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Japan, Indien: Technologie soll Schienenverkehr revolutionieren

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Japan Indien setzen auf Kooperation
Japan und Indien setzen auf Kooperation bei Zugtechnologie

Der indische Premierminister Narendra Modi und der japanische Premierminister Shinzo Abe haben eines der ambitioniertesten Technologieprojekte Asiens gestartet (Japan Indien). Die Kooperationspartner Japan und Indien legten feierlich den Grundstein für die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke Indiens. Die Eröffnungszeremonie ist der Startschuss für ein Mega-Infrastrukturprojekt, das auf der japanischen Shinkansen-Zugtechnologie (HSR) basiert.

Diese neue HSR-Strecke wird 508 Kilometer lang sein und die Strecke Mumbai – Ahmedabad befahren. Ahmedabad ist die größte Stadt der Heimatprovinz Modis. Die Daten des Projekts sind für Länder wie China oder Japan nichts Außergewöhnliches. In Indien kommen sie dagegen einer technologischen Revolution gleich.

Neues Zeitalter in Indien

Indien verfügt weder über 20.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken wie China. Der Subkontinent ist auch nicht technologischer Vorreiter wie Japan. 320 km/h Geschwindigkeit befördern Passagiere und das Transportsystem Indiens in eine vollkommen neue Dimension. Ministerpräsident Modi sprach davon, ein neues Zeitalter in Indien einzuleiten.

70 Fahrten wird der neue Hochgeschwindigkeitszug zukünftig pro Tag absolvieren. Diese führen durch einen 27 Kilometer langen Tunnel, 7 Kilometer davon verlaufen unter dem Meer. Die Gesamtkosten der Bahnlinie dürften sich auf etwa 17 Milliarden USD belaufen. Japan finanziert 80% der Kosten über ein zinsgünstiges Darlehen: 0,1% Zinssatz, 50 Jahre Tilgungszeitraum sowie 15 Jahre tilgungsfreie Zeit unterstreichen die politischen Ambitionen des Projekts.

HSR-Technologie für Indien

Der erste Abschnitt zwischen Mumbai und Ahmedabad ist jedoch erst der Beginn der grundlegenden Erneuerung des Bahnverkehrs in Indien. In den nächsten Jahren sollen weitere Megastädte an das Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen werden, darunter Delhi und Kalkutta.

Japan und Indien haben kein reines Exportgeschäft abgeschlossen. Neben der Finanzierung des Großteils des Projekts und der Bereitstellung des Knowhows will Japan auch die HSR-Technologie nach Indien bringen. Während die ersten Schienenfahrzeuge aus Japan kommen, werden die folgenden in Indien hergestellt. Damit wird der Wirtschaftsgigant Südasiens zum potenziellen Entwickler der HSR-Technologie.

Japan Indien bauen Verkehrsinfrastruktur aus

Bereits 2011 haben Indien und Japan eine strategische Partnerschaft geschlossen. Man wolle das „ungenutzte Potenzial der beiden größten Demokratien Asiens“ heben, so die Ankündigung. Damit schaffen Japan und Indien ein Gegengewicht in einer Region, die von China dominiert wird.

Die Grundsteinlegung für die erste Etappe der Mumbai-Ahmedabad Shinkansen-Linie erfolgt wenige Monate nach der Ankündigung des Asien-Afrika-Wachstumskorridors. Japan und Indien vereinbarten, gemeinsam die Verkehrsinfrastruktur und -entwicklung in Asien und Afrika zu stärken.

Eine Allianz gegen Chinas Expansionsdrang

China und Japan stehen derzeit weltweit an der Spitze der Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen und konkurrieren um Aufträge zum Bau neuer HSR-Linien in Asien und Europa. Während Peking kürzlich in Laos, Indonesien und Thailand Siege punkten konnte, war die Linie Mumbai-Ahmedabad für Tokio ein dringend benötigter Sieg.

Bei dem Geschäft geht es jedoch um weit mehr als um wirtschaftliche Zusammenarbeit. Abe und Modi nutzten den Anlass, um auch die Zusammenarbeit in einem anderen Bereich zu bekräftigen: ohne dass sie China namentlich nannten, geht es darum, dem außenpolitischen Expansionsdrang der Chinesen etwas entgegenzusetzen.

Chinas schwieriges Verhältnis zu seinen Nachbarn

Japan und Indien sehen in China eine gemeinsame sicherheitspolitische Herausforderung. Japan ist in eine Auseinandersetzung mit China über die Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer verstrickt. Indien hat seit langem Grenzstreitigkeiten mit China, die zuletzt im Himalaja offensichtlich wurden.

Weiterhin zeigen Chinas Beziehungen zu anderen Nachbarn, dass diese Sorgen nicht unbegründet sind, zeigen . Auch mit Brunei, Malaysia, den Philippinen und Vietnam streitet China über Gebietsansprüche.

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Finanzjournalist, Investmentautor, Finanzblogger - schreibt über Investieren in Asien, Asienfonds und asiatische Wirtschaft.