentierung bedeutet, dass die Zahl der Convenience-Store-Ketten mit mehreren tausend Geschäften minimal ist, und Seven & i konnte es sich nicht leisten, eine solche Gelegenheit zu vergeben.

Die New York Times berichtet, dass Marathon Petroleum finanziell angeschlagen ist und den Betrieb in zwei seiner Raffinerien eingestellt hat. Das Unternehmen hat versucht, Speedway zu verkaufen und seine finanzielle Position zu stärken und den Druck der Investoren zu verringern. Marathon wollte bis zu 16,5 Milliarden Dollar nach Steuern aus dem Deal herausholen, wovon ein Großteil in den Schuldendienst und die Zahlung der Dividenden der Investoren fließen sollte.

Warum jetzt in den USA expandieren?

Seven & i Holdings hat aufgrund der Sättigung seines Heimatmarktes eine Expansion ins Ausland angestrebt. Der angespannte Arbeitsmarkt in Japan macht das 24-7-Betriebsmodell des Unternehmens zu einer Herausforderung. “Japans Convenience Store Markt ist an seiner Grenze, da die Bevölkerung altert”, sagte Hiroaki Watanabe, ein Logistikanalyst und Autor des Buches “If Convenience Stores Disappeared from Japan” gegenüber Japantimes.

Die Übernahme von Speedway wird 7-Eleven auch dabei helfen, das Tankstellen-basierte Convenience-Store-Modell auszubauen, da Speedway zu 100% Tankstellen hat. Nur etwa 45% der 7-Eleven-Geschäfte in den USA haben Tankstellen. Nach Angaben des Analysten Oshadhi Kumarasiri von LightStream Research, wie auf Smartkarma veröffentlicht, lag der durchschnittliche Umsatz pro Laden bei 7-Eleven in den USA rund 28% unter dem Branchendurchschnitt. “Die Übernahme von Speedway wird dazu beitragen, den durchschnittlichen Umsatz pro Laden zu verbessern, da Tankstellen-basierte Läden etwa 2,25x höhere Umsätze pro Laden erzielen.”

7-Eleven erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 17,6 Mrd. USD bei Einzelhandelswaren (1,82 Mio. USD pro Laden) und 18 Mrd. USD bei Benzin. Speedway hingegen erzielte einen Gesamtumsatz von 6,3 Mrd. USD (1,62 Mio. USD pro Geschäft) und 20,5 Mrd. USD an Benzinverkäufen. “Wir glauben, dass die erweiterte Produktpalette von Seven & i dazu beitragen könnte, dass Speedway die Lücke bei den Einnahmen pro Geschäft schließen kann”, fügt Kumarasiri hinzu.

Darüber hinaus werden die Speedway-Geschäfte dem Einzelhändler eine größere Präsenz an der Ostküste und im Mittleren Westen sowie eine Präsenz in 47 der 50 bevölkerungsreichsten Städte der USA ermöglichen.

Was bringt die Zukunft für Seven & i Holdings?

Die Übernahme erfolgt zu einer Zeit, in der sowohl auf dem Einzelhandels- als auch auf dem Benzinmarkt Unsicherheiten bestehen – verursacht nicht zu letzte durch die Coronavirus-Pandemie. So bekam beispielsweise Online-Shopping nochmal einen Auftrieb. Die Kombination von Convenience Stores und Tankstellen könnte jedoch für Seven & i von Vorteil sein. Langfristig wird aber auch erwartet, dass die Nachfrage nach Benzin zurückgehen wird, da die Welt nach Fahrzeugen mit alternativen Kraftstoffen sucht.

Für Aktienanleger war die Übernahme zunächst entmutigend. Die Aktien von Seven & i sanken nach der Ankündigung am 3. August in Tokio um 4,8% auf den niedrigsten Stand seit April 2013. Gleichzeitig war es auch der größte Ein-Tages-Rückgang in diesem Jahr seit dem 23. März. Doch bereits einen Tag später erholte sich die Aktie wieder um 8,9% und zeigte so das Vertrauen in den Einzelhändler, das globale Wachstum aggressiv voranzutreiben.

Am Anleihenmarkt hingegen gibt es Bedenken, da Moody’s Japan K.K. das Rating von Seven & i Holdings von A1 auf A2 gesenkt hat. Der Ausblick für die Ratings des Unternehmens war jedoch auch schon vor der Ankündigung der Speedway-Übernahme negativ. Dies resultiert aus “dem Kampf um die Aufrechterhaltung der Rentabilität in seinem Kerngeschäft mit inländischen Lebensmittelgeschäften, da der Arbeitskräftemangel zu steigenden Kosten und Nachlässen bei den Franchisegebühren geführt hat”, so Moody’s.

Wenn Seven & i die Transaktion wie erwartet vollständig mit Krediten finanziert, wird die Verschuldung des Unternehmens um über 70% steigen, während der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) laut Moody’s nur um etwa 15% zunehmen wird.