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Qualcomm: China verhindert Milliardenübernahme

Qualcomm China
Qualcomm setzt auf Mobilfunk-Halbleiter

Der US-Chiphersteller Qualcomm hat sein Übernahmeangebot für den niederländischen Automobil-Chiphersteller NXP Semiconductors zurückgezogen. Zwei Jahre lang hatten die Unternehmen an einer Übernahme gearbeitet. Diese scheint nun durch die Weigerung der chinesischen Regierung gescheitert zu sein.

Qualcomm: China blockiert Fusion

Die Übernahme von NXP durch Qualcomm wurde durch die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China verzögert. Beide Unternehmen konnten demnach ihren Zeitplan für den Abschluss der Transaktion nicht einhalten. Eine gescheiterte Akquisition wird die ehrgeizigen Ziele von Qualcomm im Automobilmarkt zurückwerfen und das Unternehmen zwingen, seine Strategie zu überdenken.

Qualcomm hat sein 44-Milliarden-USD-Angebot für NXP zurückgezogen. Der in San Diego ansässige US-Chiphersteller gab die Beendigung der Transaktion und eine für den Fall des Scheiterns vereinbarte Zahlung von 2 Milliarden USD an das niederländische Unternehmen bekannt. Bis zum Geschäftsjahr 2019 will der Halbleiterhersteller nun eigene Aktien im Wert von bis zu 30 Milliarden USD zurückkaufen.

Entscheidung von Handelsstreit beeinflusst

Qualcomm hatte im Oktober 2016 angekündigt, NXP zu kaufen. Bis Januar hatte das Unternehmen die Zustimmung von acht Kartellbehörden weltweit erhalten. Aber die chinesischen Regulierungsbehörden haben eine härtere Linie verfolgt. Erst im April hatte das US-Handelsministerium dem chinesischen Telekommunikationsausrüster ZTE die Lieferung von Komponenten an US-Unternehmen untersagt hatte.

Die jüngste Entscheidung steht im Gegensatz zu der Genehmigung, die China einem weiteren Deal mit einem großen Halbleiterunternehmen – Toshiba Memory of Japan – erteilt hat, einem führenden Flash-Speicherhersteller, der Anfang des Jahres von einem Konsortium unter Führung der US-Buyout-Firma Bain Capital übernommen wurde. Der Deal wurde von den chinesischen Behörden streng geprüft, erhielt aber schließlich die Genehmigung.

Halbleiterfusionen mit strategischer Bedeutung

Der Zusammenbruch erfolgte inmitten eines eskalierenden Handelsstreits zwischen den USA und China über die enormen Handelsungleichgewichte, den fehlenden Zugang zum chinesischen Markt und den offensichtlichen Versuch Chinas, die globalen Technologieindustrien zu dominieren.

Der Qualcomm-Vertrag war bereits von acht weiteren Aufsichtsbehörden genehmigt worden, bedurfte aber noch der Zustimmung der chinesischen Wettbewerbsbehörden. Der Abbruch wird in den USA als Versuch Pekings gewertet, Qualcomm daran zu hindern, seinen Vorsprung im Halbleitersektor auszubauen. China will in dem Segment ebenfalls Marktanteile gewinnen.

Qualcomm setzt auf Elektromobilität und autonome Antriebe

Der Großteil des Umsatzes von Qualcomm in Höhe von rund 23,3 Milliarden USD im Geschäftsjahr 2017 stammt von Kommunikations-Chips und Prozessoren für Smartphones sowie von Lizenzgebühren für Patente.

Qualcomm hatte sich erhofft, von der Einführung von Elektrofahrzeugen und der Entwicklung autonomer Antriebstechnik zu profitieren und ein großer Player in der Automobilindustrie zu werden. Die Akquisition von NXP sollte dieses Projekt vorantreiben. Der US-Chiphersteller hatte geplant, die steigende Nachfrage nach spezialisierten Halbleitern für Autos zu bedienen.

Der Umsatz von Qualcomm für die Monate April bis Juni lag bei 5,6 Milliarden USD. Das sind 4 % mehr als im Vorjahr, während der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr um 41 % auf 1,2 Milliarden US-Dollar stieg. Beide Werte übertrafen die Marktprognosen.

Qualcomm China Kurs
Qualcomm: China blockiert Fusion

5G als Wachstumstreiber für Mobilfunkchips

Qualcomm CEO Steve Mollenkopf sagte anlässlich der Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal, die Akquisition sei ” aus geopolitischer Sicht ” schwierig. Aber die Einführung der 5G-Hochgeschwindigkeits-Mobilfunktechnologie werde das Ergebnis des Unternehmens steigern. Er sei optimistisch, dass Qualcomm auch ohne den NXP-Deal weiterwachsen werde.

Allerdings gibt es Wolken am Horizont, darunter ein gesättigter Smartphone-Markt und das Versäumnis, Aufträge von Apple für seine neuen Modem-Chips für das nächste iPhone zu sichern. Qualcomm und Apple führen zudem einen Rechtsstreit über angebliche Patentverletzungen.

Qualcomm: China weißt Schuld am Scheitern der Fusion von sich

Die chinesische Regierung gab dem US-Chiphersteller Qualcomm die Schuld für das fehlgeschlagene Übernahmeangebot für den niederländischen Konkurrenten NXP Semiconductors. Das US-Unternehmen habe sich demnach entschieden, die Fusionsgespräche trotz eines chinesischen Konsultationsangebots zu beenden.

Die Kartellbehörde habe gehofft, mit Qualcomm in Kontakt zu bleiben, um eine adäquate Lösung für das Problem innerhalb des Berichtszeitraums zu finden, so die Wettbewerbsbehörde in einer auf ihrer Website veröffentlichten Erklärung.

China gibt Qualcomm mehr Zeit. Für was?

Qualcomm hatte eine Frist bis zum 25. Juli gesetzt, um die Genehmigung der chinesischen Behörden zu erhalten. Die Chinesen sagten jedoch, dass sie Qualcomm bis zum 14. Oktober Zeit gegeben hätten, um ihre Bedenken auszuräumen. Welche Bedenken dies sind, wurde nicht angeben.

In der Erklärung argumentiert die Kartellaufsicht, dass der Zusammenschluss negative Auswirkungen auf den Marktwettbewerb hätte. Die chinesischen Regulierungsbehörden würden aber alle Unternehmen fair und gleichberechtigt im Einklang mit dem chinesischen Antimonopolgesetz behandeln.