Singapurs Wirtschaft zeichnet sich durch hohe Einkommen und ein hohes Maß an Offenheit aus. Als eine der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften weltweit steht Singapur in dem Ruf, eines der geschäftsfreundlichsten Umfelder weltweit zu bieten.

Seit der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1965 hat sich Singapur durch jahrzehntelange Industrialisierung von einer kleinen inländischen Marktwirtschaft mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut zu einer hoch entwickelten, freien Marktwirtschaft entwickelt.

Der Stadtstaat ist stark urbanisiert und hat 5,7 Millionen Einwohner. Englisch ist eine der Amtssprachen Singapurs und die meistgesprochene Sprache, besonders im Geschäftsleben.

Derzeit wird das BIP-Wachstum hauptsächlich durch Exporte und die Inlandsnachfrage angetrieben. Singapurs Wirtschaftsleistung ging 2020 inmitten der Coronavirus-Pandemie um 4,1% zurück. Als jedoch mehr Impfstoffe zur Verfügung standen und die Wirtschaftstätigkeit wieder zunahm, wuchs die Wirtschaft im Jahr 2021 um 7,6% und damit so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr, als 2010 ein ganzjähriges Wachstum von 14,5% verzeichnet wurde. Für 2022 prognostiziert die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 3-5%.

Das Pro-Kopf-BIP des Landes ist eines der höchsten in der Region und weltweit. Es ging zwar von 65.000 USD im Jahr 2019 auf 59.000 USD im Jahr 2020 zurück. Dieser Betrag ist 2021 auf 66.000 USD gestiegen und wird voraussichtlich in diesem Jahr 69.000 USD und 2023 72.000 USD erreichen.


Singapur Wirtschaft:
jährliche BIP-Wachstumsrate (in %)

Die Arbeitslosigkeit in Singapur ist auf einem sehr niedrigen Niveau. Dies ist auf Veränderungen in der Struktur der Wirtschaft zurückzuführen, wie z.B. die Auslagerung von gering qualifizierten Jobs. Im Jahr 2019 lag die Arbeitslosenquote in Singapur bei 2,3% und stieg während der Pandemie auf 3,0%. Die Quote ging 2021 auf 2,6% zurück und wird voraussichtlich in diesem Jahr auf das Niveau vor der Pandemie zurückgehen.


Singapur Wirtschaft:
Arbeitslosenquote (in %)

Währung und Zentralbank

Der Singapur-Dollar oder SGD ist die offizielle Währung des Landes und wird in 100 Cents unterteilt. Er wird oft mit dem Dollarzeichen ($) oder S$ dargestellt, um sich von anderen Dollarwährungen zu unterscheiden. Die Banknoten und Münzen werden von der Zentralbank, der Monetary Authority of Singapore (MAS), ausgegeben.

Gemessen am Wert rangiert der Singapur-Dollar bei den meistgehandelten Währung weltweit auf Platz 11 (Stand 2021) und gilt als einer der stärksten Werte im asiatisch-pazifischen Raum. Neben ihrer Funktion als Zentralbank fungiert die MAS, derzeit geleitet von Tharman Shanmugaratnam als Vorsitzenden, auch als Finanzaufsichtsbehörde des Landes.

Die Inflation in Singapur lag 2019 bei 0,6% und fiel 2020 auf -0,4%. Die Kerninflation in Singapur stieg im Januar 2022 im Jahresvergleich auf 2,4% und damit auf den höchsten Stand seit mehr als neun Jahren. Die MAS geht davon aus, dass die Kerninflation im Jahr 2022 bei 2 bis 3% liegen wird, während die Gesamtinflation bei 2,5 bis 3,5% erwartet wird.


Singapur
Inflation (in %)

Industrie und Handel

Die wichtigsten Sektoren der Singapur Wirtschaft sind die Industrie, der Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft. Der Beitrag der Landwirtschaft zum BIP ist jedoch fast nicht existent. Sie stellt nur 0,3% der Arbeitsplätze für die Erwerbsbevölkerung bereit.

Als hoch industrialisierte Wirtschaft macht der Industriesektor des Landes 24,3% des BIP aus und bietet 15,2% der Bevölkerung im Jahr 2020 einen Arbeitsplatz. Zu den führenden Industrien des Landes gehören Elektronik, Petrochemie, Biomedizin, Logistik und Transporttechnik.

Der Dienstleistungssektor leistet mit 70,9% den größten Beitrag zum BIP und beschäftigt 84,1% der Erwerbstätigen Singapurs. Handel, Unternehmensdienstleistungen, Transport, Kommunikation und Finanzdienstleistungen sind die größten Dienstleistungskategorien des Landes.

Bei den Gesamtexporten liegt Singapur derzeit weltweit auf Platz 18, wobei integrierte Schaltkreise, raffiniertes Erdöl, Gold, Gasturbinen und verpackte Medikamente die wichtigsten Exportprodukte sind. Die wichtigsten Exportpartner sind China, Hongkong, Malaysia, die USA und Indonesien.

Bei den Gesamteinfuhren liegt die Singapur Wirtschaft auf Platz 16, und die wichtigsten Importprodukte sind integrierte Schaltkreise, raffiniertes Erdöl, Rohöl, Gold und Gasturbinen. China, Malaysia, die USA, Taiwan und Japan sind die wichtigsten Importpartner des Landes. 


Singapur Handelsbilanz

Studien und Ranglisten

Im Ease of Doing Business Index 2020 der Weltbank steht Singapur auf dem zweiten Platz, vor Hongkong und knapp hinter Neuseeland.

Im Index für wirtschaftliche Freiheit der Heritage Foundation belegt Singapur weltweit den ersten Platz. Singapur verbesserte sein Gesamtergebnis auf 84,4 von 100 Punkten im Jahr 2022 und belegte den ersten Platz unter 39 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum.

Im Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums erhielt Singapur 85 von 100 Punkten und liegt damit unter den ersten fünf Ländern, noch vor den Vereinigten Staaten, Hongkong, den Niederlanden und der Schweiz.

Börsen und Kapitalmärkte

Die Singapore Exchange oder SGX ist eine Multi-Asset-Börse und die einzige Börse des Landes. Sie ist die größte Börse in Südostasien. Ende Juni 2021 lag die gesamte Marktkapitalisierung der börsennotierten Aktien bei über 663 Mrd. USD, mit einem durchschnittlichen täglichen Handelswert von 0,99 Mrd. USD.

Die SGX verwendet den FTSE Straits Times Index oder STI als Benchmark-Index. Der STI ist ein kapitalisierungsgewichteter Aktienmarktindex, der die Performance der 30 größten an der SGX notierten Unternehmen abbildet.

Etwa 40% der an der SGX notierten Unternehmen haben ihren Sitz außerhalb Singapurs. Die SGX bezeichnet sich selbst als Offshore-Markt für Aktienindexderivate, der die wichtigsten asiatischen Volkswirtschaften mit der weltweit höchsten Liquidität abdeckt.

Zusammen mit London, New York und Tokio wird Singapur immer wieder als einer der aktivsten Handelsplätze der Welt genannt. Inzwischen hat Singapur auch den drittgrößten Devisenmarkt der Welt mit einem täglichen Handelsvolumen von 640 Mrd. USD.

Anleihenmarkt 

Der Anleihenmarkt von Singapur zieht sowohl lokale als auch ausländische Investoren an. Anerkannt als einer der am weitesten entwickelten Märkte in Asien, ist Singapur einer der wenigen Märkte mit einem AAA-Kreditrating von allen großen Ratingagenturen.

Singapore Government Securities (SGS) sind Schuldverschreibungen, die von der Regierung des Landes ausgegeben werden. Es gibt vier Arten von SGS, nämlich Schatzwechsel (Treasury Bills oder T-Bills), SGS-Anleihen, Singapore Savings Bonds (SSBs) und Cash Management Treasury Bills (CMTBs).

Nach Angaben der MAS werden SGS Bonds und T-Bills in erster Linie ausgegeben, um die Marktliquidität zu erhöhen und eine starke staatliche Renditekurve zu schaffen, um einen aktiven Sekundärmarkt für Kassageschäfte und Derivate auszubauen, um ein effizientes Risikomanagement zu erreichen, und um inländische und internationale Emittenten und Investoren zu ermutigen, sich am Anleihenmarkt des Landes zu beteiligen.

Immobilienmarkt

Trotz der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie blieb der Immobilienmarkt in Singapur widerstandsfähig im Jahr 2021.

Singapurs gewerbliche Immobilienaktivitäten stiegen um 177% auf 9,0 Mrd. USD im Jahr 2021 und machen die Stadt zum sechstaktivsten Markt im asiatisch-pazifischen Raum, wie der jüngste Bericht Asia Pacific Capital Trends von Real Capital Analytics zeigt.

Im vierten Quartal 2021 wuchs der Immobiliensektor um 1,6% im Vergleich zum Vorjahr, vor allem im Segment der privaten Wohnimmobilien, wo sowohl die Verkaufstransaktionen als auch die Preise stiegen. Und dies trotz Maßnahmen zur Abkühlung des Immobilienmarktes im Dezember 2021, wie z. B. höhere Steuern auf den Erwerb von Zweit- und Folgeimmobilien und strengere Kreditbeschränkungen, die auf den privaten und öffentlichen Wohnimmobilienmarkt abzielten.


Singapur
Housing Index (in %)

Nach Angaben der Immobilienmakler Knight Frank und JLL werden die Preise für Wohnimmobilien im Jahr 2022 voraussichtlich um 1% bis 4% steigen, nachdem die Preise für Eigenheime im Jahr 2021 um 10,6 % gestiegen waren.

 

Quellen der Grafiken: tradingeconomics.com