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Was treibt das EV-Wachstum in Asien an?

EV industry in Asia
Asia’s EV industry is projected to grow rapidly as nations try to achieve their climate goals.

Da die Nachfrage nach umweltfreundlicher Mobilität in den Mittelpunkt rückt, haben viele asiatische Länder angekündigt, dass sie ihre Märkte für Elektrofahrzeuge (EV) ausbauen und sich verpflichten wollen, in den nächsten Jahren in diesem Bereich emissionsfrei zu werden.

Die Ankündigungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Länder auf die UN-Klimakonferenz (COP26) im November vorbereiten. Denn Mobilität wurde auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) im September 2021 in New York als eines der wichtigsten Ziele der Klimaschutzmaßnahmen hervorgehoben.

Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen, dass der Verkehr 24% der Treibstoffverbrennungsemissionen ausmacht, während fast 75% der verkehrsbedingten Kohlendioxidemissionen (CO2) auf Straßenfahrzeuge zurückzuführen sind.

Asiens EV-Industrie: beispielloses Wachstum

Die ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) könnte bis 2030 potenziell 140 Millionen neue EV-Kunden hervorbringen, wobei die Bevölkerung der oberen und mittleren Einkommensschichten um das Doppelte auf 57 Millionen ansteigen könnte, wie aus den Daten des Weltwirtschaftsforums (WEF) des Internationalen Währungsfonds hervorgeht.

Im Jahr 2020 verkündete Singapur sein Ziel, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren bis 2040 vollständig abzuschaffen. Derzeit sind nur 1.855 der 641.977 Personenkraftwagen in dem Stadtstaat vollelektrisch. Wer sich in Singapur frühzeitig für ein Elektroauto entscheidet, erhält einen Anreiz in Höhe von bis zu 14.800 USD, um von den staatlichen Zulassungsgebühren befreit zu werden. Die Regierung plant außerdem, die Zahl der Ladepunkte auf öffentlichen und privaten Parkplätzen von derzeit etwa 2.000 auf 60.000 im Jahr 2030 zu erhöhen.

In der Zwischenzeit positioniert sich Indonesien strategisch auf dem Markt, indem es sich zu einem Zentrum für die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien und Elektrofahrzeugen entwickelt. Die indonesische Regierung hat im Juli 2021 ein Strategiepapier für die Förderung von Elektromobilität vorgestellt. Darin werden verschiedene Anreize aufgeführt, die das Land zu bieten bereit ist, um mehr Investitionen in diesen Sektor zu bringen. Indonesien will bis 2030 600.000 Elektroautos und 2,5 Millionen Elektromotorräder produzieren.

In Thailand ist der Anteil an EVs noch verschwindend gering – im vergangenen Jahr waren nur 1% aller zugelassenen Fahrzeuge Elektroautos. Das größte Automobilproduktionszentrum der Region plant, den Anteil der Elektrofahrzeuge an der gesamten Automobilproduktion bis 2030 auf 50% zu erhöhen. Außerdem will die Regierung den Verkauf von Autos bis 2035 auf Elektrofahrzeuge beschränken.

EV-boom in China und Indien

Aufgrund ihrer Bevölkerungszahl sind China und Indien die wichtigsten asiatischen Automärkte, wobei Chinas EV-Boom besonders hervorsticht. Es wird erwartet, dass bis 2030 70% der Neuwagenverkäufe in China Elektrofahrzeuge sein werden.

Fitch Solutions Risk & Industry Research berichtete in einem im Juni veröffentlichten Papier, dass die Verkäufe von Elektrofahrzeugen in Asien bis 2021 um 78,1% gegenüber dem Vorjahr steigen werden, verglichen mit nur 4,8% im Jahr 2020. Das Marktforschungsunternehmen führt dies auf das starke Umsatzwachstum in China und Initiativen zur Einführung von Elektrofahrzeugen zur Reduzierung von Emissionen zurück.

Dem Bericht zufolge könnte der Gesamtabsatz von Elektrofahrzeugen in der Region von etwas mehr als 1,4 Einheiten im Jahr 2020 auf fast 10,9 Millionen Einheiten bis Ende 2030 steigen. Der Großteil der Nachfrage soll aus den fortschrittlichsten Volkswirtschaften der Region kommen, nämlich China, Japan und Südkorea.

China soll 91% der gesamten EV-Verkäufe in Asien ausmachen, während Südkorea und Japan laut Schätzung 4,2% bzw. 2,8% beisteuern werden. Dies steht im Einklang mit der prognostizierten Beschleunigung des Absatzwachstums in China von 3,6% im Jahr 2020 auf 83% in diesem Jahr.

Fitch Solutions geht ebenfalls davon aus, dass der Markt für Elektrofahrzeuge in China weiter wachsen wird, da der Preisunterschied zwischen Elektrofahrzeugen und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor kleiner wird. Staatliche Subventionen und geringere regulatorische Hürden verlocken Erstkäufer in China dazu, sich für Elektrofahrzeuge zu entscheiden.

Vom indischen Markt für Elektrofahrzeuge wird ebenfalls erwartet, dass er wachsen wird, weil die Menschen umweltbewusster werden, mit steigenden Kraftstoffpreisen konfrontiert sind und von der Regierung Anreize erhalten. Die indische Automobilindustrie – die fünftgrößte der Welt – hat in den letzten Jahren bereits einen ordentlichen Wettbewerb um Elektrofahrzeuge erlebt, da mehrere etablierte Automobilhersteller bereits mehrere neue Elektrofahrzeuge auf den Markt gebracht haben.

Aufgrund der alarmierenden Umweltverschmutzung und der steigenden Kraftstoffpreise hat die indische Regierung den Schwerpunkt auf umweltfreundliche Mobilität gelegt und sich das Ziel gesetzt, bis 2030 eine 100%ige Elektrifizierung zu erreichen. Die Käufernachfrage nach Elektrofahrzeugen hat zugenommen, da die Regierungen Anreize wie das FAME-II-Programm (Faster Adoption and Manufacturing of Hybrid and EV) geschaffen haben, um den Kauf von Elektroautos zu fördern.

Im Zuge der weit verbreiteten Akzeptanz und des Wachstums des Marktes für Elektrofahrzeuge hat Indien auch strenge Vorschriften für Kraftstoffeffizienz, Emissionen und Ölimporte eingeführt. Tata Motors, Indiens größter Automobilhersteller, plant die Einführung von 10 Elektroauto-Modellen bis 2025.

Herausforderungen für EV-Zukunft

COP26-Präsident Alok Sharma wies darauf hin, dass der Straßenverkehr bereits 10% der weltweiten Emissionen ausmacht und sein Ausstoß im Vergleich zu anderen Sektoren schneller zunimmt.

Sharma sagte, dass der Umstieg auf Elektrofahrzeugen doppelt so schnell erfolgen sollte wie die optimistischen Prognosen, so dass sie bis 2040 über 50% der Neuwagenverkäufe ausmachen werden. Eine der größten Herausforderungen bei der Einführung von Elektrofahrzeugen, insbesondere in Südostasien, sei jedoch die Verfügbarkeit von Infrastrukturen wie Ladestationen.

Der ehemalige Präsident der Electric Vehicle Association of Thailand (EVAT), Yossapong Laoonual, wies darauf hin, dass die Verbraucher die Gewissheit haben müssen, dass sie auch beim Überschreiten von Landesgrenzen leicht Zugang zu Ladestationen haben  werden – genauso komfortabel, wie sie ihre mobilen Geräte mit lokalen Mobilfunknetz verbinden können.

Eine weitere Herausforderung für die EV-Zukunft ist die Frage, was mit den mehr als 3,5 Millionen Personen- und Nutzfahrzeugen und den 4 Millionen Motorrädern und Motorrollern geschehen soll, die vor der Covid-19-Pandemie jährlich in den südostasiatischen Ländern verkauft wurden.