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Singapur stellt die Weichen für Wachstum 2022

Singapore

Nach dem Rekordrückgang von 4,1% im Jahr 2020 verzeichnete Singapurs Wirtschaft im vergangenen Jahr wieder ein Wachstum von 7,6%. das Ergebnis war besser als erwartet und wurde vom verarbeitenden Gewerbe, dem Finanz- und Versicherungssektor sowie dem Großhandel gestützt. Für dieses Jahr strebt der Inselstaat nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3 bis 5% an.

Mit einer Covid-19-Impfquote von 95% und einer kontinuierlichen Einführung von Booster-Impfungen ist die Regierung entschlossen, seine Grenzen für den Rest der Welt im Jahr 2022 wieder zu öffnen und hat die Beschränkungen zum 15. März angepasst. Mit dem Ziel, das Passagieraufkommen in diesem Jahr wieder auf mindestens 50% des Niveaus vor dem Ausbruch von Covid zu bringen, konzentrieren sich die Behörden auf die Öffnung der sogenannten VTLS (Vaccinated Travel Lanes), die Reisen ohne Quarantäne aus 32 Ländern und Regionen ermöglichen.

Die schrittweise Wiederöffnung der Grenzen für den internationalen Reiseverkehr sollte dazu führen, dass die Wirtschaft Singapurs im Jahr 2023 um 3% wächst, so eine im März von der Monetary Authority of Singapore (MAS) durchgeführte Umfrage unter 23 Wirtschaftsexperten. Insgesamt nannten 64,7% der Befragten die „Wiederöffnung der Grenzen für den internationalen Reiseverkehr“ als einen Aufwärtstrend für die Wachstumsaussichten Singapurs.

Die Umfrage prognostiziert für 2022 ein Wirtschaftswachstum von 4%, was der offiziellen Prognose entspricht.

„In dem Maße, wie Singapur seine Bemühungen fortsetzt, die verbleibende Bevölkerung zu impfen und die Wiederbelebung der Wirtschaft voranzutreiben, insbesondere die Wiederbelebung des angeschlagenen Reisesektors, werden die Beiträge der verschiedenen Sektoren zum BIP-Wachstum weniger einseitig und die Erholung gleichmäßiger ausfallen“, sagt Irvin Seah, Volkswirt bei der DBS Bank.

Singapurs langfristige Wachstumspläne

Um Singapur auf die Zeit nach der Pandemie vorzubereiten, hat die Regierung ihren Schwerpunkt hin zur Unterstützung von lokalen Unternehmen verlagert, wie aus dem im Februar veröffentlichten Haushalt hervorgeht.

Um kleine und mittlere Unternehmen bei der Steigerung ihrer Produktivität zu unterstützen, wurden im Haushalt 441 Mio. USD für die Aufstockung des „Productivity Solutions Grant“ bereitgestellt, mit dem in den nächsten vier Jahren über 100.000 Projekte unterstützt werden sollen. Außerdem wurde das neue Programm „Singapore Global Enterprises“ ins Leben gerufen, um lokale Unternehmen in Bereichen wie Innovation, Internationalisierung und Partnerschaften mit anderen Unternehmen zu unterstützen. Im Haushalt 2022 sind außerdem 147 Mio. USD für die Förderung von Programmen zum Aufbau digitaler Fähigkeiten von Unternehmen und Arbeitnehmern vorgesehen.

Da die Wirtschaft Singapurs in hohem Maße vom Freihandel abhängt, haben die Behörden am 4. März zudem den „Singapore Economy 2030 Plan“ angekündigt, mit dem das Handelsvolumen bis 2030 erheblich gesteigert werden soll. Der Plan zielt darauf ab, die Exporte Singapurs bis 2030 von 805 Mrd. USD im Jahr 2020 auf mindestens 1 Bio. USD zu steigern und den Offshore-Handel im selben Zeitraum auf 2 Bio. USD zu verdoppeln.

Handels- und Industrieminister Gan Kim Yong bezeichnete den Plan als „kollektive Vision für die Wirtschaft“ und sagte, er werde „die Industrien, Unternehmen und Arbeitnehmer auf eine solidere Grundlage für ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum im nächsten Jahrzehnt stellen“.

Kann Singapur seine Wachstumsdynamik aufrechterhalten?

Während sich die Wirtschaft Singapurs im Aufschwung befindet, werfen Inflationsängste einen Schatten auf die Wachstumsprognosen. Der Stadtstaat hat in den letzten Monaten mit einer hohen Inflation zu kämpfen, die „ein Hauptrisiko für die Wachstumsaussichten darstellen wird“, so die Wirtschaftsexperten der DBS Bank.

Die wichtigsten Verbraucherpreise in Singapur stiegen im Januar so schnell wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr, was auf eine höhere Inflation bei Lebensmitteln, Strom und Gas zurückzuführen ist. Die Kerninflationsrate stieg im Januar um 2,4% im Jahresvergleich, den höchsten Wert seit September 2012, während die Gesamtinflation um 4% zunahm.

94,4% der Befragten in der MAS-Umfrage nannten einen unerwartet starken Anstieg der Inflation, sowie eine erwartete Beschleunigung der geldpolitischen Straffung durch die großen Zentralbanken als Abwärtsrisiken für die Wachstumsaussichten Singapurs. Der Umfrage zufolge wird für 2022 eine Kerninflation von 2,7% prognostiziert, was der Vorhersage der Zentralbank von 2 bis 3% entspricht, während die Gesamtinflation auf etwas 3,6% geschätzt wird.

Die Besorgnis über die Preisentwicklung und die importierte Inflation veranlasste die Zentralbank im Januar dieses Jahres, ihre Geldpolitik zu straffen, um „mittelfristige Preisstabilität zu gewährleisten“. Die DBS Bank rechnet mit weiteren Straffungsmaßnahmen durch die Zentralbank bei der halbjährlichen Sitzung im April, „was sich wiederum abkühlend auf das Wachstum auswirken wird“.

Steigende Ölpreise stellen zusätzliche Risiken dar

Neben Inflationssorgen sehen die Befragten geopolitische Spannungen aufgrund des Russland-Ukraine-Konflikts und Covid-19 als zusätzliche Faktoren, die die Wachstumsaussichten Singapurs gefährden könnten. Das Land importiert den größten Teil seines Energiebedarfs, wobei Erdgas 95% des Stromerzeugungsmixes ausmacht.

Die Russland-Ukraine-Krise hat bereits zu einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise geführt. Laut Handels- und Industrieminister Gan Kim Yong werden „die längerfristigen und indirekten Auswirkungen des Ukraine-Konflikts auf Singapur erheblich sein“.

Darüber hinaus wirken sich die geopolitischen Bedenken bereits auf die exportorientierten Branchen Singapurs wie das verarbeitende Gewerbe aus. Die im Februar veröffentlichten Daten zeigten, dass sich das verarbeitende Gewerbe in Singapur zum ersten Mal seit zwei Jahren verlangsamt. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) fiel von 50,6 im Januar auf 50,2 im Februar, was auf ein langsameres Wachstum der Auftragseingänge, der neuen Exporte, der Fabrikproduktion und der Beschäftigung zurückzuführen ist, so das Singapore Institute of Purchasing and Materials Management.