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Indien treibt Entwicklung erneuerbarer Energien voran

Big Onshore windpark in India

Die Umstellung auf grüne, erneuerbare Energie in Indien ist in vollem Gange und hat durch neue Investitionen und Regierungsinitiativen ein Ökosystem geschaffen, das die Ziele des Landes für das nächste Jahrzehnt unterstützt. Da die Nachfrage nach Strom steigt, erhöht Indien – der drittgrößte Energieverbraucher der Welt – seine grüne Energieproduktion mit dem Ziel, bis 2022 175 Gigawatt (GW) und bis 2030 450 GW erneuerbare Energie zu erzeugen. Das Land steht weltweit an vierter Stelle, was die Gesamtkapazität an erneuerbaren Energien angeht.

Nach Angaben der Ratingagentur ICRA dürfte die Stromnachfrage in Indien 2021-22 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6% steigen, bei einer geschätzten zusätzlichen Stromerzeugungskapazität von 17 bis 18 GW. In jüngster Zeit hat die Regierung mehrere Reformen durchgeführt, um die Nutzung umweltfreundlicher Energie durch Unternehmen in Indien zu fördern, darunter auch eine grüne Tarifpolitik, die für den Energiesektor als entscheidend gilt.

Steigende Investitionen in erneuerbare Energie in Indien

Einem Bericht der Denkfabrik Carbon Tracker zufolge hat Indien seine Produktion erneuerbarer Energien von weniger als 20 GW Solarstrom im Jahr 2010 auf 96 GW Solar-, Wind-, Biomasse- und Kleinwasserkraft im Mai 2021 gesteigert.

Erneuerbare Energien machen 142 GW oder 37% des derzeitigen Stromerzeugungsumfangs des Landes aus, und die Regierung strebt bis 2030 die Erzeugung von 450 GW grüner Energie in Indien an. Nach Angaben des indischen Energieministers Raj Kumar Singh wurden in den letzten sieben Jahren rund 70 Mrd. USD in erneuerbare Energien investiert.

Mehrere Unternehmen haben ihre eigenen Ziele für erneuerbare Energien und ihr Engagement für das Carbon Disclosure Project (CDP), 100% erneuerbare Energien, und wissenschaftsbasierte Ziele (SBTs) erklärt. Toyota, JK Cement, UltraTech und NTPC sind einige der Unternehmen, die ihre Energy Compacts eingereicht haben.

In einer Rede auf einer virtuellen Veranstaltung des Ministeriums für neue und erneuerbare Energien (MNRE) wies Singh auf die liberale Politik für ausländische Investitionen in grüne Energie in Indien hin, die 100%ige ausländische Direktinvestitionen über den automatischen Weg in diesem Sektor erlaubt. Der Minister lobte das Engagement indischer Unternehmen für die Energiewendepläne des Landes.

Reformen unterstützen grüne Energie-Wende in Indien

Indien plant eine so genannte “grüne Tarifpolitik”. Diese würde staatlichen Versorgungsunternehmen dabei helfen, Strom aus sauberen Energieprojekten zu vergleichsweise niedrigeren Tarifen zu liefern als Strom aus fossilen Brennstoffen, so Singh.

Gegenwärtig kaufen die öffentlichen Stromversorger erneuerbare Energien im Rahmen ihrer Abnahmeverpflichtungen für erneuerbare Energien (RPO). Durch die neue geplante Tarifpolitik, könnten sie ausschließlich grünen Strom kaufen und ihn zum “grünen Tarif” verkaufen, der dem gewichteten Durchschnittstarif für grünen Strom entspricht, den der Verbraucher zahlt.

Darüber hinaus will die indische Regierung Regeln aufstellen, die sicherstellen, dass Unternehmen, die 100% grüne Energie in Indien beziehen wollen, ihre Anträge innerhalb von zwei Wochen genehmigt bekommen.

Die Regierung will zudem Maßnahmen vorantreiben, um die Umweltverschmutzung zu verringern und die auf der Pariser Klimakonferenz festgelegten Ziele zu erreichen – darunter grüne Mobilität, grüner Wasserstoff, Batteriespeicherung und die Beimischung von Ethanol zu fossilen Brennstoffen.

Singh nannte weitere geplante Initiativen im Bereich der erneuerbaren Energien, darunter Finanzierungsmöglichkeiten für die Offshore-Windenergie, die Einführung des grünen Terminmarktes und des grünen Day-Ahead- Stromhandelsmarktes.

Indiens Unternehmen werden grün

Angesichts des wachsenden Interesses an grüner Energie in Indien haben mehrere Unternehmen beschlossen, stärker auf erneuerbare Ressourcen zu setzen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Im vergangenen Juni meldete Tata Power Co., ein Stromversorger in Mumbai, dass 37 seiner Großkunden, darunter IT-Unternehmen und Banken, beschlossen haben, vollständig auf grüne Energie umzusteigen.

Auch zwei der größten Konzerne des Landes, die Reliance Group und die Adani Group, stellen auf grün um.

Gautam Adani, der zweitreichste Mann Indiens, hat sein Unternehmen Adani Green Energy, den Geschäftsbereich für erneuerbare Energien der Adani-Gruppe, ausgebaut. Bis zum Jahr 2030 will Adani Green Energy der größte Akteur im Bereich der sauberen Energie in Indien werden.

Das 2015 gegründete Unternehmen Adani Green Energy verfügt derzeit über 15.390 MW an erneuerbaren Energien in 11 indischen Bundesstaaten. Darunter 3.023 MW an Solarenergie und 497 MW an Windenergie. Außerdem baut das Unternehmen ein Hybridkraftwerk, das 2.290 MW Strom erzeugen soll. Bis 2025 will Adani Green Energy  25 GW an erneuerbaren Energien erreichen.

Zunehmend Konkurrenz bekommt Adani von Mukesh Ambani, dem reichsten Mann Indiens, der im Juni 2021 sein neues Unternehmen für erneuerbare Energien gegründet hat. Ambani will 100 GW der von der Regierung angestrebten 450 GW über Reliance Industries produzieren, wo er Vorstandsvorsitzender ist. Er plant, in den nächsten drei Jahren 10 Mrd. USD zu investieren, um dieses Ziel zu erreichen. Zusätzlich sollen weitere 2 Mrd. USD für Investitionen in die Wertschöpfungskette, Technologie und Partnerschaften für das neue Energiegeschäft gesteckt werden.

Branchenexperten sind der Meinung, dass Reliance Industries in kurzer Zeit zu einem wichtigen Akteur im Bereich der grünen Energie in Indien werden könnte. Vibhuti Garg, Energiewirtschaftsexperte am Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA), wies darauf hin, dass die Ausweitung der einheimischen Produktion von Solarzellen, Modulen, Batteriespeichern und anderen verwandten Produkten durch Reliance nicht nur zu Indiens Zielen im Bereich der sauberen Energie beitragen wird, sondern auch dazu, dass einheimische Unternehmen weniger abhängig von importierten Materialien für grüne Energieanlagen werden.