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Folgen der Delta-Variante: IWF senkt Wachstumsprognose für Asien

IMF Asia growth forecast
IMF cuts Asia's growth on back of the recent virus surge that has hampered economic recovery.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum 2021 für Asien-Pazifik herabgestuft. Grund dafür ist der jüngste Anstieg an Coronavirusinfektionen, der durch die hochansteckende Delta-Variante ausgelöst wurde. Dies und die langsamen Fortschritte bei der Einführung von Impfstoffen habe die Aussichten auf eine Erholung eingetrübt, so der IWF. Für dieses Jahr rechnet er mit einer Wachstumsrate von 6,5%, was einem Rückgang um 1,1 Prozentpunkte gegenüber der früheren Prognose vom April entspricht.

In seiner am 20. Oktober veröffentlichten Aktualisierung des Länderausblicks für die Region warnte der IWF, dass eine neue Welle von Covid-19-Infektionen, Unterbrechungen der Lieferketten und Inflationsdruck die Wirtschaftsleistung in Asien weiter belasten werden. Für 2022 hobt der IWF jedoch die Wachstumsprognose für Asien auf 5,7% an, nachdem er im April noch von 5,3% ausgegangen war.

Für die Weltwirtschaft erwartet der Fonds unterdessen ein Wachstum von 6,0% im Jahr 2021 und 4,9% im nächsten Jahr.

Uneinheitliche Auswirkungen der Pandemie auf das Wachstum in Asien

Die Region Asien-Pazifik (APAC) soll laut dem kürzlich veröffentlichten regionalen Wirtschaftsausblick mit 6,5% Wachstum im Jahr 2021 die am schnellsten wachsende Region der Welt bleiben, angeführt von China und Indien.

Nach einem starken Rückgang im Jahr 2020 wird für Indien nun ein Wachstum von 9,5% (3,0 Prozentpunkte niedriger als im April) und 8,5% im Jahr 2022 (1,6 Prozentpunkte höher als im April) prognostiziert, während Chinas Wirtschaft in diesem Jahr um 8,0% (0,4 Prozentpunkte niedriger als im April) und 2022 um 5,6% wachsen soll (unverändert). Der IWF fügte jedoch hinzu, dass Chinas Aufschwung «unausgewogen» bleibe, da wiederholte Ausbrüche des Coronavirus und fiskalische Maßnahmen den Konsum belasten.

Gleichzeitig vertieft sich die Kluft zwischen den fortgeschrittenen Volkswirtschaften der APAC-Region und den Schwellen- und Entwicklungsländern. Der IWF-Prognose zufolge wurden fast alle Schwellen- und Entwicklungsländer im Vergleich zur April-Prognose herabgestuft, während fast alle fortgeschrittenen asiatischen Volkswirtschaften eine Aufwertung erfuhren.

«Die fünf ASEAN Länder (Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur und Thailand) sehen sich nach wie vor ’schweren Herausforderungen› durch ein Wiederaufleben des Virus und Schwächen in kontaktintensiven Sektoren gegenüber», sagte Chang Yong Rhee, Direktor der Asien- und Pazifikabteilung des IWF.

Unter den ASEAN-Staaten wurde die stärkste Herabstufung für die Philippinen vorgenommen, deren Wirtschaftswachstumsprognose nun bei 3,2% liegt (3,7 Prozentpunkte weniger als im April). Die Wachstumsprognose für Malaysia liegt bei 3,5% (-3,0 Prozentpunkte). Es folgen Vietnam mit 3,8% (-2,7 Prozentpunkte), Thailand mit 1,0% (-1,6 Prozentpunkte) und Indonesien mit 3,2 (-1,1 Prozentpunkte).

Kurzfristige Risiken

Nach Angaben des internationalen Gremiums hat ein sprunghafter Anstieg der Fälle der Delta-Variante in der Region den Verbrauch und die Produktion in der Region beeinträchtigt. Die hochgradig ansteckende Delta-Variante hat vor allem in den dicht besiedelten Regionen Süd- und Südostasiens zu einer schnellen Verbreitung, massenhaften Krankenhauseinweisungen und tragischen Todesfällen geführt.

Die Risiken liegen laut IWF in der unsicheren Pandemiedynamik, der Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Virusvarianten, Unterbrechungen der Versorgungskette und einem verfrühten Politikwechsel sowie in möglichen globalen finanziellen Auswirkungen der geldpolitischen Normalisierung der US-Notenbank. Ein veränderter geldpolitischer Kurs der USA könnte auch zu erheblichen Kapitalabflüssen und höheren Kreditkosten für die asiatischen Schwellenländer führen, was ein erhöhtes Risiko für die Region darstellt, so der IWF in seinem Bericht.

Darüber hinaus hat die Inflation zugenommen, was auf den Wiederanstieg der Rohstoffpreise und das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zurückzuführen ist, das voraussichtlich nur vorübergehend besteht wird.