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Südostasiens Kampf der Super-Apps

Grab and Gojek popular in Southeast Asia
Grab food delivery in Bangkok (Source: ferdyboy / Shutterstock.com)

Nach einem Jahr externer Expansion und interner Reorganisation aufgrund von Covid-19 scheinen Südostasiens Super-Apps auf Fusionen und Börsengänge als Strategie für die zukünftige Entwicklung zu setzen.

Anfang Januar berichteten internationale Medien, dass sich der indonesische Ride-Hailing- und Zahlungsgigant Gojek in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Fusion mit dem regionalen E-Commerce-Unternehmen Tokopedia befindet, wobei der Wert des Deals auf 18 Mrd. USD geschätzt wird.

Eine mögliche Fusion der beiden Unternehmen wäre für Indonesien von großer Bedeutung. Die beiden lokalen „Einhörner“ könnten ein digitales Kraftpaket schaffen, mit integrierten Dienstleistungen, die von Ride-Hailing über digitalen Zahlungsverkehr bis hin zu E-Commerce und Lieferung reichen.

Ein Zusammenschluss würde auch zahlreiche Synergien schaffen, wie zum Beispiel, dass Gojeks Flotte die Online-Shopping-Bestellungen von Tokopedia bedienen kann. Allerdings gibt es auch einige Überschneidungen im Bereich des digitalen Zahlungsverkehrs, wo Gojeks GoPay-Plattform mit Ovo konkurriert, das zu 35% Tokopedia gehört. Allerdings gibt es Spekulationen, dass Tokopedia seinen Anteil an Ovo verkaufen möchte.

Ende Januar folgte dann die News, dass Grab, der größte Konkurrent von Gojek in Südostasien, die Investmentbanken Morgan Stanley und JP Morgan ausgewählt hat, um an einem Börsengang in den USA zu arbeiten. Er soll in der zweiten Jahreshälfte stattfinden.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Singapur, das in rund 400 Städten in acht südostasiatischen Ländern Ride-Hailing-, Essensliefer-, E-Payment- und Versicherungsdienste anbietet, wird mit rund 16 Mrd. USD bewertet. Es wird erwartet, dass der Börsengang mindestens 2 Mrd. USD einbringen wird, was ihn zum größten Übersee-Aktienangebot eines südostasiatischen Unternehmens machen würde.

Grab, Gojek – verschärfter Wettbewerb

Die jüngsten Berichte über Fusionen und Börsengänge kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Super-Apps der Region weiter auf die durch die Pandemie verursachte Marktveränderung einstellen.

Vor den Spekulationen über einen Zusammenschluss mit Tokopedia wurde im Dezember berichtet, dass Gojek in Gesprächen über einen möglichen Zusammenschluss mit seinem größten Konkurrenten, Grab, sei.

Auslöser für diese Überlegungen scheint der verstärkte Wettbewerb in wichtigen Segmenten zu sein.

Während Tokopedia beispielsweise lange Zeit der führende E-Commerce-Anbieter in Indonesien war, ist es in letzter Zeit in Bezug auf den Marktanteil in seinem Heimatland hinter Shopee, das dem singapurischen Internetunternehmen Sea gehört, zurückgefallen.

Während Grab seinen Status als Nummer eins der Essenslieferdienste in Südostasien mit einem Bruttowarenwert von 5,9 Mrd. USD auch 2020 beibehielt, lag Gojek mit 2 Mrd. USD an dritter Stelle. Internationale Anbieter wie Foodpanda und Deliveroo konnten im Laufe des Jahres ihre Präsenz und Werbung in der Region verstärken.

Der Trend zu Fusionen und Übernahmen ist nicht auf Südostasien oder Schwellenländer beschränkt. So gab Uber im Juli bekannt, dass es Postmates, den viertgrößten Essenslieferdienst in den USA, für 2,65 Mrd. USD übernommen hat.

Dieser Schritt unterstreicht, wie bedeutend Essenslieferdienste während der Pandemie geworden sind. So zeigten die Ergebnisse des ersten Quartals von Uber beispielsweise, dass die Nachfrage nach dem Fahrdienst im Vergleich zum Vorjahr um 80% gesunken ist, die Buchungen auf der Plattform UberEats jedoch um mehr als 50% gestiegen sind. Ähnlich verhält es sich mit der zwei Jahre alten Plattform für Essenslieferungen von Grab in Südostasien, die den etablierten Ride-Hailing-Service als Hauptgeschäftszweig des Unternehmens überholt hat.

Südostasiens Super-Apps versuchten im Jahr 2020 ebenfalls, ihr Angebot zu konsolidieren, indem sie Dienste schlossen, die wenig profitabel waren oder sich nur schwer an social Distancing-Maßnahmen anpassen konnten.

Gojek kündigte im Juni an, dass es 9% seiner Belegschaft entlassen werde. Zudem wurden GoLife, ein Dienst für Haushaltsreinigungs- und Massageservices, sowie GoFood Festivals, die Sparte, die physische Food Halls betreibt, geschlossen. Derweil entließ Grab 360 Mitarbeiter – rund 5% der Belegschaft – und kündigte an, einige „Nicht-Kernprojekte“ zu schließen.

Trotz dieser Neuausrichtung und Konsolidierung gehörten die beiden Super-Apps zu den wenigen Unternehmen, die im Jahr 2020 positive Ergebnisse verzeichneten.

Grab sagte, dass sein Umsatz im vergangenen Jahr um 70% gestiegen sei. Gojek verzeichnete einen Anstieg des annualisierten Bruttotransaktionswerts (GTV) um 10%, unterstützt durch eine Verfünffachung des GTV für seinen Lebensmittellieferservice und einen Anstieg von 80% der registrierten Kunden, die den GoFood-Restaurantlieferdienst nutzen.

Schritt in Richtung Finanzdienstleistungen

Während Lebensmittel-Lieferdienste zu einem zentralen Bestandteil der Geschäftsmodelle von Super-Apps geworden sind, haben sich Finanzdienstleistungen als wichtiger Wachstumstreiber herauskristallisiert.

Nach der Einführung von GoPay und GrabPay zur Abwicklung von Zahlungen für Ride-Hailing-Buchungen haben sowohl Gojek als auch Grab ihre Finanzdienstleistungen schnell auf Point-of-Sale- und Online-Zahlungen sowie Fahrtenversicherungen, Reiseversicherungen und Geschäftskredite für kleine und mittlere Unternehmen ausgeweitet.

Zu diesem Zweck erwarb Gojek im April letzten Jahres das indonesische Zahlungs-Start-up Moka in einem Deal, dessen Wert auf 130 Mio. USD geschätzt wird. Es folgte der Kauf eines 22%igen Anteils am lokalen Betreiber Bank Jago für 159 Mio. USD.

Inzwischen gehörten Facebook und PayPal zu den hochkarätigen Unternehmen, die sich an der Serie-F-Finanzierungsrunde von Gojek im vergangenen Juni beteiligten. Sie brachte rund 3 Mrd. USD ein.

Was Grab betrifft, so hat das Unternehmen im August letzten Jahres seine kundenorientierten Finanzprodukte verbessert und neue Mikrofinanzinitiativen, Kredite, Krankenversicherungen und ein Pay-Later-Programm eingeführt.

Im November folgte ein Investment in Höhe von 100 Mio. USD in die indonesische Fintech-Plattform LinkAja. Und der Finanzarm des Unternehmens, Grab Financial, nahm Anfang des Monats in einer Series-A-Finanzierungsrunde 300 Mio. USD ein.

Ein weiteres Beispiel für die zunehmende Bedeutung von Finanzdienstleistungen ist, dass Grab im Dezember – in Zusammenarbeit mit dem singapurischen Telekommunikationsunternehmen Singtel – als eines von vier Unternehmen eine Lizenz zum Betrieb einer digitalen Bank in Singapur erhielt.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von OxfordBusinessGroup.com veröffentlicht.