Start Anlagestrategie Japan Fonds: Was haben 5 Jahre Abenomics gebracht?

Japan Fonds: Was haben 5 Jahre Abenomics gebracht?

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Japan Fonds
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Japan hat ein neues Unterhaus gewählt. Die japanischen Wähler haben die Regierung bestätigt. Japans Premierminister Shinzo Abe konnte die Japaner vor allem davon überzeugen, dass die Wirtschaft in guten Händen ist. Seit 5 Jahren trägt die Wirtschaftspolitik Japans sogar seinen Namen. Die im Dezember 2012 gestarteten Abenomics stellen ein Bündel an Maßnahmen dar. Dazu zählen eine aggressive geldpolitische Lockerung, flexible Finanzpolitik und Strukturreformen. Die Frage ist daher: was hat Abe seitdem wirklich erreicht? Und wie haben sich die Finanzmärkte und speziell Japan Fonds entwickelt?

Der Premierminister argumentiert, dass seine Politik wesentlich zur wirtschaftlichen Erholung Japans beigetragen habe. In der Tat übernahm Abe das Ruder, als sich Japans Wirtschaft in einem schwierigen Zustand befand. Das Land hatte drei Quartale infolge negatives Wachstum verzeichnet. Von Ende 2010 bis Mitte 2011 dauert die rezessive Phase bereits, als Abe sein Amt antrat. Das schwere Erdbeben im Nordosten Japans hatte auch der Wirtschaft einen schweren Schlag versetzt. Die damals regierende Demokratische Partei Japans war in eine äußerst schwierige Lage geraten.

Abenomics sorgen für Börsenboom in Japan

Seit dem Amtsantritt von Abe verzeichnet die Wirtschaft ein stetiges, aber unauffälliges Wachstum. Ein Rückgang nach der Anhebung der Verbrauchssteuer im April 2014 wurde kompensiert. Jüngste Zahlen zeigen, dass das reale Bruttoinlandsprodukt Japans zwischen April und Juni 2017 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 % gewachsen ist. Die Arbeitslosenquote liegt auf dem niedrigsten Niveau seit 23 Jahren.

Japans durchschnittliches jährliches Wachstum liegt bei knapp 1%. Allerdings stagnieren die Löhne. Die Bevölkerung profitiert kaum von der wirtschaftlichen Erholung. Zwar weisen Volkswirte darauf hin, dass die Wirtschaft bereits zu Beginn der zweiten Amtszeit von Abe wieder stieg. Somit sei die Erholung nicht das Ergebnis der Abenomics.

Massive Abwertung des Yen

Doch im durch Jahrzehnte anhaltende Stagnation verunsicherten Japan interessiert das kaum jemanden. Die Börse hat unter Abe einen unglaublichen Boom erlebt. Der Nikkei 225-Index stand bei seinem Amtsantritt bei 10.390 Zählern. Inzwischen hat sich der Index glatt verdoppelt und liegt aktuell bei 20.350 Zählern.

Der Börsenboom dürfte mit ziemlicher Sicherheit auf die Abenomics zurückzuführen sein. Im Rahmen einer mit der Abe-Regierung vereinbarten Geldpolitik hat die Bank of Japan (BOJ) seit April 2013 ein aggressives geldpolitisches Lockerungsprogramm gestartet. Dadurch wurden Aktien deutlich attraktiver. Die BOJ kaufte auch Aktien über börsengehandelte Fonds, um den Markt zu stützen. Die BOJ hat seitdem mehrmals ihre Politik weiter gelockert. Dies beflügelte die Börsen ungemein.

Ein weiterer Effekt der geldpolitischen Lockerung ist die massive Abwertung des Yen. Vor der Politik des lockeren Geldes galt der Yen als sicherer Hafen. Die anhaltende Deflation hatte den Yen gegenüber dem US-Dollar in die Höhe getrieben. Im Oktober 2011 markierte die Währung mit 75,32 Yen den Höchststand.

Sonderkonjunktur für japanische Aktien

Die Politik der Zentralbank änderte das schlagartig. Durch Zinssätze auf Rekordtiefstständen wurde der Yen für Investoren unattraktiv. Dies sorgte für einen drastischen Fall des Yen. Der Kurs schwächte sich 2015 auf rund 124 Yen gegenüber dem Dollar ab.

Ein schwächerer Yen war jedoch ein Segen für exportorientierte Unternehmen, die mehr im Ausland verkaufen konnten. Die Unternehmensgewinne exportorientierter Unternehmen wie Toyota erhielten Auftrieb. Die Gewinne aller börsennotierten Unternehmen des Landes (exklusive Finanzwerte) lagen 2017 auf Rekordhöhe.

Trotz der konjunkturellen Erholung, der höheren Aktienkurse und des schwächeren Yen haben die Abenomics ihr wichtigstes Ziel bislang nicht erreicht. Japan hat seit über einem Jahrzehnt mit Deflation zu kämpfen. Dabei fallen die Preise für Waren und der Dienstleistungen ununterbrochen. Abe gab einen Zielkorridor von 2% Inflation aus. Die Geldpolitik der BOJ sollte dieses Ziel in Verbindung mit fiskalischer Expansion erreichen.

Deflation bleibt in Japan ein Thema

Es gab einen Moment, da schien das Ziel fast schon in greifbare Nähe gerückt zu sein. Nach der Mehrwertsteuererhöhung im April 2014 stieg der Verbraucherpreisindex um mehr als 1%. Der Einzelhandel hatte die Steuererhöhung für Preiserhöhungen genutzt. Doch der Trend kehrte sich bald wieder um.

Die Inflationsrate wurde durch einen starken Rückgang der Ölpreise begünstigt und kehrte bald wieder ins Negative zurück. Im August 2017 ist der Verbraucherpreisindex um 0,7% gestiegen. Damit blieb die Teuerung aber immer noch weit hinter dem selbstgesetzten 2%-Ziel zurück.

Die lockere Geld- und Fiskalpolitik hat jedoch ihren Preis. Die Staats- und Kommunalverschuldung beläuft sich mittlerweile auf über 1 Billiarde Yen (8,9 Billionen US-Dollar). Die Bruttoverschuldung zählt mit fast 240% des BIP zu den höchsten der Welt.

Staatsschulden: Abbau in Japan vertagt

Zwar verfügt Japan über einen großen Bestand an Vermögenswerten. Zudem sind die Reserven der Unternehmen gestiegen. Dies eingerechnet, liegt die Nettoverschuldung Japans mit rund 127% des BIP deutlich niedriger. Ohne die Verschuldung der Bank of Japan ist die Nettoverschuldung der Regierung mit einer Gesamtverschuldung von etwa 70 % bis 80 % sogar noch geringer.

Doch Besserung ist nicht in Sicht. Im Rahmen der Steuer- und Sozialreform 2012 sollten 1 Billion Yen aus den jährlichen 5 Billionen Yen Mehreinnahmen aus der Anhebung der Verbrauchssteuer von 8% auf 10% im Oktober 2019 für das soziale Sicherheitssystem bereitgestellt werden.

Der Rest war für die Haushaltskonsolidierung, einschließlich der Schuldentilgung, vorgesehen. Die Regierung plant nun, einen Teil der Mehreinnahmen für ein Wahlversprechen zu nutzen: höhere Ausgaben für die frühkindliche Ausbildung. Die Konsolidierung der Staatsfinanzen kann in Japan noch warten.

3 ausgewählte Japan Fonds

Ungeachtet der Staatsfinanzen konnten Anleger in den vergangenen Jahren von der japanischen Geld- und Fiskalpolitik profitieren. Mit Aktienfonds auf japanische Unternehmen ließ sich gutes Geld verdienen. Der Sektordurchschnitt Japanische Aktienfonds lag in den vergangenen 3 Jahren bei ca. 15 % p.a. Die besten Fonds schafften sogar deutlich mehr. Unserer Redaktion gefallen vor allem 3 Produkte mit Schwerpunkt Japan.

Der Comgest Growth Japan (IE0004767087) ist unter den 3 Japanfonds der aktivste. Der Fonds bewegt sich am weitesten außerhalb seiner Benchmark, dem Topix Total Return JPY. Aktives Management zahlte sich in diesem Fall aus. Die durchschnittliche jährliche Wertentwicklung in den vergangenen 3 Jahren lag bei 17,95%. Der Comgest Fonds ist in Japanische Yen denominiert.

T-Rowe Price Japan Fonds streut breit

Der M&G Japan Fund (GB0030938582) dagegen verfolgt einen Value-Ansatz. Das ist an einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 zu erkennen. Vergleichbare Produkte kommen auf KGV von bis zu 24. Dementsprechend finden sich viele klassische Sektoren im Fondsportfolio. Aktuell hat der Fonds einen Schwerpunkt in den Bereichen Technologie, Konsumgüter und Finanzdienstleistungen. Die durchschnittliche Wertentwicklung der letzten 3 Jahre lag bei 15,14%.

Der T.Rowe Price Funds Japanese Equity (LU0230817339) zählt ebenfalls zu den aktiveren Japan Fonds. Der Fonds streut seine Mittel breit, überwiegend in Werte mit hoher Marktkapitalisierung. Die durchschnittliche Jahresentwicklung über 3 Jahre liegt bei 15,90%. Der jüngste unter den 3 Fonds (2006 aufgelegt) setzt eher auf traditionelle Branchen. Mehr als 47% des Portfolios machen Aktien aus den Bereichen Industriewerte und Konsumgüter aus. Allerdings vereinnahmt T.Rower Price im Vergleich die höchsten Gebühren (Total Expense Ratio: 1,77%)

Die japanische Wirtschaft scheint sich nach über 20 Jahren Stagnation zu erholen. Zumindest das ist der Verdient von Shinzo Abe und seinen Abenomics. Investoren sollten die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder auf dem Radar haben.