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Welche Rolle spielen Industrieroboter bei der Wirtschaftserholung?

Industrieroboter an der Spitze - wie sieht es mit kommerziellen Robotern aus? (Quelle: helloabc/Shutterstock.com)
Industrieroboter in Führung - wann kommen die kommerziellen Roboter? (Quelle: helloabc/Shutterstock.com)

Die zunehmende Produktion von erschwinglichen Industrierobotern hat zu einer raschen Zunahme der Automatisierung in Fabriken geführt und damit zu einem Anstieg der Nachfrage nach den Fähigkeiten der Roboter. Die International Federation of Robotics (IFR) schätzt, dass bis 2022 rund vier Millionen Industrieroboter in Fabriken auf der ganzen Welt arbeiten werden – und dass die Roboter eine große Rolle bei der Erholung der Post-Corona-Wirtschaft spielen werden.

Es sei jedoch die Aufgabe von Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt, die für die Arbeit mit den modernen, intelligenten Automationssystemen und Robotern erforderliche Basis zu schaffen, so Milton Guerry, Präsident der IFR. Er erwartet, dass der Einsatz von Robotern zunehmen wird, um den Aufschwung nach der Coronakrise zu unterstützen. Daraus ergibt sich ein Handlungsbedarf: es müssen Richtlinien und Strategien her, die Arbeitskräften helfen, in stärker automatisierten Volkswirtschaften zu arbeiten.

Bis heute haben nur vier Länder eine Bildungspolitik, die reif genug ist, um Lösungen für die Herausforderungen einer automatisierten Wirtschaft zu bieten, so der “Automation Readiness Index”, der von der Economic Intelligent Unit veröffentlicht wurde. Diese sind Südkorea, Estland, Singapur und Deutschland. An der Spitze des Gesamtindexes steht Südkorea, dann Deutschland, gefolgt von Singapur und Japan. Es mag überraschend kommen, aber China liegt auf Platz 12 als sich entwickelnd klassifiziert, nur kurz vor Malaysia (14) – an der Spitze der als Schwellenländer definierten Länder. Weitere gelistete asiatische Länder sind Indien (18), Vietnam (24) und Indonesien (25).

Asien – führend in der Industrieroboter-Dichte

Globale Untersuchungen von IFR zeigen, dass die Roboterdichte in der Fertigung zunimmt. Die Roboterdichte ist definiert als die Anzahl der Roboter pro 10.000 Arbeiter in einer Branche. Auch hier führt Südkorea die Liste mit der höchsten Roboterdichte in der Fertigungsindustrie an. Das Land hält diese Position seit 2010, und jetzt übertrifft seine Roboterdichte den weltweiten Durchschnitt um das Achtfache. Das hohe Wachstum ist laut IFR auf die verstärkte Installation von Robotern vor allem in der Automobil- und der Elektro-/Elektronikindustrie zurückzuführen.

Singapur liegt an zweiter Stelle mit einer Rate von 488 Robotern pro 10.000 Beschäftigte laut dem Bericht. Etwa 90 Prozent davon sind im Land in der Elektronikindustrie tätig. An dritter Stelle liegt Deutschland mit 309 Einheiten. An vierter Stelle folgt Japan mit 303 Robotern pro 10.000 Beschäftigte. Japan ist mit einer Produktionskapazität von 153.000 Einheiten auch der weltweit dominierende Hersteller von Industrierobotern. Sie stellen 52% des weltweiten Angebots her.

Restaurantroboter in Südkorea

Während in der Fertigungs- und Verarbeitungsindustrie Roboter bereits in großem Umfang eingesetzt werden, erobern Roboter langsam auch andere Bereiche. Allerdings haben Roboter noch mit einfachen Aufgaben zu kämpfen, wenn sie in unberechenbaren städtischen Umgebungen eingesetzt werden. Ihr Einsatz könnte jedoch von großem Nutzen sein, z.B. für kleine und mittlere Unternehmen in der Japan Wirtschaft, die mit einer alternden Gesellschaft zu kämpfen hat. Kommerzielle Roboter könnten zudem Unternehmen unterstützen, die vom Coronavirus schwer getroffen wurden und mit weniger Arbeitern zurechtkommen müssen.

In Südkorea finden solche kommerziellen Roboter langsam ihren Weg in den Alltag. LG Electronics hat bereits Roboter für verschiedene Anwendungen in Restaurants entwickelt und im Einsatz. Eine erste Einheit des so genannten Cloi ServeBot serviert in einem Restaurant in Seoul Essen. Der Bot zeigt während der Bedienung der Kunden sogar verschiedene Gesichtsausdrücke auf seinem Bildschirm. Die Buffetkette desselben Restaurants setzt ebenfalls einen Nudel-Mach-Roboter von LG ein. Darüber hinaus hat das Unternehmen Pflege-Roboter für das Seoul National University Hospital eingeführt, die bei der Betreuung von Kindern auf den Intensivstationen des Krankenhauses helfen sollen.

Zudem ist LG kürzlich eine Partnerschaft mit dem Mayfield Hotel, einem Hotel der gehobenen Klasse in Südkorea, eingegangen, um einen mobilen Roboter zu entwickeln, der Speisen aus der Innenküche des Hotels zu den Gästen auf der Terrasse bringt und das dreckige Geschirr wieder zurück in die Küche trägt.

Roboter-Restaurantkomplex in China

In der chinesischen Provinz Guangdong öffnete im Juni der weltweit erste robotergestützte Restaurantkomplex seine Türen. Auf 2.000 Quadratmetern Restaurantfläche sind mehr als 20 entwickelte Roboter im Einsatz, von der Bestellannahme über das Servieren bis hin zum Kochen.

In Japan drängen die ersten Roboter in den Einzelhandel. Die in Tokio ansässige Robotikfirma Telexistence plant, ihren Stapelroboter in japanischen Convenience Stores zu testen. Der Roboter, der vage einem Känguru ähnelt, wird Sandwiches, Getränke und Fertiggerichte in Regalen stapeln. Wenn der Test erfolgreich ist, plant FamilyMart die Roboter bis 2022 in 20 Geschäften rund um Tokio einzusetzen. Derzeit brauchen diese Roboter noch Menschen, die sie ferngesteuert bedienen, bis ihre künstliche Intelligenz lernen kann, menschliche Bewegungen nachzuahmen.

So dauert es noch, bis sich Roboter in unserem Alltag etablieren werden. Laut Professor Takeo Kanade, KI- und Robotikwissenschaftler an der Carnegie-Mellon-Universität in den Vereinigten Staaten, könnte es noch 20 Jahre dauern, bis wir anfangen, wirklich intelligente Roboter im Haushalt einzusetzen.

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