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Asien Coronavirus: Maßnahmen auf Biegen und Brechen

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Chengdu, China: Überprüfung der Körpertemperatur vor dem Betreten eines Gebäudes. (Quelle: Ihor Sulyatytskyy/Shutterstock.com)

Fast alle asiatischen Staaten haben inzwischen Schulen geschlossen und die Öffnungszeiten von öffentlichen Räumen wie Restaurants, Bars und Einkaufszentren eingeschränkt. Zudem haben die meisten Reiseverbote für Besucher aus China und Europa verhängt.

Viele Länder haben Konjunkturpakete angekündigt, um die wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen und Arbeitnehmer aufzuschieben und gleichzeitig mehr Geld in ihre Gesundheitsdienste zu pumpen.

Doch die Rezepte der asiatischen Regierungen für den Umgang mit COVID-19 könnten unterschiedlicher nicht sein.

Asien Coronavirus-Erfolge

Nach wochenlangem Verschleiern des Virusausbruchs hat China am 23. Januar den größten Teil der Provinz Hubei mit fast 60 Mio. Menschen gesperrt. Erst jetzt beginnen Schulen und öffentliche Räume wieder zu öffnen und die Menschen verlassen wieder ihre Häuser.

Südkorea hat von Anfang an gut reagiert und war führend bei der “frühzeitigen Behandlung” und der Durchführung von Tests auf hohem Niveau. Tatsächlich sind die Testraten in Südkorea mit 3.692 Tests pro eine Million Menschen (Stand 8. März) viel höher als in den meisten anderen Ländern der Welt. Italien hat nur 826 Tests pro eine Million Menschen durchgeführt, obwohl die Sterblichkeitsrate zehnmal höher war als beispielsweise in Südkorea.

Seit Mitte Februar hat Südkorea etwa 15.000 Personen pro Tag getestet, während Japan nur 6.000 Personen testet. Insgesamt hat Südkorea seit Mitte Februar zehnmal so viele Personen (210.000) getestet wie Japan.

Südkorea war auch Vorreiter bei innovativen Testmethoden, wie z.B. bei Drive-Thru-Inspektionen, die sich nicht nur als schneller, sondern auch als sicherer erwiesen haben. So sind potenziell Infizierte nicht mit anderen Personen in Krankenhäusern oder Kliniken in Kontakt gekommen, was die Zahl der Kreuzinfektionen verringert.

Japan hingegen agiert konservativer und hält sich eng an die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation. Menschen, die den Verdacht haben, dass sie sich infiziert haben, müssen sich vorab an die vom Gesundheitsministerium eingerichteten Stationen wenden. Dann wird überprüft, ob sie getestet werden können, und das ist nur möglich, wenn sie mehr als vier Tage lang Symptome aufweisen – oder zwei Tage bei älteren Menschen.

In China, Südkorea und Japan geht die Zahl der neuen COVID-19-Fälle inzwischen zurück, obwohl einige befürchten, dass sie in den kommenden Wochen wieder zunehmen könnten.

Südostasien braucht “aggressive Maßnahmen”

Die Reaktion der südostasiatischen Staaten war noch unterschiedlicher. Das ist ein beträchtliches Problem, da die Weltgesundheitsorganisation am 18. März die Region zu “aggressiven Maßnahmen” aufrief.

Auf den Philippinen ist die Zahl der bestätigten Fälle zwischen dem 10. und 17. März von zehn auf 187 gestiegen ist. Daraufhin führte die Regierung erst in dieser Woche in der Hauptstadt Manila wirksame Quarantänemaßnahmen ein, was zu chaotischen Szenen führte. Luzon, die bevölkerungsreichste Insel, wurde ebenfalls unter Quarantäne gestellt. In dieser Woche schlossen die Philippinen auch als erstes Land der Welt ihre Finanzmärkte.

In Malaysia stieg die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle am 16. März auf 553, nachdem sie wochenlang nur zweistellige Werte erreicht hatten. Die Regierung reagierte verspätet und führte am 18. März weitreichende Beschränkungen ein, darunter ein Verbot aller Auslandsreisen.

Indonesien, das viertgrößte Land der Welt mit einer Bevölkerung von 264 Mio. Menschen, hat erst diese Woche mehr als 1.000 Tests auf Infektionen durchgeführt. Bis zum 2. März wurde kein einziger Fall registriert, woran die internationalen Gesundheitsbehörden Zweifel hatten. Mit Stand vom 17. März gibt es nun 172 Fälle der Krankheit.

Vietnam und Singapur reagierten dagegen im Januar schnell, indem sie alle Personenbeförderungen aus China verboten. Vietnam reagierte zudem jüngst auf den Ausbruch in Europa, indem es alle Einreisen aus Europa sofort stoppte.

Singapur hat zusammen mit Stadtstaat Hongkong dank schneller und innovativer Reaktionen nur eine Handvoll von Todesfällen zu verzeichnen. Schon früh ordnete die Regierung schnell eine Quarantäne verdächtiger Infizierter an und aktualisiert nun regelmäßig eine Online-Datenbank potenzieller Fälle mit Angaben zu deren Wohn- und Arbeitsort, so dass andere Menschen an solchen Orten vorsichtiger sein können.

Asien Coronavirus: Transparenz von Land zu Land sehr unterschiedlich

Die Reaktionen in Asien waren auch unterschiedlich, was die Transparenz der Regierungen gegenüber ihren Bürgern betrifft.

Die Behörden in China wussten entweder schon Ende November oder Anfang Dezember von dem Virus, sagten aber bis Januar nichts öffentlich. Seitdem ist die Regierung hart  gegen Informanten und Kritiker der regierenden Kommunistischen Partei vorgegangen.

Die ebenfalls kommunistisch geführte Regierung in Laos behauptet immer noch, dass es im Land keine Infektionen gibt. Viele internationale Gesundheitsexperten bezweifeln das. Laos grenzt an China und ist das zweitärmste Land Südostasiens.

Die kambodschanische Regierung, die Chinas enger Verbündeter in Asien ist, reagierte in den ersten Monaten unbekümmert: Ihr Premierminister Hun Sen reiste regelmäßig ohne Maske durch das Land und kritisierte diejenigen, die in Panik gerieten. Erst diese Woche hat Kambodscha seine Grenzen für Reisende aus dem Ausland gesperrt.

Die Regierungen Südkoreas, Japans, Singapurs und sogar Vietnams, das nicht für seine Transparenz bekannt ist, haben jedoch recht offen reagiert. Die Minister informieren ihre Bürger regelmäßig über neue Infektionsfälle und geben die neuesten Ratschläge zu Hygienemaßnahmen.

Phase zwei der Maßnahmen voraus

Mehrere asiatische Staaten haben in den letzten Tagen einen Anstieg der Infektionsraten erlebt. Dies ist vor allem auf infizierter Touristen aus Europa zurückzuführen – dem aktuellen Epizentrum der Pandemie. Das lässt Sorge aufkommen – die Übertragung aus China haben sie relativ unbeschadet überstanden, die Einschleppung aus Europa stellt nun ein ernsthafteres Risiko dar.

Auch in Ländern wie China, Südkorea und Japan besteht nun die Sorge, dass die Zahl der neuen Fälle wieder ansteigen könnte. Zwar verlangsamen sich die Zahlen derzeit, aber ein erneuter Anstieg könnte vielleicht sogar noch dringendere oder neue Formen der Reaktion erfordern.